DFB-Pokal

Unions Sehnsucht nach dem Olympiastadion

Bundesliga-Aufsteiger Union hofft im DFB-Pokal auf ein erfolgreiches Kapitel. Erster Schritt ist am Sonntag ein Sieg in Halberstadt.

Grischa Prömel (l.) kämpft bei Unions bislang letztem DFB-Pokalauftritt in Dortmund gegen Achraf Hakimi.

Grischa Prömel (l.) kämpft bei Unions bislang letztem DFB-Pokalauftritt in Dortmund gegen Achraf Hakimi.

Foto: firo Sportphoto/Christopher Neundorf / picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Berlin. Das Olympiastadion – Sehnsuchtsort quasi aller Fußballklubs in Deutschland. Auch der des 1. FC Union. Nun ist es sicher nicht so, dass der Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga sein Theater der Träume an der Alten Försterei verlassen wird, um rund 25 Kilometer weiter westlich dem gestiegenen Interesse Rechnung zu tragen.

Nein, Union wird alle seine Heimspiele im Oberhaus in der Alten Försterei austragen. Und doch: Ein wenig Sehnsucht nach dem Olympiastadion ist vorhanden. Weil dort die letzte Titelentscheidung im deutschen Fußball stattfindet. Das Finale um den DFB-Pokal als furioser Schlusspunkt einer ganzen Spielzeit.

Bei Union weiß man um den Zauber dieses Finales. Im Jahr 2001 standen die Köpenicker als bislang letzter Berliner Klub im Endspiel (0:2 gegen Schalke 04). Seitdem ist Unions Pokalhistorie jedoch nur mühsam gewachsen.

Erstrunden-Pleiten pflastern Unions Weg

Lange waren peinliche Erstrunden-Niederlagen ein stetiger Begleiter in den ersten Wochen einer Saison. erinnert sei nur an das 0:1 beim Halleschen FC (2010), die Pleite im Elfmeterschießen bei Rot-Weiss Essen ein Jahr später oder das 1:2 bei Viktoria Köln 2015, das den Anfang vom Ende des damaligen Trainers Norbert Düwel bedeutete.

Die Fans machten sich ihren Reim darauf und texteten den Mallorca-Partysong kurzerhand um: „Pokal ist doch nur einmal im Jahr.“ Das hat sich inzwischen immerhin geändert. In den vergangenen drei Spielzeiten schaffte es Union immer in die zweite Runde.

Die Chance, aber auch die Erwartung, es dieses Jahr im Spiel gegen Germania Halberstadt am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) erneut zu schaffen, ist riesengroß. Ein Aus dürfte schon als klarer Rückschlag angesehen werden. Oder wie es Trainer Urs Fischer bezeichnete: „Ich sehe die Favoritenrolle bei uns.“ Keine Überraschung angesichts des Drei-Klassen-Unterschieds.

Inzwischen in Runde zwei etabliert

Das Trauma, nur Hebel für die Sensation durch einen unterklassigen Klub zu sein, hat Union überwunden. Nun hofft man bei den Köpenickern auch im nationalen Cup-Wettbewerb auf den nächsten Schritt, der da heißt: Überwintern im DFB-Pokal.

Dass dazu auch Losglück gehört, steht außer Frage. Zweimal bei Borussia Dortmund auszuscheiden, noch dazu erst im Elfmeterschießen (2016) oder durch einen Foulelfmeter in der letzten Minute der Verlängerung (2018), oder auch einmal bei Bayer Leverkusen (2017) ist ohne Zweifel keine Schande.

Und doch bleibt der unausgesprochene Wunsch, zumindest mal wieder zu den besten 16 Mannschaften des DFB-Pokals zu gehören, von gesteigerten Einnahmen einmal abgesehen. Der Sprung in die dritte Runde, das Achtelfinale, ist dazu nötig. Und der erste Schritt, der soll nun in Halberstadt gelingen.

Unions Pokalelf als Grundgerüst für die Bundesliga

Natürlich hat Fischer sein Team auf die Aufgabe akribisch vorbereitet, inklusive Studium von Videomaterial über den Gegner. Drei Meisterschaftsspiele in der Regionalliga geben schon ein wenig Aufschluss. Und er sieht seine Mannschaft bereit für einen dominanten Auftritt.

Keine Frage, Union hat längst in den Wettkampfmodus geschaltet. Folglich darf man gespannt sein, welche Elf Fischer ins Rennen schickt für den ersten Sieg in einem Pflichtspiel als Bundesligist. Denn der Schweizer ließ bereits durchblicken, dass in Halberstadt die Formation auflaufen wird, die dann auch eine Woche später gegen RB Leipzig um die ersten Erstligapunkte spielen wird.

„Ich glaube, vom Grundgerüst sollte das dann so aussehen“, erklärte Fischer. Sicher gelte es auch, unter Wettkampfbedingungen Eindrücke zu bekommen. Auch steht vor dem Leipzig-Spiel noch eine Trainingswoche auf dem Programm. Aber, so Fischer: „Obwohl der Kader groß ist, gehe ich davon aus, dass ich nicht auf elf Positionen wechseln werde.“

Gut 2000 Union-Fans in Halberstadt

Insgesamt gut 6000 Zuschauer werden das Friedensstadion zu Halberstadt füllen, gut ein Drittel davon wird die Berliner unterstützen. Natürlich ist die Partie ausverkauft. Und nicht nur Halberstadts Trainer Sven Körner fiebert dem Duell mit dem Aufsteiger entgegen.

„Es wird interessant zu sehen sein, welche Aura Neven Subotic umgibt oder wie ein Christian Gentner auf dem Platz coacht. Auf der anderen Seite bin ich genauso gespannt und voller Vorfreude, was bei unseren Fans passiert“, sagte Körner der Magdeburger „Volksstimme“.

Für Union kommt es nur auf eines an: das Weiterkommen. Damit der Klub seinem Wunsch, im Pokal zu überwintern, einen Schritt näher kommt. Und der Sehnsucht Olympiastadion.

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