Bundesliga

Union: Für Andrich und Kade heißt es ab durch die Mitte

Bei Aufsteiger Union wollen die Ex-Herthaner Andrich und Kade endlich Erstliga-Erfahrung sammeln. Doch zunächst sind sie Konkurrenten.

Robert Andrich (2.v.l.) und Julius Kade (r.) kämpfen bei Union um einen Stammplatz.

Robert Andrich (2.v.l.) und Julius Kade (r.) kämpfen bei Union um einen Stammplatz.

Foto: Matthias Koch

Windischgarsten.. „Einer musste den Bann ja brechen.“ An Selbstbewusstsein mangelt es Julius Kade nicht. Immerhin kann der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler von sich sagen, der erste Fußball-Profi zu sein, dessen Laufbahn von Hertha BSC zum 1. FC Union führte, seit die Köpenicker im Profifußball unterwegs sind.

Auch Robert Andrich hat keinen Gedanken an seine Vergangenheit verschwendet, als er beim Bundesliga-Aufsteiger unterschrieben hat. „Ich bin jetzt schon eine Weile raus bei Hertha und weiß zu schätzen, was Union in den vergangenen Jahren geleistet hat“, verweist Andrich auf seine Stationen seit 2015: Dresden, Wehen Wiesbaden und Heidenheim.

Mit den Köpenickern hofft das Duo, endlich größere Fußspuren in der Bundesliga zu hinterlassen. Davor wartet auf die beiden Ex-Herthaner bei Union auch ein direktes Duell um einen Stammplatz im Mittelfeld.

Beiden fehlte bei Hertha die Perspektive

Dass beide den Lokalrivalen aus Westend verlassen haben, hat einfache Gründe: Sie sahen keine Perspektive mehr. Andrich (24) durchlief bei Hertha alle Jugendabteilungen, doch unter dem damaligen Trainer Jos Luhukay gelang ihm der Durchbruch nicht.

Kade (20) ist ebenfalls ein Hertha-Eigengewächs, für mehr als neun Bundesliga-Minuten (2017 beim 0:1 in Mönchengladbach) unter Coach Pal Dardai reichte es dennoch nicht. Zu Union ist er gewechselt, „weil ich denke, dass ich hier auch spielen kann“, so Kade.

Doch nicht nur wegen Andrich (Vertrag bis 2022) und Kade (bis 2021) ist das Gedränge im Mittelfeld bei Union riesengroß. Da sind Routinier Christian Gentner, auch Grischa Prömel und Felix Kroos, die um einen Platz in der Mitte kämpfen. Selbst Stürmer Marcus Ingvartsen könnte ein wenig zurückhängender agieren. Viel Personal für wenig Plätze.

Andrich ist dynamischer geworden

Für Andrich spricht, dass er seinen Weg schon ein wenig länger geht als Kade. „Von Hertha über Dresden bis zu Union habe ich mich weiterentwickelt“, erzählt der Mittelfeldspieler.

Erwachsener sei er geworden, „auch sportlich, was Dynamik und Schnelligkeit angeht, habe ich einen wesentlichen Schritt nach vorn gemacht habe“. Der gebürtige Potsdamer hat „gemerkt, dass ich das Potenzial habe, Bundesliga zu spielen.“

Nun bei Union die Chance zu bekommen, die ihm bei Hertha verwehrt geblieben ist, macht die Familie Andrich natürlich stolz. Allen voran seinen Onkel Frieder, der 14 Spielzeiten für Stahl Riesa und Vorwärts Frankfurt (Oder) in der DDR-Oberliga aktiv gewesen ist. Jetzt soll sich Neffe Robert selbst einen Namen machen.

Andrich ist Kade in einem Punkt voraus

Der Weg, den Andrich eingeschlagen hat, „war für mich als Person sehr wichtig. Man hat mehr gemerkt, worum es wirklich geht im Fußball. Wenn man dann mit erfahrenen Spielern zusammenspielt, die einem auch sagen, mach das und das mal anders -- das war schon gut.“

Ein Reifeprozess, den Julius Kade erst noch vor sich hat, auch wenn er bei Hertha bereits mit den Profis mittrainiert hat. Zumal den Berliner ein Knöchelbruch lange außer Gefecht gesetzt hatte.

Es geschah am 7. Oktober im Regionalliga-Spiel bei Germania Halberstadt, als Kades Karriere der erste richtige Rückschlag widerfuhr. Dass Unions erstes Pflichtspiel, die Erstrundenpartie im DFB-Pokal, ausgerechnet in Halberstadt stattfindet (11. August, 15.30 Uhr), sieht er dennoch nur als „Zufall. Ich habe es nicht so mit Aberglauben“.

Kade will mit starkem linken Fuß punkten

Seit April ist er wieder fit. Und bereit, sich dem großen Konkurrenzkampf beim Aufsteiger aus Köpenick zu stellen. Torgefahr sei eines seiner Attribute, mit denen er punkten könne, verriet Kade. Auch habe er „einen starken linken Fuß. Ich mache auch gern mal was ganz anders, womit niemand rechnet.“

Unbekümmertheit, die unter Trainer Urs Fischer bei Union nun in die richtigen Bahnen gelenkt werden soll. Vom Schweizer Coach hält Kader jedenfalls schon jetzt große Stücke: „Er gibt einem gute Hinweise, wie man sich verbessern kann.“

Und im Gegensatz zu Fischer, „der ein wenig ruhiger ist“, sei Dardai bei Hertha „aufbrausender“ gewesen. Überhaupt gehe bei Union „alles einen Tick familiärer“ zu.

Mit Aufstiegseuphorie zum Klassenerhalt

Doch spätestens in den Einheiten ist es vorbei mit der Idylle. Jeder Pass, jeder Laufweg, jeder Torschuss ist wichtig auf dem Weg in eine mögliche Startelf.

Der Respekt vor der Herausforderung im Oberhaus ist jedenfalls vorhanden. „Das kann man schon sagen“, bestätigt Andrich: „Aber es ist eher die Freude darauf, sich mit den Besten zu messen. Wir wollen mit der Euphorie vom Aufstieg alles mitnehmen, um die Klasse zu halten.“

Eine Sache ist Kade dann doch noch wichtig. Er möchte den Wechsel zu Union nicht als Flucht von Hertha verstanden wissen: „Ich bin nicht von etwas weg-, sondern zu etwas hingegangen.“ Den Premierenstatus hat er also sicher.

Mehr über Union lesen Sie hier.