Bundesliga-Relegation

Diese Stärken muss Union gegen Stuttgart abrufen

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Michael Färber
Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Zweikampf mit Bochums Silvere Ganvoula.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Zweikampf mit Bochums Silvere Ganvoula.

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Union muss sich in der Relegation gegen Stuttgart erneut auf seine gute Defensive verlassen – und Innenverteidiger Hübner ersetzen.

Berlin. In den Tagen der größten Herausforderung für den 1. FC Union dachte Trainer Urs Fischer zunächst an die Mannschaften, die den Aufstieg in die Bundesliga bereits geschafft haben. „Weil ich bisher noch nicht dazu gekommen bin: Glückwunsch nach Köln zur Meisterschaft und auch nach Paderborn zum direkten Aufstieg. Das wollte ich noch nachholen“, sagte der Schweizer.

So kurz nach dem Spiel in Bochum „hatte ich andere Dinge im Kopf“, begründete er. Den so hauchdünn verpassten direkten Aufstieg in die Bundesliga zum Beispiel. Oder die nun wartenden Relegationsspiele gegen den VfB Stuttgart.

Folglich ging Fischers Blick sofort in Richtung Hinspiel am Donnerstag in Stuttgart (20.30 Uhr, Eurosport-Player): „Nun sind wir in der Relegation, da wollten wir nicht hin, aber jetzt beginnt es.“

Hintergrund: Was Sie zu Unions Relegationsspielen wissen müssen

Union erlaubt dem Gegner wenig Torschüsse

Die Vorbereitung hat schon längst begonnen, am Montag, dem ersten Tag nach dem Drama im Ruhrstadion. Insgesamt hat der Berliner Fußball-Zweitligist drei Tage, um sich in erster Linie wieder auf die Stärken zu besinnen, die die Mannschaft so dicht an die Bundesliga herangeführt haben.

>>> Die Saison von Union in der großen Grafik <<<

Dass es in der Hauptsache defensive Qualitäten waren, die Union zu einem Aufstiegskandidaten haben werden lassen, überrascht nicht wirklich. Ein Blick auf die Saisonstatistik der Köpenicker zeigt: Union hat mit 33 Gegentreffern nicht nur die wenigsten Tore aller 18 Zweitligisten kassiert, sondern gestattete dem Gegner auch nur 393 Torschüsse, im Schnitt 11,5 pro Spiel. Nur Absteiger 1. FC Magdeburg war hier mit 387 erlaubten Torschüssen besser.

Gerade im Hinspiel, in dem sich beide Mannschaften eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Montag in der Alten Försterei verschaffen wollen, kann gute Abwehrarbeit schon die halbe Miete sein. Vielleicht sogar mehr.

Union ist die unfairste Mannschaft

Wie wichtig defensive Stabilität gegen die Stuttgarter tatsächlich ist, verdeutlichte der Trainer. „Stuttgart ist eine Mannschaft, die sehr kompakt steht, in der Saison nicht viel zugelassen hat und eine sehr gute Dynamik im Umschaltspiel besitzt“, erklärte Fischer: „Sie lieben es, Eins gegen Eins zu gehen.“

Konzentrierte und clevere Zweikampfführung wird es brauchen, um den Schwaben das Leben so schwer wie möglich zu machen. Mit mehr als 7600 Zweikämpfen scheuten die Köpenicker kaum ein Duell, mit 52 Prozent gewonnener Defensiv-Zweikämpfe liegt Union ebenfalls in der Spitzengruppe der Zweiten Liga.

Und dass die Berliner sich durchaus clever verhalten, was die Regelwidrigkeiten anbelangt, lässt sich ebenfalls durch die Saisonstatistik belegen. Insgesamt 574 Foulspiele (mehr als 16 pro Partie) weisen Union zwar als unfairste Mannschaft aus. Doch mit nur 73 Gelben Karten (dazu dreimal Gelb-Rot und einmal Rot) liegt man im Mittelfeld der Liga.

Union muss Hübner ersetzen

Eine der Verwarnungen, die Union in Bochum kassiert hatte, wird sich auf die Startelf auswirken, die Fischer im ersten Duell ins Rennen schicken wird. Florian Hübner kassierte in Bochum seine zehnte Gelbe Karte und wird zuschauen müssen. Der Innenverteidiger, erst vor dieser Saison von Hannover 96 nach Berliner gewechselt, war einer der Garanten dafür, dass Unions Traum von der Bundesliga während der regulären Spielzeit nie ausgeträumt war.

Als Ersatz stehen Michael Parensen und auch Nicolai Rapp bereit. „Beide sind Optionen“, ließ Fischer wissen. Die besseren Karten hat ohne Zweifel Defensiv-Allrounder Parensen.

„Er ist immer bereit, wenn er gebraucht wird“, sagte Fischer. Dass man sich auf Parensen verlassen kann, bewies er erst zuletzt bei Unions Heimsieg gegen den Hamburger SV (2:0), als er seinerzeit den verletzten Hübner bestens vertrat.

Union muss bei Standards aufpassen

Darüber hinaus kann Union auf eine der torgefährlichsten Mittelfeldbesetzungen der Liga bauen. Allein 29 Treffer steuerten die Männer hinter den Sturmspitzen bei, Rang zwei hinter Aufsteiger SC Paderborn (51). Allein Grischa Prömel kam auf neun Treffer, nur die beiden Angreifer Sebastian Andersson (12 Tore) und Sebastian Polter (9) trafen für Union in dieser Saison besser.

Aufpassen muss Union jedoch bei gegnerischen Standards. Ein Drittel aller Gegentore fielen nach Ecken, Freistößen oder Elfmetern. Union befindet sich damit im unteren Viertel aller Zweitligisten.

Zulegen müssen die Köpenicker zudem bei eigenen Standardsituationen. Lediglich sechs Treffer fielen nach eigenen Freistößen. Und nur ein direkter Freistoß fand auch den Weg ins Tor: am ersten Spieltag beim 1:0 gegen Erzgebirge Aue durch Felix Kroos.

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