Zweite Liga

Union muss die Balance wiederfinden

Union bringen im Endspurt des Aufstiegsrennens zu viele Fehler in Not. Das Problem der Köpenicker ist allerdings hausgemacht.

Union-Stürmer Sebastian Andersson (l.) zieht ab, Paderborns Verteidiger Christian Strohdiek kommt zu spät

Union-Stürmer Sebastian Andersson (l.) zieht ab, Paderborns Verteidiger Christian Strohdiek kommt zu spät

Foto: nordphoto / Engler / imago images / Nordphoto

Berlin. Man kann es sich natürlich einfach machen und sagen: Ist doch gar nichts groß passiert. Weder ist der 1. FC Union durch die Heimniederlage am Sonnabend gegen den SC Paderborn (1:3) aussichtslos im Aufstiegskampf zurückgefallen (dem Remis des Hamburger SV in Bochum sei Dank), noch sind die Verfolger entscheidend an den Berliner Fußball-Zweitligisten herangerückt.

Urs Fischer sieht darin durchaus einen Ansatz, an dem man sich ein wenig aufrichten kann. Doch so leicht, das weiß auch Unions Trainer, werden es sich die Köpenicker nicht machen. Sie dürfen es auch nicht angesichts der beiden Niederlagen in Folge (zuvor 1:2 in Heidenheim ), die eine Tendenz offenbarten, die im Saisonendspurt fatale Folgen haben könnte.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Union im März eine ausgezeichnete Ausgangsposition verspielen würde. Erinnert seien an die Jahre 2014 und 2017, wo aufkeimende Bundesliga-Hoffnungen schnell in trockenen Sieglos-Wochen verdorrten. Weil den Köpenickern vor allem die eigene Psyche in die Quere kam. „Es gibt Spieler, die haben das vor zwei Jahren auch schon mal erlebt“, sagte Fischer und forderte: „Das sind Situationen, mit denen musst du umgehen, es gibt da kein Rezept. Am Schluss musst du zuversichtlich sein, überzeugt von dem, was du machst.“

Union-Trainer Fischer: „Ich bin kein Hellseher“

Fußball hat viel mit dem Vertrauen in die eigene Stärke zu tun. Doch wie lässt es sich aufrecht erhalten, wenn man auf dem Rasen in Offensivaktionen viel richtig macht, der Ball aber doch um Haaresbreite am Tor vorbeifliegt?

„Ich glaube schon, dass du unter der Woche immer wieder die Lockerheit hinbekommen musst, wenn du vor dem Tor bist. Diese Lockerheit brauchst du auch am Wochenende“, weiß Fischer.

Der Schweizer nennt eine Mischung aus „Lockerheit, Anspannung und zu wissen, was du machst. Nur mit Anspannung wirst du es nicht hinbekommen, nur mit Lockerheit auch nicht.“ Wichtig sei es, dass sich seine Mannschaft weiter Chancen erarbeitet, erklärte Fischer: „Manchmal geht der Ball einfach nicht rein. Ob das jetzt mit der Tabellensituation zu tun hat – ich bin kein Hellseher.“

Unions Verteidiger sind zu zögerlich

Während offensiv also zwar oft richtige Entscheidungen getroffen wurden, bei denen dann ein wenig Glück fehlte, sprach Fischer auch am Tag nach der ersten Heimpleite seit 14 Monaten die zu große Anzahl an falschen Entscheidungen in der Defensive an. Gemessen an den Gegentoren (26) ist sie noch immer die beste der Liga.

Doch der Vorsprung schmilzt. Die ersten beiden Gegentore gegen Paderborn „haben wir selber gemacht“, so Fischer. Und: Fehler, die zu Gegentoren führen (könnten), „nehmen dir Elan weg“.

Bei dem Tempo, den der heutige Fußball an den Tag legt, kann schon der Bruchteil einer Sekunde, in der man nachdenkt, zu viel sein. Zumal ein Zögern noch nie ein guter Begleiter für einen Verteidiger gewesen ist.

Union mit mehr Ballbesitz, aber ohne Punkte

Die Situation fasste Fischer wie folgt zusammen: „Im Moment haben wir viel Ballbesitz, sind aber nicht mehr so effizient.“ Gleichzeitig förderte er damit eine Problematik zu Tage, in die sich Union mehr und mehr hineinmanövriert.

Ein – vielleicht sogar das – Erfolgsgeheimnis in der Hinrunde war, dass Union vor allem aus einer sicheren Defensive agierte, um mit schnellem Umschaltspiel zum Erfolg zu kommen. Gegen Paderborn, auch zuvor in Heidenheim, hatten die Köpenicker mehr Ballaktionen als der Gegner – heraussprangen null Punkte.

Wer dem Gegner Räume gibt, muss diese nach Ballverlusten auch geschickt verteidigen. Dies gelang Union speziell gegen Paderborn nur unzureichend, wegen zu vieler falscher Entscheidungen

Union muss zu seinem Spiel zurückfinden

Die Räume eng machen, den Gegner zu Fehlern zwingen, um dann selbst das offene Feld für schnelle Offensivaktionen zu nutzen - Union muss dahin zurückfinden, soll am Ende der Traum von der Bundesliga Wirklichkeit werden.

„Bei uns ist die Tabelle kein Thema, aber natürlich ist sie ein Thema. Wichtig ist nur, wie du damit umgehst“ so Fischer vielsagend. Soll heißen: Den Zwang, etwas erreichen zu müssen, gibt es nicht, das Ziel, das bislang Erreichte zu untermauern, hingegen schon.

Der 1. FC Köln, der am Sonntag durch ein 4:0 (2:0) gegen Holstein Kiel seinen Abstand zum Tabellendritten Union auf sieben Punkte ausgebaut hat, scheint enteilt. Doch den HSV, am 28. April Gast in der Alten Försterei, kann Union noch abfangen. Dass dies nicht mehr aus eigener Kraft gelingen kann, haben sich die Köpenicker selbst zuzuschreiben.

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