Als Schiedsrichter Sven Jablonski in der 34. Minute die Gelb-Rote Karte aus seiner Brusttasche zog und Richtung Gegner zeigte, ging ein erwartungsvolles Raunen durch die ausverkaufte Alte Försterei. Die Zuversicht der Fans des 1. FC Union war groß. Wurde eine Stunde später aber enttäuscht. Trotz Überzahl kamen die Köpenicker am Sonntag nicht über ein 0:0 gegen Dynamo Dresden hinaus. Zwar ist Union damit weiterhin die einzige Zweitliga-Mannschaft, die in dieser Saison noch ungeschlagen ist, hat aber auch seit zwei Partien nicht mehr getroffen. Die Null steht, das Tor fehlt.

„Ich bin natürlich enttäuscht über das Resultat, aber vor allem über die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Die Chance heute einen Schritt zu machen, war groß“, sagte Trainer Urs Fischer. Denn mit dem dritten torlosen und dem insgesamt siebten Remis dieser Spielzeit verpassten die Berliner erneut die Tabellenführung. Wie schon am vergangenen Wochenende nach dem 0:0 in Paderborn. Dennoch kletterte Union auf den dritten Rang – auch dank der Niederlagen der Konkurrenz aus Fürth (0:2 in Darmstadt) und St. Pauli (0:1 gegen Kiel).

Die Hoffnung auf mehr als nur den dritten Rang war groß, als der Dresdner Jannis Nikolaou, der in der 24. Minute gegen Akaki Gogia zu spät kam und zehn Minuten später noch Grischa Prömel auf den Fuß trat, vom Feld geschickt wurde. Doch der Platzverweis war alles andere als die Initialzündung für die Köpenicker. „Die Gelb-Rote Karte hat unsere Spielweise blockiert. Die Mannschaft hatte eher Angst ein Tor zu bekommen, als den Mumm, eins zu erzielen“, bilanzierte Fischer.

Feldspieler haben seit drei Spielen nicht mehr getroffen

Sein Team hatte sich schon von Beginn an gegen die Fünferabwehrkette der Sachsen schwer getan. Aus dem Spiel heraus ging nichts. Erst nach Standards glänzte ein matter Schein von Torgefahr auf dem Rasen. Wie nach einer Ecke von Linksverteidiger Ken Reichel, der für Christopher Lenz in die Startelf rotiert war. Doch Innenverteidiger Marvin Friedrich köpfte über das Tor (8.). Reichel selbst schoss nach einer Ecke von Kapitän Christopher Trimmel aus zehn Metern drüber (10.). Kurz vor der Pause landete der Ball dann tatsächlich im Netz. Doch Trimmels Freistoßtreffer wurde nicht gegeben, weil Abwehrkollege Florian Hübner Dresdens Torwart Markus Schubert irritiert hatte (42.).

Auch die zweite Halbzeit war eine mehr als zähe Angelegenheit und bot den 22.021 Zuschauern bei acht Grad Außentemperatur wenig Erwärmendes. „Mit einem Mann mehr müssen wir uns viel mehr Torchancen herausspielen, zwingender nach vorne spielen“, sagte Flügelspieler Gogia. „Die Qualität haben wir. Aber wir können nicht immer nur davon reden. Wir müssen sie auch auf dem Platz zeigen.“

Die Qualität, Tore zu schießen, haben die Feldspieler von Union schon seit drei Partien nicht mehr der Öffentlichkeit präsentiert. Den letzten Berliner Treffer hatte Torwart Rafal Gikiewicz vor drei Wochen beim 1:1 gegen Heidenheim erzielt. Die Torgefahr des restlichen Teams ließ seitdem zu wünschen übrig. Auch am Sonntag. „Die Ruhe und die Überzeugung haben gefehlt. Wenn du einen Mann mehr auf dem Feld hast, musst du das auch mit einer gewissen Geduld ausspielen“, sagte Fischer. Was zudem fehlte, waren Tempo, Ideen und die Abstimmung im Spiel nach vorn. Und später dann auch noch das Quäntchen Glück.

Denn gleich zweimal verhinderte Aluminium den ersten Heimsieg seit mehr als vier Wochen. Erst war es Grischa Prömel, der den Ball aus 20 Metern an den linken Pfosten hämmerte. Den Abpraller köpfte Suleiman Abdullahi, der nach einem halben Jahr Verletzungspause erstmals im Kader und später auch auf dem Feld (in der 59. Minute für Joshua Mees gekommen) stand, über das Tor (84.). In der Nachspielzeit war es dann noch einmal Gogia, der den Ball mit dem Pfosten Bekanntschaft machen ließ (90+3.). Es waren die größten Chancen einer Partie, die am Ende verdient 0:0 ausging.

Die Mannschaft und Trainer Fischer wissen, dass sie schleunigst Wege aus der Torkrise finden müssen. Denn schon am Mittwoch (18.30 Uhr, Sky) in der zweiten Runde des DFB-Pokals muss Union bei Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund antreten. In dieser Saison ebenfalls noch ungeschlagen. „Wenn du in Dortmund so auftrittst wie heute, dann kann es gefährlich werden. Also für uns“, sagte Fischer. Steht wieder die Null, werden sich die Berliner freuen. Fehlt aber erneut das Tor, reißt die Ungeschlagen-Serie in jedem Fall.

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