Wenn es schlecht läuft für Patrick Ebert, muss er am Ende dieser Zweitliga-Saison für seinen Trainer Maik Walpurgis kochen. Es ist der Einsatz einer Wette, die Dynamo Dresdens Mittelfeldregisseur und sein Coach vor der Partie beim 1. FC Union am Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei) abgeschlossen haben. Ebert wettet, dass er in dieser Saison keine Gelbsperre mehr kassiert. Ambitioniert für einen, der am vergangenen Wochenende schon nach neun Spieltagen zum ersten Mal gelbgesperrt zugucken musste.

Deshalb bezweifelt Walpurgis auch, dass sein Spieler das durchhält. „Einfach, weil die Leidenschaft in ihm brennt“, sagt der Trainer. Die Leidenschaft für den Fußball, die in den Straßen Kreuzbergs und auf einem Bolzplatz im Wedding wuchs. Und in 14 Jahren bei Hertha BSC gefördert wurde. Der mittlerweile 31-Jährige gehörte mit Kevin Boateng und Ashkan Dejagah zum goldenen Jahrgang der Berliner, dessen Talente 2009 mit der deutschen U21 den Europameistertitel feierten. Zusammen mit Mesut Özil, Manuel Neuer oder Mats Hummels, die allesamt im Anschluss die große Karriere starteten. Nur Ebert nicht. Der gebürtige Potsdamer blieb bei Hertha, wechselte nach 112 Spielen für die Profis erst 2012 nach Spanien zu Real Valladolid. Und schlug nie die Laufbahn ein, die mit seinem Potenzial möglich gewesen wäre.

Die Autospiegel-Affäre hing ihm lange nach

Schuld daran ist die „Autospiegel-Affäre“, mit der Ebert zusammen mit seinem noch heute besten Kumpel Boateng im März 2009 für Schlagzeilen sorgte. Falsche Freunde, unschöne Geschichten, Alkohol und Geld. Das Image des Rowdys, es war wie ein Stempel vom Discobesuch aus der letzten Nacht. Und Ebert wurde ihn nicht los. Herthas Fans nahmen Ebert seine Jugendsünde nicht krumm, widmeten ihm sogar ein Lied („Patrick Ebert, du alter Rowdy, du trittst die Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt die Roller um“). Der Grenzgänger war immer beliebt. Dank seiner Einstellung, sich zu quälen, im Training immer mehr zu arbeiten als der Rest des Teams und dafür auch gern mal seinen Urlaub zu verkürzen.

Doch mittlerweile ist der Rowdy gereift. Vor allem an seinen vielen Neuanfängen (Valladolid, Spartak Moskau, Rayo Vallecano, FC Ingolstadt – dort übrigens auch unter Walpurgis). Neustart Nummer fünf läuft seit Anfang dieser Saison in Dresden. Mit einem klaren Fokus: „Mein Ziel ist der Aufstieg“, sagte Ebert „11Freunde“. Dieser Antrieb hat ihn bei Dynamo mittlerweile zum Rudelführer gemacht, zu einem der wichtigsten Köpfe im Team des Tabellenzehnten. „Ebi ist einer, der dieser Mannschaft von seiner Balance im Spiel unglaublich gut tut, aber auch von seiner Kreativität und individuellen Klasse. Er ist jemand, der einfach mit unglaublich viel Leidenschaft vorneweg geht“, sagt Walpurgis, der den Berliner in zwei Spielen sogar zum Kapitän machte.

Es ist der ungebrochene Kampfgeist, der Ebert weiter an seinem Traum arbeiten lässt, noch einmal in der Bundesliga zu spielen. Etwas, was er von seiner Mutter, einer in den Achtzigern aktiven Hausbesetzerin, gelernt hat. Immer für das einzustehen, was ihm wirklich am Herzen liegt. Deshalb schüchtert es Ebert wenig ein, dass der Gegner aus Köpenick noch ungeschlagen ist. „Dass wir da hinfahren und verlieren, das ist nicht mein Ziel“, sagt er.

Trainer Walpurgis weiß, wie wichtig diese Einstellung für sein Team ist. „Er setzt wichtige Impulse. Man hat im letzten Spiel gesehen, dass uns diese Impulse gefehlt haben“, sagt der Coach über den Führungsspieler. Auf ihn möchte er ungern noch einmal gelbgesperrt verzichten. Aber andrerseits würde er sich sicher auch über ein Essen freuen.