Beim 1. FC Union muss man schon einige Monate im Kalender zurückblättern, um das letzte Jokertor zu finden, das die Köpenicker verbuchen konnten. Im Mai 2017 wird man fündig. Seit dem 1:1 (0:0) im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim am Sonnabend ist auf der Suche nach dem eingewechselten Torerfolg jedoch keine kleine Zeitreise mehr nötig.
Dafür sorgte Kenny Prince Redondo mit seinem ersten Saisontor (74.). Und dann auch noch per Kopf. „Ich weiß nicht, wann ich zuletzt ein Kopfballtor gemacht habe. Im Training vielleicht“, sagte Redondo. Viele andere Möglichkeiten gibt es da auch nicht. Der 23-Jährige hat in dieser Saison kein Spiel über 90 Minuten gemacht. Ende August war nach zwei Saisonspielen und einer Schultereckgelenkssprengung erst einmal Schluss mit Fußball.
Operation an der Schulter, Trainingsrückstand, eine Verletzung am linken Knie, die ebenfalls einen Eingriff erforderte und noch einmal Trainingsrückstand. Seit Mitte März ist Redondo zurück – im Training, im Team und ab und zu auch auf dem Platz. Allerdings immer nur wenige Minuten, in denen er bisher nicht viel ausrichten konnte.
Dass sich das mit seiner Einwechslung in der 70. Minute änderte, war auch für den Jokertorschützen ein kleiner Durchbruch. „Ich war lange raus und so ein Tor befreit einen auch. Dafür lohnt sich die ganze Arbeit“, sagte der Mittelfeldspieler. Dass ein Spielertausch derart erfolgreich ist, war in dieser Saison bei Union selten bis gar nicht zu sehen. Nun waren es gegen Heidenheim ausgerechnet drei Spieler von der Bank, die ihrem Trainer André Hofschneider dabei halfen, im engen Abstiegskampf wenigstens ein klein bisschen durchzuatmen.
Zeitgleich mit Redondo kam auch Philipp Hosiner auf den Platz. Der Stürmer sollte nach dem Ausfall von Sebastian Polter dessen Position einnehmen. Tat sich in den vergangenen Wochen aber zunehmend schwerer. Daher setzte Hofschneider den Österreicher gegen St. Pauli in der Vorwoche auch auf die Bank. Eine kleine Denkpause, die aber offenbar die Motivation und den Ehrgeiz des 28-Jährigen weckten. Als sich Hosiner als überlegter Vorbereiter des Redondo-Tores präsentierte, stand das Duo gerade einmal drei Minuten auf dem Platz.
Kapitän Kroos fällt für die Partie in Darmstadt aus
Und dann war da noch der Dritte im Bank-Bunde: Peter Kurzweg. Der 24-Jährige, der sich „als Mentalitätsspieler bezeichnen würde“, wurde zwar nicht eingewechselt. Da sein letzter nennenswerter Einsatz allerdings fünf Monate zurückliegt, ist auch er einer, der eigentlich von der Bank kam. „Ich hab versucht, alles rauszuhauen“, erklärte der auf links eingesetzte Defensivspieler. Manchmal ein bisschen übereifrig, ab und zu fehlte ihm der Blick für die besser positionierten Mitspieler. Doch er ließ durchblicken, zu welchen Leistungen er im Kampf um den Klassenerhalt, den die Köpenicker nach dem enttäuschenden Unentschieden gegen Heidenheim nun weiter ausfechten müssen, noch fähig sein kann. „Peter scharrt seit Wochen mit den Hufen und war dran, in so einem Spiel seine Eigenschaften einzubringen, die uns guttun“, sagte Hofschneider.
Die ersten drei Ersatzspieler haben gezeigt, dass sie mit Einsatzbereitschaft und Willen einen Einfluss auf den Ausgang der Saison haben können. „Wir sitzen alle im selben Boot. Wir ziehen alle mit“, sagte Redondo. Das wird auch nötig sein, damit Union am Sonnabend in Darmstadt (13 Uhr, Sky) einen weiteren Schritt Richtung Klassenerhalt machen kann. Dabei muss das Team jedoch auf seinen Kapitän verzichten. Felix Kroos fällt mit einer Verletzung des rechten Sprunggelenks aus. Gegen Heidenheim war er mit dem ohnehin angeschlagenen Fuß umgeknickt.


