Ein kleiner Knick ist zu erkennen in Marcel Hartels Saisonverlauf. Und der Grund ist auch klar: der Trainerwechsel. Denn seit André Hofschneider Anfang Dezember den Posten als Chefcoach beim 1. FC Union übernommen hat, stand Hartel nicht so häufig auf dem Platz wie noch in der Hinrunde und fast gar nicht mehr über 90 Minuten. War der 22-Jährige unter Ex-Trainer Jens Keller noch gesetzter Baustein der Unioner Offensive, nimmt er nun immer öfter auf der Bank Platz.
Am Sonnabend, wenn der MSV Duisburg in Köpenick zu Gast ist (13 Uhr, Alte Försterei), könnte der U21-Nationalspieler zurück auf den Rasen rotieren. Denn langsam aber sicher gehen Trainer Hofschneider die Alternativen aus. Simon Hedlund verletzte erneut am Syndesmoseband. Steven Skrzybski wird immer noch von Oberschenkelproblemen geplagt. Hinzu kommt der Langzeitausfall von Sebastian Polter (Achillessehnenriss). In der Offensive fehlen also die Leute, ausgerechnet jetzt, wenn die toranfälligste Defensive der Zweiten Liga kommt. 50 Gegentore stehen beim MSV bereits zu Buche. Eine Bilanz, die auch die absteigende Leistungskurve des Klubs widerspiegelt.
Bei Duisburg läuft es ähnlich wie bei den Berlinern. Große Ziele, große Enttäuschungen – und plötzlich mittendrin im Abstiegskampf. Mittlerweile hat es sich rumgesprochen: In Liga zwei kann sich kaum noch ein Fußballteam sicher fühlen. Umso wichtiger ist es für Union, drei Punkte zu holen, um sich ein wenig Luft in der absurd engen Tabelle zu verschaffen und das Selbstbewusstsein aufzuhübschen.
Hartel holte sich Selbstvertrauen bei U21
Das hat Hartel bereits andernorts getan. Während der Länderspielpause holte sich der offensive Mittelfeldspieler bei der U21 Selbstvertrauen, obwohl er nur 20 Minuten auf dem Platz stand. „Es hilft natürlich, wenn er hier mal in einer anderen Umgebung mit einer neuen Motivation ein bisschen zu alter Stärke zurückfindet“, erklärte U21-Trainer Stefan Kuntz. Hartels alte Stärken, die in der Hinrunde das Berliner Angriffsspiel sehenswert bereicherten, würde auch Hofschneider sicher begrüßen, nachdem der junge Mittelfeldmann ein Formtief durchlaufen hat.
Denn das Ziel des Trainers ist klar formuliert: „Unser Ansatz ist es, die Spiele vorn zu entscheiden.“ Dazu braucht es eine funktionierende Offensive. Zwar erspielten sich die Köpenicker auch in den vergangenen Partien häufig ein Chancenplus, Zählbares kam dabei aber nicht heraus. Dafür konnte auch Hartel gegen Fürth (1:2) nicht sorgen, aber er ließ in 13 Minuten Einsatzzeit aufblitzen, wie wertvoll er ist. Seine genaue Flanke auf Philipp Hosiner war nur ein Exempel seiner Ballkunst und seines Ideenreichtums. Hartel könnte die Schlüsselfigur werden, die Auffangstation für all die offensiven Sorgen, mit denen sich Union gerade beschäftigen muss. Sollte Hofschneider ihm endlich das Vertrauen geben, könnte er der Hoffnungsträger werden, den Union nach den vergangenen Wochen dringend braucht.


