Zweite Liga

Ja, will denn keiner aufsteigen?

Weil die Konkurrenz weiter schwächelt, kann Union wieder auf den Relegationsrang schielen. Doch die nächsten Gegner haben es in sich.

Unions Profis können nach dem Sieg über Sandhausen wieder jubeln

Unions Profis können nach dem Sieg über Sandhausen wieder jubeln

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Experten hatten es im vergangenen Sommer schon vermutet. Angesichts des Fehlens einer „Übermannschaft“ stünde die Zweite Liga vor einer ausgeglichenen Saison. Sie sollten recht behalten, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung. Nicht die Konstanz der Anwärter auf einen Platz in der Bundesliga, sondern deren permanentes Schwächeln macht den Kampf um den Aufstieg zu einem ultimativen Schneckenrennen. Mittendrin der 1. FC Union, bei dem trotz einer schon als Talfahrt zu bezeichnenden sportlichen Delle zehn Spieltage vor Schluss doch wieder Resthoffnung aufkeimen darf. Zumindest auf die Relegation. Ja, will denn keiner aufsteigen?

„Die Liga ist derzeit schon verrückt“, musste Christopher Trimmel, Unions Rechtsverteidiger, eingestehen. Auch hier spielt der Berliner Fußball-Zweitligist eine entscheidende Rolle. Kaum zu glauben, dass Union trotz der zwischenzeitlichen Negativserie von acht Spielen ohne Sieg nun wieder nach oben schielen kann. „Man muss sich ja nur Kiel anschauen. Die haben seit elf Spielen nicht gewonnen und sind immer noch oben dabei“, verdeutlichte Trimmel.

Am Sonntag verspielte der Aufsteiger einen 2:1-Pausenvorsprung beim FC St. Pauli (2:3). Und trotz nur acht von 33 möglichen Zählern seit Anfang November ist Holstein Kiel immer noch Dritter. „Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt und uns dann selbst bestraft“, sagte Kiels Torjäger Marvin Ducksch, der auf St. Pauli seinen 13. Saisontreffer erzielte.

Keiner holte 2018 weniger Punkte als der Dritte Kiel

Zu wenig jedoch für den Befreiungsschlag für eine Mannschaft, die noch in der Hinrunde ihre Freude über die Rückkehr in die Zweite Liga mit zum Teil begeisterndem Offensivfußball gefeiert hat. „Wir lassen uns nicht entmutigen“, macht Holstein-Coach Markus Anfang in Optimismus. Doch der Eindruck, dass die Kieler, immerhin Herbstmeister, längst realisiert haben, welch große Sensation sie mit einem möglichen Durchmarsch verspielen könnten, erhärtet sich von Spieltag zu Spieltag.

„Man sieht unter der Woche, wie hart wir arbeiten“, sagte Ducksch, „jeder weiß, worum es geht.“ Eben das könnte ihm und seinen Teamkollegen im letzten Saisondrittel mit Blick in Richtung Oberhaus noch zum Verhängnis werden. Die Kieler Punktausbeute nach der Winterpause (vier Zähler) ist jedenfalls die schlechteste in der gesamten Liga.

Union legte am Sonnabend gegen Sandhausen (2:1) trotz spielerischer Mängel eine Tugend an den Tag, die derzeit wohl am meisten gefragt ist. „Wir haben eine gute Moral gezeigt, das ist wichtig für die Mannschaft in dieser Situation“, sagte Linksverteidiger Kristian Pedersen, der gegen die Sandhäuser seinen ersten Treffer überhaupt für Union erzielt hatte. Acht Zähler haben die Köpenicker in diesem Jahr geholt, genau so viele wie Sandhausen, als Sechster einen Platz vor Union.

Sogar Düsseldorf gibt sich Blößen

Selbst Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt, der als Tabellenvierter überwintert hatte, findet sich nun hinter Union wieder – nur fünf Punkte in 2018 und zuletzt zwei Niederlagen machen es möglich.

Sogar Fortuna Düsseldorf, neben dem 1. FC Nürnberg eine der beiden Spitzenmannschaften, die sich inzwischen herauskristallisiert haben, gibt sich derzeit kaum für möglich gehaltene Blößen. Erst die Niederlage bei Union (1:3), nun das 3:4 in Regensburg – nach schneller 3:0-Führung.

Fortunas Trainer Friedhelm Funkel behält die Ruhe, auch wegen des immer noch beruhigenden Sieben-Punkte-Vorsprungs auf Rang drei: „Ich bin lange genug im Fußball dabei und weiß, dass so etwas immer möglich ist, gerade wenn eine Mannschaft mit so viel Herz spielt, wie es die Regensburger tun. Wir werden das wegstecken.“

Union wartet nun auf die Kellerkinder der Liga

Bei Union dürfte einem immer bewusster werden, dass es nie leichter ist aufzusteigen als in dieser Saison. Doch die Berliner „sind gut beraten, nicht auf die Tabelle zu schauen“, wie Stürmer Steven Skrzybski erklärte.

Auf ihn und seine Mitspieler warten zunächst Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern am Freitag (18.30 Uhr, Sky) und dann mit Erzgebirge Aue (11. März, 13.30 Uhr, Alte Försterei) die nächste Mannschaft, die tief im Abstiegskampf steckt. Zwei Gegner, die geradezu prädestiniert dafür sind, dass man die nächsten Punkte im Aufstiegsrennen liegen lässt.

„In Kaiserslautern“, weiß Abwehrmann Trimmel, „erwartet uns ein ganz wichtiges Spiel. Der Platz wird nicht der beste sein. Und wenn du da hinfährst und meinst, du kannst schön spielen, dann hast du schon verloren.“