Zweite Liga

Bei Union herrscht Alarmstufe Rot

Coach Hofschneider eröffnet den Kampf um die Nummer eins. Und diese Fragen gilt es für den Aufstiegstraum auch dringend zu beantworten.

Unions Trainer André Hofschneider (2.v.l.) tröstet Akaki Gogia

Unions Trainer André Hofschneider (2.v.l.) tröstet Akaki Gogia

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Der Jahresabschluss, dieses 1:2 gegen Ingolstadt , hinterließ beim Zweitligisten 1. FC Union trotz ansteigender Leistungskurve vor allem Ernüchterung. Nur ein Punkt aus fünf Spielen, drei Niederlagen am Stück, Sturz auf Rang fünf – die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen, die die Köpenicker bis zum Trainingsstart am 2. Januar klären müssen, soll der Aufstieg doch noch gelingen.

Reicht die Qualität des Kaders aus?

Die Zahl erschüttert: Insgesamt 17 Punkte hat Union in dieser Saison nach eigener Führung verspielt. „Das ist schon ein Batzen und erklärt auch, wie wir uns gegen Ingolstadt verhalten haben“, sagte Trainer André Hofschneider. Statt auf das 2:0 zu gehen, wurde der Vorsprung nur verteidigt.

„Wir haben aber verdammt nochmal die Pflicht, in jedem Spiel auf Sieg zu spielen, dafür ist der Kader auch zusammengestellt worden“, so Hofschneider Doch eine deutliche Qualitätssteigerung brachten die Sommer-Zugänge nicht. Einzig Neu-U21-Nationalspieler Marcel Hartel übererfüllte die Erwartungen. „Seine spontanen Dinge, diesen Freigeist“, so der Coach, hätte es gegen Ingolstadt gebraucht, um die Gunst des Publikums wieder zurückzugewinnen.

Dem gegenüber steht Akaki Gogia, der immer noch nicht nachweisen konnte, warum ihn Union für eine Million Euro aus Dresden geholt hat. Hofschneider: „Er ist selbst total unzufrieden. Von seiner Leichtigkeit ist momentan nichts zu spüren. Er muss aber auch einen Plan B haben. Er darf nicht darauf warten, dass es besser wird, er muss sich da herauskämpfen.“

In welchem Bereich muss Union nachlegen?

Akuten Nachholbedarf sieht Hofschneider nicht. Dass Union in der Abwehr jedoch nachbessern sollte, ist unstrittig. Abwehrchef Toni Leistner, der vor einer Woche noch die fehlende Kritikfähigkeit bei einigen Teamkollegen bemängelt hatte, fehlte gegen Ingolstadt nicht zum ersten Mal die Souveränität. Zugang Marc Torrejon ist solide, Fabian Schönheim zu verletzungsanfällig, die Außenverteidiger Peter Kurzweg und Atsuto Uchida spielten keine Rolle, Zugang Christoph Schösswendter sogar gar keine.

„Leistner muss sich mit den Ansprüchen auseinandersetzen, die er formuliert. Ihm muss klar sein, dass die Erwartungen an ihn größer sind“, machte Hofschneider deutlich.

Zu Schönheims Verletzungsanfälligkeit sagte der Coach: „Nur Pech ist auch kein Können. Er muss die Verantwortung für seinen Körper tragen. Wenn ich sehe, wie Torrejon durchweg arbeitet – da ist bei Schönheim noch Luft nach oben. Wenn er nochmal als Stammspieler gelten will, muss er auch über einen längeren Zeitraum da sein.“

Fehlt es Union an Führungsspielern?

Gerade in den vergangenen Wochen sucht man auf dem Platz vergebens nach Profis, an denen sich die Mannschaft aufrichten kann. „Zweifelsohne hatten wir zuletzt nicht so viele Spieler, die dieser Verantwortung bis zum Letzten gerecht wurden“, musste auch Hofschneider eingestehen.

Torjäger Sebastian Polter fordert von seinen Mitspielern mehr Überzeugung, scheitert aber inzwischen regelmäßig selbst bei klarsten Chancen. Zwar glaubt der Trainer „schon, dass die Mannschaft eine gewisse Hierarchie hat“. Eine Hierarchie, die aber nicht nur Klubchef Dirk Zingler noch nicht klar genug ist.

Gerade Felix Kroos wirkt nicht wie der Anführer, den Union gerade braucht. Hofschneider nimmt seinen Kapitän in Schutz: „Bei ihm wird die Messlatte manchmal zu hoch angelegt. Gegen Ingolstadt hat er gut gespielt und immer wieder versucht, Struktur reinzubringen. Er kämpft um diese Leichtigkeit.“ Kroos soll Kapitän bleiben, gleichwohl ließ Hofschneider wissen: „Wenn er auf mich zukommt, und sagt, es ist ohne Binde leichter, dann soll es so sein.“

Hat Union ein Torwart-Problem?

Mit Blick auf die Torhüter-Leistungen „können wir nicht zufrieden sein“, so der Trainer. Jakob Busk darf sich angesprochen fühlen. Beim Dänen werde zwar nicht alles infrage gestellt, „doch wir müssen mehr Konstanz bekommen, er ist nicht konkurrenzlos.“

Mit anderen Worten: Der Kampf um die Nummer eins ist wieder eröffnet.

Busk habe zwar „einen kurzen Kopf Vorsprung“, aber Konkurrent Daniel Mesenhöler „vielleicht die einfachere Position, er hat nichts zu verlieren“, so Hofschneider: „Wir brauchen schon einen überragenden Torhüter, der in den entscheidenden Momenten den Unterschied macht.“

Wie groß ist der Glaube daran, dass der Aufstieg doch noch gelingt?

„Wir haben es momentan nicht in eigener Hand“, weiß Hofschneider um die prekäre Situation. Durch Nürnbergs 1:1 in Kaiserslautern beträgt der Rückstand auf Rang zwei sieben Zähler, punktet Kiel am Sonntag in Sandhausen, sind es acht.

„Kiel ist die stabilste Mannschaft, deswegen auch der Topfavorit auf den Aufstieg. Sie können jetzt nicht mehr den Underdog spielen.“ Auch Düsseldorf könne sich „nicht mehr rausreden. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen bei uns, dass die Erwartungshaltung an uns nicht mehr so groß ist von außen.“

Klingt nicht wirklich so, als sei man bei Union vom Aufstieg noch total überzeugt.