Zweite Liga

Union braucht einen Sieg für das Aufstiegsorakel

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Michael Färber
Unions Topstürmer Sebastian Polter erzielte in den ersten 13 Saisonspielen sieben Treffer

Unions Topstürmer Sebastian Polter erzielte in den ersten 13 Saisonspielen sieben Treffer

Foto: Annegret Hilse / dpa

Union kann im Jahresendspurt nur ein Ziel haben: den Sprung auf einen Aufstiegsplatz. Den ersten Schritt soll es in Heidenheim geben.

Berlin.  Es bedarf keiner Zeitreise ins alte Griechenland, um ein Orakel zu bemühen. Der Aberglaube ist im Profifußball allgegenwärtig, auch wenn die übersinnliche Offenbarung der Antike längst durch die Macht der Statistik abgelöst wurde. Eben diese wird den 1. FC Union im Jahresendspurt begleiten, der am Sonnabend mit dem Gastspiel beim 1. FC Heidenheim (13 Uhr, Sky) beginnt.

Fünf Partien warten noch auf den Berliner Fußball-Zweitligisten, und das übergeordnete Ziel dafür muss lauten: Überwintern auf einem der beiden direkten Aufstiegsplätze. Als Tabellendritter sind die Chancen nicht die schlechtesten, ungeachtet des Rückstands auf das Spitzenduo Fortuna Düsseldorf (fünf Punkte) und Holstein Kiel (vier).

„Wir haben die letzten sechs Spiele sehr erfolgreich gespielt, brauchen uns nicht zu verstecken oder vor Ehrfurcht zu erstarren“, ist Keller von der Form seiner Mannschaft überzeugt. Gleichwohl ist sich der Trainer bewusst, wie enorm wichtig ein erfolgreicher Jahresendspurt ist. „Wir haben in fünf Spielen Punkte liegen gelassen, die wir gar nicht liegen lassen wollten“, erklärte Keller. Deshalb seien die letzten fünf Begegnungen des Jahres „wichtig, um vorn dabei zu sein und nach der Winterpause gestärkt und mit viel Selbstvertrauen in die Rückrunde zu gehen“.

14 Mal traf das Orakel zu, davon einmal per Umweg

Erfolg im Fußball basiert nicht zuletzt auch auf Psychologie, auf der mentalen Stärke einer Mannschaft. Und was gibt es stärkeres, als die tagtägliche Bestätigung durch die Tabelle, dass man tatsächlich ein Aufstiegskandidat ist und nicht wieder nur ein Verfolger, der allerbeste Chancen hat? Das eigene Selbstbewusstsein wird gestärkt, während die Konkurrenz immer wieder vor Augen geführt bekommt, dass es eben doch (noch) nicht reicht.

Hier kommt das Aufstiegsorakel der Zweiten Liga ins Spiel. Seit der Wiedereinführung der Relegation zur Spielzeit 2008/09 gelang 13 der 18 Mannschaften, die zum Jahreswechsel auf den ersten beiden Plätzen lagen, am Saisonende auch der direkte Sprung in die Bundesliga. Zählt man Fortuna Düsseldorf hinzu, das 2011/12 als „Wintermeister“ und Abschlussdritter den Umweg über die Relegation erfolgreich nutzte (2:1 und 2:2 gegen Hertha BSC), waren es sogar 14 Teams.

In mehr als drei Viertel der Fälle erfüllte sich also das Aufstiegsorakel der Winterpause. Man mag zu Weissagungen stehen, wie man will – die Zahlen sprechen jedenfalls für sich. Trainer verweisen dennoch gern darauf, dass auch dies nur eine Momentaufnahme sei und es nur wichtig ist, welchen Platz man am Saisonende erreicht hat. Durchaus nachvollziehbar, soll der Fokus auf das kommende Duell schließlich nicht verloren gehen.

Zuletzt drei Pleiten in Folge gegen Heidenheim

So spricht Keller auch vor der Partie in Heidenheim, in der Union von gut 1000 eigenen Fans unterstützt wird, von einer „Aufgabe“, die seiner Elf bevorsteht: Beide Ligaspiele gingen in der Vorsaison verloren, dazu die Niederlage im Wintertrainingslager in Spanien, bei einer Tordifferenz von insgesamt 0:7 – „die Statistik spricht nicht für uns“, muss Keller eingestehen.

Die vergangenen sechs Spiele ohne Niederlage (fünf Siege) tun es hingegen schon. „Wenn wir unsere Serie so fortsetzen, bin ich zufrieden“, sagte Keller. Oder wie es Unions Torjäger Sebastian Polter so gern formuliertt: „Wenn wir unsere Leistung zu hundert Prozent abrufen, sind wir schwer zu schlagen.“