DFB-Pokal

Unions coole Nummer eins ist bereit

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Michael Färber
Union-Torwart Daniel Mesenhöler ist erprobt im DFB-Pokal

Union-Torwart Daniel Mesenhöler ist erprobt im DFB-Pokal

Foto: Robin Rudel / picture alliance / Pressefoto Ru

Unions Daniel Mesenhöler kehrt für das DFB-Pokalspiel bei Erstligist Bayer Leverkusen ins Tor zurück. Und hofft auf weitere Einsätze.

Berlin.  Training nach dem vierten Sieg in Folge, dem ersten Heimsieg gegen Greuther Fürth seit dem Wiederaufstieg 2009? Nur nicht zu viel, nach dem 3:1 gegen den Zweitliga-Vorletzten ist vor allem Regeneration angesagt. Für die Stammspieler des 1. FC Union ohnehin, aber auch für die Profis aus der zweiten Reihe wird es nur ein eingeschränktes Programm geben. Der Fokus richtet sich auf das Zweitrundenspiel im DFB-Pokal am Dienstag beim Erstligisten Bayer Leverkusen (18.30 Uhr, Sky).

Bei Daniel Mesenhöler ist das längst geschehen. Der Torwart wird erneut im Tor stehen, wie schon in der ersten Runde in Saarbrücken (2:1 n. Verl.). Und der 22-Jährige tut dies, was er immer schon getan hat vor einem Spiel: Er bleibt cool, zumindest nach außen. „Ich hoffe, dass ich weiterhin meine Ruhe ausstrahlen kann“, sagt Mesenhöler.

Ruhe, vielmehr Gelassenheit ist es, was Mesenhöler auch in diesen Wochen braucht. Mehr als der Part des Ersatzmannes von Jakob Busk ist für ihn nicht drin, nachdem der Däne sich stabilisiert hat und seinen Platz sicher nicht freiwillig hergeben wird. So ist Mesenhölers Mission eindeutig: mit einem Sieg in Leverkusen dafür sorgen, dass er weitere Einsätze bekommt. „Das ist im Endeffekt das Ziel“, sagt er kurz und knapp.

Der 22-Jährige freut sich auf die Pokal-Atmosphäre

Perfektionismus ist das, was der gebürtige Engelskirchener anstrebt. Dass er seine Rolle als Unions Nummer zwei – trotz der Rückennummer eins – erfüllt, spricht für ihn. Es ist auch der Maxime geschuldet, die Trainer Jens Keller seinem Team eingeimpft hat: sich als verschworene Einheit zu präsentieren, den Konkurrenten im Kampf um die Stammplätze einzuheizen, um sie zu besseren Leistungen zu bewegen – oder selbst den Platz einzunehmen.

Mesenhöler und Busk tun das, in einem Duell, das den Namen verdient, ohne jedoch in einem von persönlichem Groll geprägten Gegeneinander zu münden. Beide treiben sich einander an, gratulieren dem anderen auch schon mal nach einer gelungenen Parade.

Mesenhölers Abgebrühtheit erstaunt angesichts der Tatsache, dass er immer noch am Anfang seiner Profikarriere steht. Nervosität vor dem Auftritt in Leverkusen? „Ich werde mich wie immer vorbereiten und mein Bestes geben“, sagt Mesenhöler: „Ich habe ja jetzt schon ein paar Spiele gemacht und werde deswegen daran auch nichts ändern. Ich freue mich auf die Atmosphäre und die Stimmung, DFB-Pokalspiele sind immer etwas besonderes.“

Vor einem Jahr ging sein Stern auf

Wer, wenn nicht er selbst sollte das wissen. Fast exakt ein Jahr ist es her, als Unions Hoffnung, mit Mesenhöler eine zweite potenzielle Nummer eins verpflichtet zu haben, zur Realität wurde: Borussia Dortmund, der beherzte Auftritt in Runde zwei des nationalen Cupwettbewerbs und ein Mesenhöler, der bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz für Union gleich dafür sorgte, dass die greifbare Sensation erst im Elfmeterschießen der Normalität weichen musste.

„Das Dortmund-Spiel wird sicher noch länger eine Rolle für mich spielen, weil es das erste Spiel war, in dem ich gesehen habe: Es geht. Und es geht auch sehr gut“, erzählt Mesenhöler. Immerhin so gut, dass er Jakob Busk in der Rückrunde der vergangenen Saison verdrängt hatte, nachdem der Däne von einer Oberschenkelverletzung wiedergenesen war. Nicht zuletzt dank seiner Leistungen hatten die Köpenicker schon im Frühjahr von der Bundesliga träumen dürfen.

Welch ein Aufstieg für den 1,87-Meter-Mann, der in der Jugend des 1. FC Köln das Fußballspielen erlernte, im Sommer vorigen Jahres zu Union wechselte und hier auch seinen ersten Profieinsatz hatte – im DFB-Pokalspiel in Dortmund. „Vor dieser Partie war schon Aufregung da“, gesteht Mesenhöler, „als wir zum Stadion gefahren sind. Aber als es dann zum Aufwärmen ging, war so gut wie alles weg.“

Mesenhölers Vertrag bei Union endet 2018

Inzwischen stehen neben den beiden Pokalspielen auch zwölf Zweitliga-Einsätze auf der Habenseite. Getreu der Maxime, dass Spielpraxis durch nichts zu ersetzen ist, kommt das Pokalduell in Leverkusen für ihn keinen Moment zu früh. Zum einen soll es ihm helfen, sich weiterzuentwickeln, zum anderen muss er angesichts seiner Vertragssituation Pluspunkte sammeln. Mesenhölers Kontrakt bei Union endet im Sommer 2018. Und andere Interessenten werden sich nicht mit jenen Eindrücke aus der vergangenen Saison zufriedengeben.

So freut sich Mesenhöler auf „ein Superspiel“ in einer Bundesliga-Atmosphäre. Dabei sieht er den Zweitligisten nicht chancenlos. „Leverkusen ist auf jeden Fall ein sehr guter Gegner. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken, haben jetzt mehrere Spiele hintereinander gewonnen“, macht Mesenhöler deutlich: „Wir müssen aber auf jeden Fall einen sehr guten Tag haben, dann ist ein Weiterkommen durchaus möglich.“

Er selbst wird alles dafür tun, schon aus ganz privaten Gründen. Schließlich wird seine Familie im Stadion mit ihm mitfiebern.