Zweite Liga

Union findet seine Balance

| Lesedauer: 5 Minuten
Michael Färber
Die Union-Torschützen Sebastian Polter (r.) und Marcel Hartel feiern in Aue

Die Union-Torschützen Sebastian Polter (r.) und Marcel Hartel feiern in Aue

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Wie Zweitligist Union seine Durststrecke überwand und den Weg zurück in die Erfolgsspur einschlugen. Sogar die Liga selbst half mit.

Berlin.  Wer sein Auto liebt, pflegt es. Toni Leistner sieht das zumindest so und folgt damit einer Lieblingsbeschäftigung der Deutschen am Sonntag. Zeit dafür bekam der Abwehrspieler des 1. FC Union reichlich. Bereits um 9 Uhr galt es, die Anstrengungen des Sieges in Aue aus den Knochen zu schütteln, bis Dienstag bekamen die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten danach frei. Leistner freute sich sichtlich, sich seinem Fahrzeug widmen zu können. Auch wenn er nach dem 2:1 im Erzgebirge wissen ließ: „Es war sicher nicht mein bestes Spiel, aber das ist egal, so lange wir mit drei Punkten nach Hause kommen.“

Der 27-Jährige trifft damit exakt die Gemütslage bei den Köpenickern: Freude über den zweiten Sieg in Folge, wissend um die eigenen Stärken aber auch um die Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt, will Union seiner Favoritenrolle im Aufstiegsrennen zur Bundesliga gerecht werden. Der Weg, den die Mannschaft von Trainer Jens Keller nach der sportlichen Delle mit fünf Spielen ohne Sieg (zwei Niederlagen) eingeschlagen hat, scheint jedoch der richtige zu sein. Dafür gibt es Gründe.

„Der Trainer hat mit uns ein ernsthaftes Gespräch gehabt, das hat gefruchtet“, erklärte Leistner. Das 0:1 in Sandhausen vor knapp zwei Wochen als Tiefpunkt einer Entwicklung, die es mit Blick auf das Saisonziel schleunigst zu beenden galt. „Man muss auch sagen, dass Grischa mit seiner Aggressivität vor der Abwehr und seinem läuferischen Engagement sehr viele Löcher stopft hat und der Mannschaft gerade sehr gut tut“, lobte Leistner seinen Teamkollegen Grischa Prömel.

Die Konzentration ist zurück

Wieder war der Olympia-Zweite von Rio de Janeiro ein Fixpunkt in der Union-Defensive. Einer, mit dem die Berliner schon beim 5:0 gegen Kaiserslautern etwas wiederfanden, was ihnen in den ersten Saisonspielen abhanden gekommen war: die Balance zwischen Offensive und Defensive. „Vorher hat immer so ein bisschen das Gleichgewicht gefehlt“, bestätigte auch Christopher Trimmel: „Vorn spielen wir uns Torchancen heraus, waren dann hinten offener.“

Der Rechtsverteidiger spielte dabei vor allem auf das verrückte erste Heimspiel gegen Aufsteiger Holstein Kiel an, das Union nach einem Torfestival 4:3 für sich entschieden hatte. In Aue „war die Harmonie größer. Wir haben die Chancen genutzt und waren hinten stabiler“, so der Österreicher weiter. Ein weiterer Baustein, der belegt, wie sich die Köpenicker Stück für Stück in Richtung Aufstiegsplätze zurückmausern.

Die Konzentration, das hat sich in Aue gezeigt, hat sich verbessert bei den Unionern. Die Folge: Die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen werden genauer eingehalten, die Räume bleiben eng und schon kommt der Gegner nicht so zur Entfaltung. „Es waren wenig Gegentore, die der Gegner richtig gut herausgespielt hat, sondern wo wir gepennt haben, wo gleich vier, fünf Spieler einen Hänger hatten“, bestätigte Trimmel ein Hauptproblem der fünf sieglosen Wochen.

Schon sieben Tore nach einer Standardsituation

Dass es im Erzgebirge dennoch wieder ein Gegentor setze, hatte eine andere Ursache, wenngleich eine, an der es zu arbeiten gilt. Denn als Aues Dimitrij Nazarov zur Flanke ansetzte, die Sören Bertram per Kopf verwandelte, spielte Union in Unterzahl: Prömel musste an der Hand behandelt werden. „Bis wir dann wirklich gecheckt hatten, dass wir ein Mann weniger sind, hat es gedauert“, so Trimmel.

Selbst die Liga hatte in den sieglosen Union-Wochen mitgeholfen, dass man den Anschluss an die Aufstiegsplätze nicht völlig verloren hat. Die Floskel vom „Jeder kann jeden schlagen“ hatte mehr Gültigkeit denn je. Am Sonntag bestätigten St. Paulis Sieg in Braunschweig (2:0) und Sandhausens Erfolg gegen Regensburg (2:0) erneut, wie eng es im Bundesliga-Unterhaus in dieser Saison zu geht.

Und noch etwas wurde bei Union deutlich: Die Qualität bei ruhenden Bällen trägt endlich Früchte. Wichtig vor allem in Begegnungen, in denen es nicht so läuft wie am Sonnabend in Aue. Sebastian Polters 2:0 entsprang einem Eckball und war bereits das siebte von 18 Union-Toren nach einer Standardsituation. „Das läuft ganz gut und ist momentan eine Stärke von uns“, sagte Trimmel, der sich gleich drei Assists dieser Art gutschreiben kann. „Die Fünf-Wochen-Delle kann man aber erst wieder gutmachen, wenn man fünf Wochen konstant gepunktet hat“, will Leistner die Mini-Siegesserie nicht überbewerten: „Und da man in dieser Liga nicht mit Unentschieden vorankommt, heißt das natürlich: gewinnen, gewinnen, gewinnen.“