Berlin

Skrzybski schießt Union an die Tabellenspitze

In einem Torfestival hat der 1. FC Union den mutigen Angriff von Aufsteiger Holstein Kiel in der Zweiten Liga abgewehrt.

Steven Skrzybski erzielt das Siegtor

Steven Skrzybski erzielt das Siegtor

Foto: Michael Hundt / Matthias Koch / Matthias Koch

Berlin.  Unglaublich. Irre. Wahnsinn! Kein Superlativ ist zu schade für das, was sich am Freitagabend in der Alten Försterei abgespielt hat. 1. FC Union gegen Holstein Kiel, Bundesliga-Anwärter gegen euphorisierten Aufsteiger – kaum zu glauben, dass dieses Aufeinandertreffen eines werden sollte, welches in keinem Saisonrückblick fehlen darf. Dass die Berliner auch noch mit 4:3 (3:3) gewannen, setzte allem noch die Krone auf. Unions zweiter Sieg im zweiten Saisonspiel war Werbung pur für die Zweite Liga. "Was wir in der ersten Hälfte gemacht haben, weiß ich bis jetzt noch nicht", suchte Jens Keller nach einer Erklärung für die drei Gegentore: "Die Defensive hat nicht stattgefunden. Und immer vier Tore zu schießen, ist nicht so einfach."

Tag der Tore vor 21.242 Zuschauern

Entsprechend energisch stemmte sich Unions Trainer trotz der Tabellenführung gegen jedwedes Aufstiegsgerede: "Wir sind gut aus den Startlöchern gekommen, nicht mehr und nicht weniger. Wir haben noch 32 Spiele." Die sechs Punkte vom Start weg seien "für das Selbstbewusstsein sicher enorm wichtig. Aber in der vergangenen ­Saison sind wir schlecht gestartet und waren trotzdem oben mit dabei."

Den 21.242 Zuschauern, darunter gut 1500 Fans aus Kiel, wurde 90 Minuten lang vor Augen geführt, was passiert, wenn zwei Mannschaften Spaß an der Offensive haben. Oder einfach nur keine Lust zu verteidigen. Gerade in der ersten Halbzeit musste man schon genau hinschauen: Ja, es waren elf Union-Profis auf dem Platz und nicht nur sechs. Die Vierer-Abwehrkette und mit ihr Torwart Jakob Busk hatten sich jedenfalls über weite Strecken eine Auszeit genommen. "Die erste Hälfte war schlecht", sagte Kristian Pedersen nur. Der Linksverteidiger, der gestern 23 Jahre wurde, schaltete sich ganz der Keller'schen Philosophie vor allem oft nach vorn ein. Und vergaß wie seine Abwehrkollegen seine Hauptaufgabe: das Verteidigen. "Was in den ersten 30 Minuten passiert ist, ist schwer zu ­beschreiben", suchte auch Steven Skrzybski nach Worten. Der Stürmer, der zwei Tore erzielte, konnte sich dennoch ein Grinsen nicht verkneifen, sein fulminanter Schuss ins obere linke Eck (52.) bedeutete den Siegtreffer. War der Schuss Glück oder genauso geplant? "Was klingt authentischer?", drückte sich Skrzybski zunächst um eine Antwort, um dann diplomatisch hinzuzufügen: "Ich wollte den Ball ­unbedingt aufs kurze Eck ziehen."

Defensiv habe Union zu viel Raum gelassen

Trainer Keller sagte: "Unsere Taktik in der Offensive war in der ersten halben Stunde ganz gut. Defensiv haben wir viel zu viel Räume gelassen, wenn wir den Ball verloren haben." Nach zwölf Minuten schickte Ex-Unioner Dominic Peitz seinen Mitspieler Kingsley Schindler auf die Reise, den ersten Schuss ließ Union-Keeper Busk nach vorn abprallen, Marc Torrejon konnte den Ball nicht klären, 0:1 im zweiten Versuch von Schindler – das Spektakel begann.

Freistoß von Christopher Trimmel, Damir Kreilach stieg im Strafraum am höchsten, 1:1 kaum zwei Minuten nach dem Rückstand. Weitere zwei Minuten später war Kiels Schindler schon wieder zur Stelle, spitzelte den Ball an Busk vorbei, ehe ihn Pedersen beim Rettungsversuch über die Linie drückte, 1:2 (16.). Es folgte Skrzybskis erster Streich, nachdem er von Kreilach im Strafraum per Lupfer angespielt wurde (24.). Dann schickte Skrzybski Simon Hedlund steil, der Schwede schob ein, Union führte 3:2 (27.).

"Weil wir bei Ballverlusten zu wenig Absicherung hatten, haben wir Kreilach als zweiten Sechser zurückgezogen", so Keller. Doch Kiel blieb unbeeindruckt. Die "Störche" zeigten: Wir sind zurück in der Zweiten Liga und haben Spaß. Dominic Drexler vollendete zum 3:3 (32.) und sorgte damit für eine Bestmarke in der Liga. Noch nie gab es sechs Tore nach nur 32 Minuten. "Ein sehr ereignisreiches Spiel", sagte Holstein-Coach Markus Anfang, "da tut es weh, wenn man ohne Punkte nach Hause fährt. Wir haben uns vorgenommen, mutig rauszugehen. Wir haben uns gegen ein Top-Team der Zweiten Liga richtig gut präsentiert." Das kann man von Union im ersten Heimspiel nur bedingt behaupten.

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