1. FC Union

2:0 gegen München - So spielt ein Aufsteiger

Union zählt weiter zu den Aufstiegskandidaten für die Bundesliga. Die heimstarken Köpenicker ließen 1860 München keine Chance.

Der Berliner Sebastian Polter (l) und Abdoulaye Ba aus München kämpfen um den Ball

Der Berliner Sebastian Polter (l) und Abdoulaye Ba aus München kämpfen um den Ball

Ist den heute schon Weihnachten? Sicher nicht, Heiligabend ist ja erst in knapp zehn Monaten. Doch die Alte Försterei erlebte am Freitagabend die Geburt einer Mannschaft, die sich im Mai mit dem Aufstieg in die Bundesliga selbst beschenken kann. Das unterstrich der Sieg, den der 1. FC Union gegen 1860 München einfuhr. Das hochverdiente 2:0 (1:0) war vor allem eines: beeindruckend.

"Mit dieser Intensität muss man erst einmal 90 Minuten spielen", sagte Kapitän Felix Kroos. Trainer Jens Keller war einfach nur "stolz auf die Mannschaft" und darauf, "wie sie auftritt und Dinge umsetzt". Und hätte Schiedsrichter Timo Gerlach (Landau) nicht nach 92 Minuten abgepfiffen, die Profis des Zweitligisten würden wohl immer noch den Gegner anlaufen in der Hoffnung, den Ball zu erobern. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", so Kroos.

So konnte sich nicht nur Geburtstagskind Christopher Trimmel glücklich schätzen. Der Österreicher wurde am Freitag 30 Jahre alt, die Rolle des Oldies in der Startelf der Köpenicker übernahm jedoch ein anderer. Weil sich Kristian Pedersen (22) im Abschlusstraining eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zugezogen hatte, rückte Michael Parensen auf die linke Abwehrseite. Und der Defensiv-Allrounder ist auf den Tag genau acht Monate älter als Trimmel.

"FC Union, uns're Liebe"

Es war kurz nach dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Gerlach, als sich in der Alten Försterei etwas ereignete, das den Zustand des 1. FC Union und seines Umfeldes perfekt widerspiegelte. Mit strahlenden Gesichtern standen die 20.176 Zuschauer auf den Tribünen, klatschten rhythmisch und besangen den "FC Union, uns're Liebe". Ein Ritual, das man immer wieder erlebt bei den Köpenickern – jedoch erst nach einer Partie. Hatte nicht Trainer Keller erst wenige Tage vorher noch gemahnt, sich nicht kleiner zu machen, als man ist? War es nicht Stürmer Sebastian Polter, der seit dem ersten Tag seiner Rückkehr zu Union nicht müde wird zu predigen, dass der Glaube an den Aufstieg sich noch viel mehr einnisten müsse? Der Freitagabend hat gezeigt: Beide Botschaften sind angekommen.

Folglich agierte Union von Beginn an nicht wie ein Gejagter, den man unbedingt wieder von Platz drei und damit aus der Aufstiegsregion stoßen will, sondern wie ein Jäger. Der 25-Meter-Hammer von Abwehrchef Toni Leistner in der 39. Minute, der nur knapp über das 1860-Tor strich, soll exemplarisch dafür stehen, dass sich das Keller-Team als Verfolger des Spitzenduos VfB Stuttgart und Hannover 96 sieht. Alles soll versucht werden, um zumindest noch einen Kontrahenten abzufangen.

Und da auch die Münchner "Löwen" – gestärkt durch den Abstand, den sie zwischen sich und dem Quartett am Ende der Liga gelegt hatten – selbst die Initiative zu ergreifen versuchten, entwickelte sich ein flottes Zweitligaspiel. Mit einem Gästeteam, das 1860-Coach Vitor Pereira in der ersten Halbzeit als "nicht wettbewerbsfähig" titulierte.

Union dominierte. Simon Hedlund spitzelte den Ball zu Polter, der jedoch frei vor dem Tor links vorbeischoss (4.), dann entschärften die Münchner Sebastian Boenisch und Torwart Stefan Ortega eine Hedlund-Chance (12.), nach einem Konter über Hedlund und Steven Skrzybski war es Kroos, der Maß nahm und verfehlte (21.) – Union war die bessere, die reifere Mannschaft.

Dass bei der verdienten Führung das Glück ein wenig zur Seite stand, passte ins Bild. Nach einem Querpass in den Strafraum wurde der Schuss von Parensen noch abgeblockt, doch Skrzybskis Nachschuss fand den Weg durch das Spielergetümmel (41.). Kurz vor der Pause wurde Hedlund etwas übermütig, seine Schwalbe im Strafraum ahndete Schiedsrichter Gerlach mit der Gelben Karte (44.). Unnötig.

Münchner schauen beim zweiten Union-Tor nur zu

Nach dem Seitenwechsel machte es der flinke Schwede besser und drückte den Ball aus zwei Metern über die Linie (61.). Sucht man nach einer Szene, die den Unterschied ausmachte zwischen Union und 1860, dies war sie. Denn bei Kreilachs Anspiel rechts raus auf Polter schauten die Münchner nur interessiert zu, und bei Polters Hereingabe irrlichterte Ortega durch den Fünfmeterraum. Dabei hatte Pereira mit Ivica Olic und Stefan Aigner gerade die Aufholjagd einleiten wollen. Doch mehr als eine Olic-Chance, die Trimmel vereitelte (64.), und einen Lattenknaller von Boenisch (76.) gab es nicht.

So fehlte Union nur ein Tor bis Platz zwei. "Klar schauen wir auf die Tabelle, aber so lange wir unsere Leistung bringen, kommt alles von selbst", sagte Keller. Draußen hatte es inzwischen angefangen zu schneien. Also doch noch ein Hauch von Weihnachten.

Mehr zum Thema:

Trimmel ist bei Union der Unverwüstliche

"Sehr guter Test" für 1860 München bei Union Berlin

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.