Zweite Liga

Unions Leistner wird das Kind schon schaukeln

Unions Abwehrchef Toni Leistner erlebt des beste Jahr in seiner Karriere – und das nicht nur wegen seiner Leistungen auf dem Platz.

Unions Toni Leistner (l.) widmete sein Tor gegen Fürth seiner Familie

Unions Toni Leistner (l.) widmete sein Tor gegen Fürth seiner Familie

Foto: imago sportfotodienst / imago/Zink

Berlin.  Toni Leistner wird die besinnlichen Tage genießen, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Junge Väter werden dies bestätigen, das erste Weihnachtsfest mit dem eigenen Nachwuchs ist schon etwas ganz Besonderes. Es wird das i-Tüpfelchen auf ein Jahr setzen, das für den Profi des 1. FC Union das beste in seiner Karriere gewesen ist.

Klar, die Geburt von Töchterchen Clara am vergangenen Sonntag, davor die Hochzeit mit seiner Josefin im Oktober begründen das private Glück des Abwehrspielers – und auch sein Hoch beim Berliner Fußball-Zweitligisten.

Der 26-Jährige ist ganz klar der Chef in Unions Hintermannschaft. Seine Entwicklung vom Unsicherheitsfaktor in seiner Anfangszeit bei den Köpenickern im Jahre 2014 hin zum Fels in der Brandung zeigte sich auch wieder zum Jahresabschluss am Freitag gegen Fürth (1:1) – nicht nur wegen seines Tores, das seine Kopfballstärke demonstrierte. Das sogenannte Vorverteidigen, diesen wichtigen Schritt schneller an den Ball zu kommen als der Gegenspieler, hat er – seinen Vorbildern Jerome Boateng und Mats Hummels folgend – verinnerlicht.

Leistner nimmt Schiedsrichterin Steinhaus in Schutz

Vorbildlich auf dem Platz, aber auch in den Momenten nach dem Spiel, wenn die Emotionen schon mal hochkochen wegen unglücklichen Mitwirkens des Schiedsrichters. Oder der Schiedsrichterin, wie am Freitagabend Bibiana Steinhaus, die dem Befreiungsschlag von Leistners Teamkollegen Stephan Fürstner an der Strafraumgrenze im Weg stand und so den Ausgleich der Fürther durch Serdar Dursun entscheidend, wenn auch unabsichtlich, einleitete.

Denn während Union-Kapitän Felix Kroos zum Beispiel monierte („Ich weiß nicht, wo die Schiedsrichterin ihre Augen hatte. Eigentlich sollten sie immer zum Spielgeschehen gucken. Es war eine Position, wo sie nichts zu suchen hatte“), suchte Leistner den Fehler vor allem bei den Hauptakteuren dieser Situation – den Spielern.

„Wir müssen den Ball einfach besser klären, dann passiert so etwas auch nicht“, sagte der gebürtige Dresdner. Recht hat er.

Vertrag bei Union wurde bis Sommer 2018 verlängert

Zu allererst auf sich selbst schauen, eigene Fehler abstellen, sein Spiel verbessern – Toni Leistner geht hier mit gutem Beispiel voran. Dass auch er noch Steigerungspotenzial hat, offenbarte eine kuriose Szene kurz nach Wiederanpfiff: Deutlich irritiert vom plötzlich neben ihm auftauchenden Torwart Jakob Busk spielte Leistner den Ball 25 Meter vor dem eigenen Tor nur halbherzig weg und ermöglichte so dem Fürther Mathis Bolly die Riesenchance zur Gästeführung.

„Ich muss froh sein, dass er mich nicht umgegrätscht hat“, spielte Leistner die Szene noch einmal durch, „ich weiß auch nicht, warum er 25 Meter vor dem Tor rumturnt. Aber er hat den Fehler sofort auf seine Kappe genommen.“ Ein Fehler, der ungestraft blieb, Bollys Schuss trudelte knapp am Pfosten und auch am Tor vorbei.

Es zählt zu Leistners Maximen, dass er seinen Mitspielern den Rücken frei halten will. Der Profi gibt sich dabei ganz als Teamspieler, der gelernt hat, mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen. Insofern zahlt sich die Vertragsverlängerung des 1,90-Meter-Mannes im vergangenen Sommer bis 2018 nicht nur für ihn aus, sondern auch für seinen Verein.

Der Aufstiegstraum kann Realität werden

Leistners Hoffnung, im nächsten Jahr mit Union aufzusteigen, ist immer noch intakt, trotz der mindestens drei Punkte Rückstand, die der Tabellenfünfte auf die Aufstiegsregion hat.

Leistners Familienglück wird ihm Kraft geben, den Traum verwirklichen zu können.