1. FC Union

Leistner: „Boateng und Hummels sind meine Vorbilder“

| Lesedauer: 6 Minuten
Michael Färber
Toni Leistner spielt seit 2014 für den 1. FC Union

Toni Leistner spielt seit 2014 für den 1. FC Union

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Unions Abwehrchef Toni Leistner spricht im Interview über veränderte Anforderungen, Vaterfreuden und den Aufstieg in die Bundesliga

Berlin.  Seinen Vertrag beim 1. FC Union hat Toni Leistner (25) erst im Juni vorzeitig bis 2018 verlängert. Aus gutem Grund, hat sich der Innenverteidiger doch zu einer nahezu unverzichtbaren Größe beim Fußball-Zweitligisten entwickelt. Die Morgenpost sprach mit dem Abwehrchef der Köpenicker.

Abwehrchef Toni Leistner – hören Sie so etwas gern?

Toni Leistner: „Schon. Aber ich denke, dass viele in der Abwehr Verantwortung übernehmen müssen. Da von einem Chef zu reden, ist immer einfach gesagt.“

Dennoch haben Sie in der vergangenen Saison einen Riesenschritt nach vorn gemacht in Ihrer Entwicklung.

„Das stimmt. Ich muss schon sagen, dass ich unter Sascha Lewandowski oder André Hofschneider einiges dazugelernt habe, was mein Spiel auch weiterentwickelt hat. Das Vorverteidigen, also in einem Zweikampf vor den Stürmer zu kommen, zum Beispiel. Spielaufbau natürlich, das hat mir vor allem Lewandowski immer wieder eingeflößt.“

Sie haben Norbert Düwel vergessen, der sie aus Dresden zu Union geholt hat.

„Unter ihm hatte ich am Ende ja nicht mehr so viel Spaß. Wir hatten einige Meinungsverschiedenheiten.“

Derzeit hat man den Eindruck, dass Sie sich richtig wohl fühlen. Sie wirken sehr routiniert, gerade im Kerngeschäft, dem Verteidigen.

„Naja, als Talent gelte ich mit 25 Jahren ja nun nicht mehr, insofern ist schon ein bisschen Erfahrung vorhanden. In meiner Dresdner Zeit und auch im ersten Jahr bei Union habe ich aber noch einige Fehler gemacht, die ich inzwischen abgestellt habe. Ich habe gelernt, die Zweikämpfe besser zu führen, mit weniger Fouls.“

Und unter Trainer Jens Keller werden die Abwehrspieler noch viel intensiver in den Spielaufbau mit einbezogen.

„Wir wollen versuchen, den Weg zum gegnerischen Tor so kurz wie möglich zu halten, um mehr Torchancen zu erspielen. Das verlangt ein wenig mehr Konzentration, ist manchmal nicht so einfach, aber es macht Spaß, weil es einen fordert und fördert.“

Die Anforderungen vor allem auf Ihrer Position haben sich in den vergangenen Jahren enorm verändert.

„Gerade wenn man Jerome Boateng und Mats Hummels sieht, da schauen sich einige Trainer etwas ab und wollen ihre Verteidiger ähnlich schulen. Beide haben das Abwehrspiel neu geprägt. Und wenn die beiden besten Abwehrspieler der Welt keine Vorbilder wären, dann wäre es schlimm. Ich schaue mir auch einiges ab und versuche, ähnlich zu spielen. Aber natürlich auf einem anderen Niveau in einer anderen Liga.“

Bei all der Konzentration, die gerade in den Wochen der Vorbereitung notwendig ist – inwiefern hilft Ihnen Ihre künftige Familie abzuschalten und wieder aufzutanken?

„Das ist schon schön, wenn einem die Freundin wieder etwas von der Planung für die Hochzeit erzählt. Und wenn wir wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, dann geht bestimmt auch das große Shopping los. Darauf freut sich meine Verlobte sicher noch mehr als ich, aber ich werde bestimmt auch etwas Schönes für meinen Nachwuchs finden.“

Als Vater übernimmt man viel Verantwortung, auch auf dem Platz tun Sie dies. War das schon immer so?

„Wenn man als junger Spieler hochkommt in den Männerbereich, bei Dynamo war ich damals 19, dann ist man natürlich nicht gleich so präsent und scheut sich noch ein wenig davor. Das hat sich aber in all den Jahren verändert, weil man da hineinwächst mit jeder Spielminute. Und ich bin ja nun in einer Position, die für das Team sehr wichtig ist. Ich versuche, meinen Jungs immer den Rücken freizuhalten. Da wird Verantwortung sicher groß geschrieben.“

Gab es für Sie eigentlich jemals eine Alternative zur Verteidigerposition?

„In der B-Jugend habe ich als Stürmer angefangen, auch weil genügend Verteidiger vorhanden waren. Ich habe auch mal fünf Stück gemacht, bin aber manchmal auch kläglich gescheitert (lacht). Doch nach der A-Jugend war für mich klar, dass ich wieder nach hinten gehe. Ich habe bei Union auch schon auf der Sechs gespielt, das ist aber nicht so meins. Da fehlt mir das Geschmeidige, wie es Teamkollege Eroll Zejnullahu zum Beispiel hat.“

Was wird denn möglich sein für Union in dieser Saison mit neuem Trainer und neuer Spielidee?

„Wir haben schon ab der ersten Trainingseinheit angefangen, mit Pressing und Gegenpressing zu arbeiten. Und wie wir dies jetzt bereits umsetzen, ist ein extremer Fortschritt. Das ist alles noch nicht perfekt, aber ich denke, bis zum Saisonstart am Sonnabend werden wir das alles in unseren Köpfen haben. Die Mechanismen, die schon ineinandergreifen, stimmen mich positiv, dass wir endlich einen guten Start hinlegen. Jeder im Verein will endlich mal wieder gut starten. Unser Auftaktgegner Bochum muss im Gegensatz zu uns erst einmal einen kompletten Umbruch verarbeiten.“

Und dann kommt mit Dynamo Dresden auch schon Ihr Ex-Klub in die Alte Försterei. Da dürften Sie zu 170 Prozent motiviert sein.

„Das müssen wir auf jeden Fall gewinnen, da kommt nämlich meine ganze Familie zum Zuschauen. Auch viele Fans aus Dresden, die an diesem Tag natürlich mir die Daumen drücken (lacht). Das wird ein schönes Spiel. Ich freue mich für Dresden, dass sie wieder in der Liga sind. Aber das ist unser Stadion, in dem wir die letzten acht Spiele gewonnen haben, und ich bin mir sicher, dass wir die Serie ausbauen werden.“

Und schon ist der Druck da. Wie gehen Sie mit Druck um?

„Druck gibt es immer im Fußball, ohne geht es nicht. Man soll sich ja seine Ziele nicht zu niedrig setzen. Druck motiviert mich immer.“

Stichwort hohe Ziele: Wann spielt Toni Leistner in der Bundesliga?

„Ich hoffe natürlich im nächsten Jahr mit Union. Bis auf Absteiger VfB Stuttgart sehe ich keinen Favoriten, der jetzt um Platz zwei spielt. Ich denke, die Liga ist noch ausgeglichener als vergangene Saison. Wir sind ja im Kern zusammengeblieben. Insofern denke ich, dass man mit uns rechnen kann.“