Die Bürde, die er in den kommenden vier Jahren bei jedem Spiel mit sich tragen wird, ist ihm wohl bewusst. Schließlich bekommt Simon Hedlund, mit rund 850.000 Euro Ablöse der teuerste Einkauf der Klubgeschichte, beim 1. FC Union nicht irgendeine Rückennummer, sondern die 17 – und die hatte bis 2014 kein Geringerer als Klublegende Torsten Mattuschka auf dem Rücken.
Ein wenig verlegen lacht der 23-jährige Schwede, als er davon hört, dass die Fans des Berliner Fußball-Zweitligisten dem ehemaligen Kapitän ein eigenes Lied gewidmet hatten. „Ich hoffe, ich kann so gut spielen, dass die Fans auch meinen Namen singen werden“, sagt Hedlund. Ohne irgendwelche Allüren, sondern mit dem klaren Ziel, sich bei Union weiterzuentwickeln und „viele Tore“ zu erzielen, damit „wir hoffentlich bald in die Bundesliga aufsteigen können“. Eine Liga, die ihn schon als Kind begeistert hat.
Sympathisch kommt er daher, Unions junger Schwede. Er macht keinen Hehl daraus, dass er morgens eher etwas länger schläft, wenn sich die Möglichkeit bietet. Dass es sich gut angefühlt hat, bei der ersten Einheit am Dienstagvormittag mit Athletiktrainer Martin Krüger Ball und Gras in der Alten Försterei gespürt zu haben. Dass er sich freut, mit seiner Verlobten Sandra – ein Tattoo mit ihrem Namen trägt er auf dem rechten Unterarm – zusammen die Großstadt Berlin zu erkunden. Die Stadt Boras, von der Hedlund nach Berlin wechselt, hat gerade 70.000 Einwohner.
„Jedermanns Herz war gebrochen“
Schnell wird deutlich: Für Hedlund ist Familie durchaus wichtig. Als die Sprache auf Klas Ingesson kommt, muss er mit seinen Emotionen kämpfen. Unter Ingesson, einst schwedischer Nationalspieler, entwickelte sich Hedlund erst in der U19, später im Erstliga-Team von Elfsborg Boras zum Profi.
Mit fast erstickter Stimme erzählt der Union-Profi: „Er war der Trainer, der mir am meisten bedeutete. Keiner kann etwas schlechtes über ihn sagen, er war wundervoll, wie ein Vater.“ Einer, der Elfsborg im Mai 2014 zum schwedischen Cupsieg führte. Vom Rollstuhl aus. Denn Ingesson litt seit 2009 an Leukämie – und starb fünf Monate nach dem Pokaltriumph im Alter von nur 46 Jahren.
„Jedermanns Herz war gebrochen“, fügt Hedlund noch hinzu. Bei Instagram hat er das Bild einer Erinnerungstafel gepostet. „Immer fehlend, nie vergessen“, steht da um Ingessons Konterfei geschrieben.
Messi und Ibrahimovic sind seine Idole
Man wird das Gefühl nicht los, dass Hedlund seitdem jedes Spiel auch ein wenig seinem Förderer widmet. „Ich wollte schon als Kind Profi werden“, erzählt Hedlund, „und jeder in Schweden träumt davon, mal im Ausland zu spielen.“ Dass seine Wahl auf Union fiel, kommt nicht von ungefähr. Im November des Vorjahres besuchte Hedlund mit Teamkollegen Berlin, auch um sich ein Fußballspiel anzuschauen. Die Wahl fiel auf die Alte Försterei, in der Union gegen Bielefeld (1:1) spielte. Die Atmosphäre, die Stadionwurst, das Bier – Hedlund hatte gleich Gefallen gefunden.
Bei Union erhofft man sich von ihm, dass er auf der Außenbahn gefallen kann. Bei Elfsborg kam er über die rechte Seite, „ich bevorzuge aber die linke“, gibt er unumwunden zu. Schnelligkeit nennt er seine größte Stärke, Vergleiche mit seinen Idolen Lionel Messi („Der beste Spieler aller Zeiten“), Cristiano Ronaldo oder – na klar – Zlatan Ibrahimovic lehnt er jedoch ab. „Ich bin ich“, sagt der Schwede, der in seiner Freizeit gern mal zum Golfschläger greift. „Mein Handicap ist jedoch peinlich“, lässt er wissen.
Seine fünf Tore und sieben Assists in 17 Spielen der laufenden schwedischen Liga sind es ganz und gar nicht. Gute Voraussetzungen also, um das Union-Trikot mit der Nummer 17 mit neuem Leben zu füllen.


