Zweite Liga

Unions Saison gerät schon in Schieflage

Drei Spieltage sind erst vorbei und Union stellt bereits die schlechteste Defensive. Die anvisierte Spitzengruppe liegt zunächst weit entfernt.

Nicht nur beim Bielefelder Führungstreffer durch Sebastian Schuppan geriet Unions Defensive durcheinander

Nicht nur beim Bielefelder Führungstreffer durch Sebastian Schuppan geriet Unions Defensive durcheinander

Foto: imago sportfotodienst / imago/pmk

Berlin.  Die Niedergeschlagenheit wollte Toni Leistner auch am Montag gar nicht erst verbergen. „Wenn man vier Gegentore kassiert, sieht man als sogenannter Abwehrchef schon schlecht aus. Bei solchen Gegentoren ist man ratlos“, sagte der Profi des 1. FC Union am Tag nach dem irrwitzigen 4:4 (1:2) bei Arminia Bielefeld . Gleichwohl wollte der 26-Jährige nicht nur sich und seine Nebenleute für den verspielten Sieg verantwortlich wissen. „Die Defensivarbeit geht nicht nur die Viererkette und den Torwart etwas an“, unterstrich der Innenverteidiger.

Sehr kritisch, so Leistner, sei es deshalb in der Videoanalyse zugegangen, „es sind klare Worte gefallen“. Mit die klarsten wählte Leistner selbst. „Wenn man das 4:3 geschossen hat, dann muss man den Ball in der Schlussphase auch einfach mal nach vorn weghauen“, kritisierte Leistner. Gemeint ist Kapitän Felix Kroos, dessen Außenristpass auf Steven Skrzybski an Schiedsrichter Timo Gerlach hängenblieb. „Und alle reißen die Arme hoch“, so Leistner, um zu reklamieren. Die Folge war der Ausgleich kurz vor Schluss.

Schon beim ersten und dritten Gegentor waren Ballverluste von Kroos vorausgegangen. „Ballverluste im Mittelfeld sind immer problematisch“, will Leistner die Kritik nicht nur an Kroos festgemacht wissen. „Klar war das in Bielefeld eine Extremsituation, es wurde viel nach vorn gearbeitet“, analysierte Leistner angesichts des 1:3-Rückstandes, der erst wettgemacht werden musste. Von seinen Vorderleuten fühlt er sich zwar „nicht im Stich gelassen“. Nichtsdestotrotz machte Leistner noch einmal unmissverständlich klar: „Defensivarbeit geht alle an.“

Viel zu sorglos verteidigt

Insofern muss auch gefragt werden, warum Linksverteidiger Kristian Pedersen vor dem 1:2 seinem Gegenspieler Christoph Hemlein die komplette Außenbahn überließ. Oder warum Roberto Puncec vor dem 4:4 viel zu weit vom Torschützen David Ulm entfernt stand.

Die Sorglosigkeit, mit der Union in der Hitzeschlacht von Bielefeld verteidigte, war schon frappierend. Selbst die Hoffnung, durch die Paraden des Torwarts wieder ein wenig Selbstvertrauen schöpfen zu können, zu wissen, dass man sich auf die letzte Abwehrlinie verlassen kann, erfüllte sich nicht. Union-Keeper Jakob Busk gab bei drei der vier Gegentore keine gute Figur ab.

So passierte nach drei Spieltagen genau das, was man bei den Köpenickern unbedingt vermeiden wollte. Den Anschluss an die Spitzengruppe hat Union erst einmal verloren. Der Rückstand des Tabellen-13. auf den als Minimalziel angestrebten fünften Platz beträgt schon jetzt drei Punkte. Viel schlimmer: Nach 270 Ligaminuten stellt Union mit acht Gegentoren bereits wieder die schlechteste Defensive der Liga. Dass auch Nürnberg nicht besser ist, ist da nur ein schwacher Trost.

Schwede Hedlund ist teuerster Einkauf der Köpenicker

Vor diesem Hintergrund erscheint die Verpflichtung von Simon Hedlund (23) zunächst wenig hilfreich. Der Schwede (Vertrag bis 2020) kommt für rund 850.000 Euro von Elfsborg Boras und ist damit Unions teuerster Einkauf. Für Stürmer Bobby Wood (jetzt HSV) hatte Union vor einem Jahr 800.000 Euro gezahlt. „Simon ist ein Spieler, der trotz jungen Alters schon einige Erfahrung mitbringt und in der Offensive variabel einsetzbar ist“, sagte Helmut Schulte, Leiter der Lizenzspielerabteilung.