Zeit zum Durchschnaufen beim 1. FC Union? Nicht mit einer englischen Woche vor der Brust, die am Sonnabend bei Eintracht Braunschweig (13 Uhr, Sky) beginnt. Und schon gar nicht bei dem Aufwärtstrend, den die Köpenicker in den vergangenen Wochen zeigen. Trotz inzwischen erreichter 20 Punkte gehe der Blick aber längst noch nicht nach oben. „Wir stecken weiter im Abstiegskampf, bis zum Ende“, sagte Trainer Norbert Düwel. Zumal die kommende Woche mit dem Karlsruher SC (16.12.) und Fortuna Düsseldorf (19.12.) noch zwei weitere schwere Brocken für Union bereithält.

Doch zunächst geht es zum Bundesliga-Absteiger, laut Düwel „ein Top-Favorit für den Aufstieg, eine Mannschaft mit wenigen Schwächen“. Da gilt es, selbst Stärke zu zeigen, vor allem in der Defensive. Dumm nur, wenn man den eigenen Abwehrverbund umbauen muss. Toni Leistners Gelb-Sperre drückt immer noch auf des Trainers Gemüt: „Ich hätte den Toni natürlich gern dabei gehabt, weil er uns mit den Attributen, die er hat, sehr gut geholfen hätte.“

Leistner war da, als er gebraucht wurde, nachdem sich Fabian Schönheim im Oktober im Training eine Sprunggelenksverletzung zugezogen hatte. Und während Schönheim, der zu Saisonbeginn seinen Vertrag bei Union bis 2019 verlängert hatte, akribisch an seinem Comeback arbeitete, musste er mitansehen, wie Konkurrent Leistner Spiel um Spiel mit guten Leistungen glänzte. Es ist schon Ironie des Schicksals, dass nun Leistner tatenlos mitansehen muss, wie Schönheim den Platz in der Startelf übernimmt.

Desaströser Auftritt bei der ersten Rückkehr

Doch wird er das wirklich tun? „Es ist keineswegs ein Selbstläufer“, so Düwel, dass Schönheim automatisch zurückkehrt. Der bis zu seiner Verletzungspause unangefochtene Stammspieler müsse sich wie jeder andere auch im Training wieder aufs Neue empfehlen. Erst recht nach seinem desaströsen Auftritt gegen 1860 München (1:4), als Schönheim bei seiner erstmaligen Rückkehr an drei der vier Gegentreffer direkt beteiligt gewesen war. Eine Leistung, die ihn sogleich wieder in die zweite Reihe verbannt hatte.

Schönheims einfache Maxime lautet: „Jeder muss an seine Leistungsgrenze kommen und besser sein als sein Gegenspieler.“ Nur dann könne die Mannschaft Erfolg haben. Das gilt natürlich auch im direkten Duell mit den Mitbewerbern um einen Platz in der Innenverteidigung.

Längst ist Schönheims Status nicht mehr unangefochten. Noch im Sommer ließ Düwel wissen: „Fabian ist eine feste Größe in unserer Defensive und gehört zu den absoluten Führungsspielern.“ Nun sagte der Trainer mit Blick auf das Braunschweig-Spiel und der zum Erfolg nötigen Sicherheit auf dem Platz: „Ich gehe davon aus, wenn ein Fabian Schönheim spielen würde, würde er auch diese Aufgabe so erfüllen können, wie ich es mir vorstelle.“ Konjunktiv statt Einsatzgarantie.

Das Leibchen einfach in die Ecke gefeuert

Für Schönheim eine neue, unbefriedigende Situation. Wie sehr das Reservistendasein an ihm nagt, zeigte er erst kürzlich beim Spiel gegen den FSV Frankfurt (2:1). Als Düwel sein Auswechselkontingent erschöpft hatte, trottete Schönheim zurück zur Bank und feuerte sein grünes Leibchen, das er während des Warmmachens getragen hatte, gefrustet in die Ecke.

Schönheim müsse die Trainingsleistungen bestätigen, dann wäre er der erste Kandidat als Leistner-Ersatz. Düwels Einschätzung auf die Frage, ob sich der 27-Jährige unter der Woche so extrem hat aufdrängen können, um dem Trainer gar keine andere Wahl zu lassen, bleibt allgemein: „Er hat sich genau so positioniert wie alle anderen. Er hat eine sehr gute Trainingswoche gehabt. Alle Jungs haben außerordentlich gut mitgezogen, da kann ich niemanden herausheben.“

Schönheims Glück dürfte sein, dass die Alternativen rar gesät sind. Mario Eggimann, bislang ohnehin zweite Wahl, sei nach seiner Knochenstauchung im Sprunggelenk „noch nicht so weit“. Und dass Düwel seinen Kapitän Damir Kreilach vom defensiven Mittelfeld in die Abwehrkette beordert, ist unwahrscheinlich – ungeachtet der Tatsache, dass der Kroate schon in Testspielen als Innenverteidiger agierte.

So bietet sich für Schönheim in Braunschweig wohl die große Chance, seinen Stammplatz mit einer guten Leistung zurückzuerobern. Zeit zum Durchatmen wird er jedoch nicht mehr bekommen, wenn Leistner seine Gelb-Sperre abgesessen hat.