Die Worte, die Norbert Düwel gewählt hatte, ließen keinen Spielraum für Spekulationen zu. „Mit Damir Kreilach habe ich einen Kapitän, der sportlich absolut unumstritten ist und menschlich alles mitbringt, um die Mannschaft zu führen“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Es war Hochsommer, Ende Juli, und der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten hatte den Kroaten soeben zum neuen Spielführer ernannt, zum Nachfolger von Torsten Mattuschka.
Die Laune ist besser
Vier Monate später stimmt zumindest der zweite Teil der Aussage mehr denn je. Kreilachs Augen blitzen, als er am Sonnabendvormittag vom Auslaufen am Tag nach dem wichtigen 2:1 in Aue kommt. Die Laune des Kroaten ist gut. Klar, wer mit gleich zwei Treffern seine Mannschaft vor einer weiteren Niederlage bewahrt, noch dazu bei einem direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, der hat eben gute Laune. Und Kreilach sieht seinen Doppelpack vor allem wichtig für – „die Mannschaft. Für uns war das ein wichtiger Schritt nach vorne“.
Keine Statements wie „Ich habe allen gezeigt, dass ich in die Mannschaft gehöre“ oder „Es war ein Fehler, mich draußen zu lassen“. Das hätte man von ihm, keinem Geringen als dem Kapitän einer Zweitliga-Profimannschaft, durchaus erwarten können. Und es gab Vorgänger im Kapitänsamt, die schon ihren Unmut öffentlich geäußert haben, oder aus Frust über die neue Rolle sogar den Verein verließen. Wie Mattuschka.
Zum dritten Mal auf der Reservebank
Doch nicht Kreilach, obwohl er bereits zum dritten Mal in dieser Saison bei Anpfiff draußen saß. Stattdessen lobt der Kroate die „Moral, die in der Mannschaft intakt ist“. Moral, für die er in vielen Gesprächen mit seinen Mitspielern selbst sorgt. Ganz Kapitän eben.
Was nicht heißt, dass er seinen Bankplatz mit Wohlwollen hinnimmt. Oder seine Auswechslungen, wenn er von Beginn an auf dem Platz stand. Er spricht dann von einer „schwierigen Situation für die ganze Mannschaft“. Und ist dann trotzdem da, wenn er gebraucht wird, wie am Freitag in Aue, als er die Moral des Teams mit seinen Treffern belohnte.
Tore, die „wichtig sind für mein Selbstvertrauen“, sagte Kreilach. Nein, spurlos sind die vergangenen Wochen nicht an ihm vorbei gegangen. Dabei schien er sein Tief, das ihn wie die gesamte Mannschaft schon durch die Rückrunde der vergangenen Saison begleitet hatte, überwunden zu haben. Als würde Düwels Entscheidung, ihn zum Kapitän zu machen, genau das Richtige bewirken: Dass Kreilach mehr Verantwortung übernimmt, dass er aus dem Schatten des jahrelangen Publikumslieblings Mattuschka heraustritt, dass er die Mannschaft mit seiner Übersicht im defensiven Mittelfeld zu neuen Erfolgen führt, so wie er es vor einem Jahr in der Hinrunde getan hat.
Zwei Tore in 20 Minuten Einsatzzeit
Der Plan ging aber lange nicht so auf, wie man es sich an der Alten Försterei vorgestellt hatte. „Wir machen uns jeden Tag Gedanken darüber, wie wir ihn wieder in die Spur bringen können“, erklärte Düwel. Der Trainer weiß: Ein Kreilach in guter Form täte seiner Mannschaft in der aktuellen Situation ohne Zweifel richtig gut. „Sein unglaublich gutes Kopfballspiel vor allem defensiv, auch offensiv hat er mit seinem guten Distanzschuss immer wieder Möglichkeiten – klar fehlen uns diese Qualitäten im Moment.“
Insofern könnte der erfolgreiche 20-minütige Teileinsatz am Freitag im Erzgebirge für Kreilach durchaus so etwas wie der Brustlöser gewesen sein. „Er hat im Moment eine schwierige Zeit, weil er nicht die Form hat, die wir auch von ihm erwarten. Darüber sind wir nicht glücklich, weil Kreilach schon eine zentrale Position bekleidet, die wichtig ist für unser Spiel“, sagte Düwel. Dass es nun ausgerechnet der von ihm zum Reservisten degradierte Kapitän gewesen ist, der zur Sicherung seines Arbeitsplatzes ein wenig beigetragen hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Trainer Düwel redet viel mit ihm
Als Kreilach am Sonnabend nach getaner Arbeit in den Katakomben der Alten Försterei verschwindet, lässt er sein sympathisches Lächeln aufblitzen. „Jetzt noch ein Sieg gegen Frankfurt am kommenden Sonntag, und dann können wir wieder ein bisschen durchatmen“, sagte der Kroate, der im Sommer vergangenen Jahres aus Rijeka nach Berlin gewechselt war und dessen Vertrag noch bis zum Sommer 2016 läuft.
Trainer Düwel ist optimistisch, dass sein Spielführer bald auch sportlich wieder unumstritten ist. „Ich spreche mit ihm, wir helfen ihm, wo immer es geht“, sagte Düwel: „Bislang haben wir es nicht geschafft. Aber wir werden es schaffen.“ Je früher, desto besser.





