Nico Schäfer drückte Norbert Düwel mit solcher Inbrunst an sich, als wollte er ihn gar nicht wieder loslassen. Kaufmännisch-organisatorischer Leiter und Trainer des 1. FC Union strahlten dabei um die Wette. Sie hatten allen Grund dazu, hatte die Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten doch gerade mit 2:1 (0:1) gegen den VfR Aalen gewonnen. Noch dazu auswärts, wo die Köpenicker saisonübergreifend seit zwölf Partien keine volle Punktausbeute mehr einfahren konnten. Den zuvor letzten Erfolg in der Fremde hatte es am 14. Dezember 2013 in Bochum (4:0) gegeben.

„Wir haben in dieser Saison zum zweiten Mal einen Rückstand in einen Sieg verwandelt“, sagte Düwel, „dazu gehört Moral und Teamgeist. Beides ist intakt.“ Tatsächlich musste Union wie schon in der Woche zuvor gegen den SV Sandhausen (3:1) erst einem Rückstand hinterherlaufen. Doch es gab einen Unterschied: Der Sieg in Aalen war aufgrund beider Halbzeiten verdient.

Union mangelte es erst an Durchschlagskraft

Trainer Düwel musste im Vergleich zum Sandhausen-Spiel eine Änderung in der Startelf vornehmen: Toni Leistner ersetzte den am Sprunggelenk verletzten Fabian Schönheim in der Vierer-Abwehrkette. Das sollte sich bezahlt machen. Weil Union sich wegen des Verzichts von Umstellungen mit Selbstbewusstsein vor 5435 Zuschauern präsentierte. Und weil es ausgerechnet Leistner war, der den Rückstand egalisierte. Nach einer Ecke von Benjamin Köhler stieg der ehemalige Dresdner am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar für Aalens Torwart Jasmin Fejzic zum 1:1 ins Tor (62.).

Es war die späte Belohnung für eine erste Halbzeit, in der Union schon die bessere Mannschaft war und sich auch durchaus gefällig an den Strafraum der Aalener zu spielen wusste. Doch wie schon so oft in dieser Spielzeit mangelte es an Durchschlagskraft. Die Bestrafung gab es in der 39. Minute, als nach einem Eckball von Andreas Ludwig Sascha Mockenhaupt den Ball per Kopf verlängerte, ehe ihn Andre Hinault aus vier Metern ins Tor drosch. Union-Verteidiger Roberto Puncec hatte den Kanadier hinter seinem Rücken ziehen lassen.

In nur acht Minuten die Partie gedreht

„Im ersten Moment war ich geschockt. Ich war mir aber sicher, dass wir das Spiel noch gewinnen“, meinte Stürmer Sören Brandy. Dabei sah es zunächst nicht danach aus. Denn noch vor dem Ausgleich hatten die Gäste zweimal großes Glück. Zunächst drosch Mockenhaupt einen Pass quer zur Torlinie in den Fünfmeterraum, doch die Kugel flog an Freund und Feind vorbei (48.). Später durften sich die Unioner bei Aalens Ludwig dafür bedanken, dass er – allein auf Torwart Mohamed Amsif zulaufend – den Ball auf die Tribüne statt ins Tor jagte (56.).

Dann kam Brandys Auftritt. Maximilian Thiel hatte sich links am VfR-Strafraum durchgewuselt und in die Mitte gespielt. Sein halbhoher Schuss war ein gefundenes Fressen für Brandy: Quer in der Luft liegend hämmerte der Angreifer das Spielgerät an Fejzic vorbei ins Netz (70.). Union hatte die Partie in nur acht Minuten gedreht. Und nachdem zunächst Hinault per Kopf (72.) und Sekunden vor dem Abpfiff auch Nejmeddin Daghfous verzogen, stand fest: Union verbessert sich zumindest bis zum Sonnabendnachmittag mit 13 Punkten auf Rang zehn.

BM