Selbstvertrauen und Mut – wenn es zwei Attribute gibt, die Norbert Düwel, der Trainer des 1. FC Union, seinen Spielern in den vergangenen Tagen immer wieder mit auf den Weg gegeben hat, dann sind es Selbstvertrauen und Mut. Dinge, die der Berliner Fußball-Zweitligist auch dringend brauchen wird. Am Sonntag im Spiel gegen RB Leipzig (13.30 Uhr, Alte Försterei) und unter der Woche, wenn mit dem Auftritt beim 1. FC Kaiserslautern am Mittwoch und dem Duell gegen Aufsteiger SV Darmstadt 98 am darauf folgenden Sonnabend drei Partien in nur sechs Tagen anstehen.

Union geht als Vorletzter in den sechsten Spieltag. Und steht somit vor der Woche der Wahrheit. Schafft das Düwel-Team endlich den ersten Erfolg und kann sich in Richtung Mittelfeld aufmachen? Oder gelingt weiter kein Sieg, was unweigerlich den Abstiegskampf zur Folge hätte. Von aufkommender Unruhe im Umfeld nicht zuletzt um die Person des Trainers ganz zu schweigen.

„Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als am Wochenende, einen Dreier einzufahren“, dürstet auch Torwart Daniel Haas nach dem ersten Sieg. Gerade im emotional ohne Zweifel aufgeladenen Spiel gegen die ungeliebten – weil mit den Millionen eines Brauseherstellers unterstützten – und noch ungeschlagenen Leipziger. Doch mit dem Selbstvertrauen ist es nach erfolglosen Wochen so eine Sache.

Der Psychologe ist gefordert

Folglich war der Trainer vor allem als Psychologe gefordert. Für Düwel war wichtig, „trotz der Niederlagen das Positive herauszustellen“. Auch zuletzt in Heidenheim (1:3) habe sein Team sich durchaus gute Chancen erarbeitet. „Doch der totale Killerinstinkt hat einige Male gefehlt“, hat Düwel analysiert.

Es ist ein Teufelskreis. Killerinstinkt vor des Gegners Tor kommt mit wachsendem Selbstvertrauen, und das wiederum lässt sich nur durch Siege stärken, denen Union bislang vergeblich hinterherläuft. So forderte der Coach seine Spieler auf, selbst bei der kleinsten sich bietenden Gelegenheit aufs Tor zu schießen. „Lieber ein Schuss zu viel, ein Risiko mehr, als wenn ich dann wieder nicht abschließe“, sagte Düwel. Die Spieler sollen aktiv gegen die Abschlussschwäche ankämpfen, „sonst wird es schwer“.

Düwel nimmt das erste Gegentor in Heidenheim als Paradebeispiel für erzwungenes Glück. Der Schuss von Marc Schnatterer hätte sicher in Torwart Haas seinen Meister gefunden, wäre er nicht unglücklich und unerreichbar abgefälscht worden. Auch Haas appellierte an seine Vorderleute: „Wir müssen unsere Angriffe abschließen, so wie es der Gegner getan hat.“

Ein Sieg gegen die sich anbahnende Krise

So wird der Auftritt gegen RB Leipzig für Union auch der nächste Versuch, einer sich anbahnenden Krise entgegenzuwirken. Oder stecken die Köpenicker vielleicht sogar schon in einer? „Es ist noch viel zu früh, das zu sagen“, meinte Stürmer Sören Brandy. Aber: „Wenn wir in der englischen Woche nicht gepunktet haben, dann können wir uns vielleicht darüber unterhalten.“ Gefordert sind Selbstvertrauen und Mut, für einen erfolgreichen Auftakt in die Woche der Wahrheit.