Fußball

Union-Präsident Zingler lobt Fans für Leipzig-Protest

Beim Spiel gegen RB Leipzig am Sonntag werden die Berliner gegen den Aufsteiger im deutschen Fußball protestieren. Auch Präsident Dirk Zingler ist kein Freund von Fußball als Marketing-Projekt.

Foto: Soeren Stache / pa/dpa

Es dürfte düster werden. Wenn der 1. FC Union am Sonntag in Liga zwei RB Leipzig in der Alten Försterei empfängt (13.30 Uhr), wird die Kulisse schwarz verkleidet sein. Gegen den vom österreichischen Brausehersteller Red Bull aus Marketinggründen erschaffenen und alimentierten Klub aus Sachsen will ein Teil der Union-Fans protestieren. Die Ultra-Gruppe „Wuhlesyndikat“ organisiert mehrere Aktionen: So werden knapp 20.000 schwarze Mülltüten als Regenponchos an die Zuschauer verteilt. Mit schwarzen Rängen wollen die Union-Anhänger gegen das „Sterben der Fankultur“ protestieren. Zudem sind Spruchbänder geplant, und darüber hinaus sollen die Zuschauer in den ersten zehn Minuten der Spielzeit schweigen. Das in vielen Teilen Fußball-Deutschlands vorhandene Unbehagen gegen RB Leipzig ist besonders bei Union groß, früher wurde deswegen schon mal ein Testspiel abgesagt. Präsident Dirk Zingler, 50, spricht über seine Haltung gegenüber dem Projekt RB Leipzig.

Berliner Morgenpost: In den Fanlagern wird RB Leipzig als Feindbild für den Fußball und die Fankultur als solche betrachtet. Warum genau? Ist das für Sie nachvollziehbar?

Dirk Zingler: Ich kann das sehr gut verstehen. Fußball ist für mich mehr als das Erzielen von Erfolg durch maximalen Kapitaleinsatz. Sich zu einem Verein zu bekennen, hat etwas mit Herkunft, gemeinsam erlebter Geschichte, auch über Generationen hinweg, zu tun. Und die Begeisterung der Menschen für Fußball in den letzten Jahrzehnten ist insbesondere durch fairen Wettbewerb entstanden. Der Kleine konnte auch mal den Großen schlagen. Dieser Wettbewerb ist durch den immer stärken Kapitaleinsatz im Fußball gefährdet. Und wenn Fußball sogar vorrangig als Marketingeinheit für eine Produktmarke benutzt wird, dann kann ich die Sorgen vieler Fußballfans gut verstehen.

Leipzig hat inzwischen mehr Zuschauer als Union beim Heimspielen. Spielt eventuell auch Neid auf den schnellen Erfolg von RB Leipzig eine Rolle?

Der schnelle Erfolg verschärft den Konflikt sicher, aber der Widerstand ist in diesem Fall deutlich tiefgründiger. Es geht um Werte wie Mitbestimmung und Teilhabe auf dem Weg meines Vereins. Ich möchte als Fan Teil dieses Weges sein. Und nicht nur Konsument.

Warum werden im Vergleich zu RB Leipzig andere Werksmannschaften wie Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg oder der FC Ingolstadt akzeptiert bzw. müssen nicht als Feindbild herhalten?

Ganz so einfach ist es nicht, denn sie stehen ja durchaus auch in der Kritik. Das Leipziger Konstrukt ist aber deutlich radikaler, und die Reihenfolge der einzelnen Schritte ist alarmierend. Erst war das Produkt da und später wurde Fußball aus vertrieblichen Gründen dazu gekauft. Und zwar ohne jeglichen territorialen Zusammenhang, wie in Leverkusen, Wolfsburg oder Ingolstadt. So scheint es zumindeste von außen. Deshalb provoziert es stärkere Reaktionen.

Profifußball ist nicht zuletzt eine Unterhaltungsindustrie. Bietet RB Leipzig den Menschen nicht genau das, was Traditionsklubs wie Lok Leipzig oder Chemie Leipzig über Jahrzehnte nicht geschafft haben: erfolgreichen und unterhaltsamen Fußball?

Es gibt für alle Produkte Anhänger und Gegner. Man freut sich in Österreich sicher über die Zuschauer, die ins Leipziger Stadion kommen und wird über die Kritiker dieses Projektes auch nicht überrascht sein.

Was kann Union tun, um Vorbehalte gegen RB Leipzig abzubauen?

Ist das unsere Aufgabe? Nein, Fußball lebt auch von Abgrenzung, von Rivalität. Es gibt zum Glück Unterschiede zwischen den Vereinen, und ich finde es gut, wenn diese immer wieder deutlich werden.

Befürchten Sie Schmähungen, Hass oder Ausschreitungen gegen RB-Fans beziehungsweise die Mannschaft während des Spiels in der Alten Försterei?

Geht es auch ein bisschen kleiner? Ich weiß, dass viele Union-Fans das Bedürfnis haben, ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen, das werden sie auch während des Spieles tun. Dass das im Fußballstadion nicht so klingt wie im Bundestag, ist auch bekannt. Die Grenzen der freien Meinungsäußerung regeln Gesetze und unsere Stadionordnung.