Zweitligist

Neuer Union-Cheftrainer Düwel – „Der Aufstieg ist erlaubt“

Norbert Düwel soll dem 1. FC Union ein anderes Gesicht geben. Und der Trainer hat klare Vorstellungen: „Taktisch variabel, sehr hohes Tempo, sehr aggressiv, sehr zielstrebig“ will er spielen lassen.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Die kommenden Tage sind bereits ausgebucht. Gespräche mit den Trainern und dem Funktionsteam will er führen, auch mit den Verantwortlichen des Nachwuchsleistungszentrums soll umgehend gesprochen werden. Und natürlich mit den Spielern, die derzeit zum Saisonabschluss auf Mallorca weilen. Zumindest mit den Führungsspielern will er reden, „es macht Sinn, mal mit dem Kapitän zu sprechen, auch um zu erfahren, wie die Mannschaft so tickt“, sagte er.

Er heißt Norbert Düwel, ist 46 Jahre alt – und seit Dienstag neuer Cheftrainer des 1. FC Union. Der Diplom-Sportlehrer soll das Gesicht des mentalen und emotionalen Neustarts werden, den der Berliner Fußball-Zweitligist nach sieben Jahren Uwe Neuhaus hinlegen will. Norbert Düwel, kein Mann, den man bei der Suche nach einem Trainer automatisch auf dem Zettel hat. Der allerdings auch weit entfernt liegt von einem unbeschriebenen Blatt in der Fußballszene.

Es ist nachvollziehbar, wenn Unions Klubchef Dirk Zingler den neuen leitenden Angestellten als „vielleicht nicht großen Namen, aber für uns ein großer Wurf“ tituliert und von einem „hervorragend ausgebildeten Fußballlehrer“ spricht. Düwel, im bayrischen Altötting geboren, kann eine Vita vorweisen wie kein Union-Trainer zuvor. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er als Dozent für Fußball und Fitness/Rehabilitation an der Technischen Universität München.

Dazu kommen Hospitationen bei Bayern München, Schalke 04, Ajax Amsterdam, dem FC Basel, Inter Mailand und Manchester United. Dort, in Old Trafford, arbeitete Düwel von 2007 bis 2010 unter Sir Alex Ferguson als Scout und Gegnerbeobachter in der Champions League, ehe ihn Mirko Slomka als Co-Trainer zu Hannover 96 holte. Zwei Trainerjahre bei der deutschen Studentinnen-Auswahl sowie zwei Bücher über Frauenfußball und Training für Kinder unterstreichen nur zu gut die Bandbreite, mit der Unions neuer Übungsleiter mit des Deutschen liebstem Sport zu tun hatte.

Vertrag läuft zunächst bis 2017

Er macht etwas her, der Neue an der Alten Försterei. Schwarzer Anzug, darunter ein hellblaues Hemd mit offenem Kragen, braune Schuhe – Düwel zeigt, dass er bereits ein bisschen herumgekommen ist in der Fußball-Welt. Von Überheblichkeit ist aber nichts zu sehen. Das macht ihn sympathisch.

Er selbst spricht von sich als einem „no name“, von jemandem, der noch keinen Namen hat in der Profibranche. Davon, wie glücklich er ist, dass er „in diesem außergewöhnlichen Verein mit diesem außergewöhnlichen Umfeld“ eine Chance bekommt, sich erstmals als Cheftrainer Meriten verdienen zu können. Düwel, der mit einem Vertrag bis 2017 ausgestattet wurde, wird nun in den nächsten Wochen und Monaten belegen müssen, dass Union richtig gewählt hat. Zugleich wird ihm daran gelegen sein, nicht gleich bei seiner ersten Trainermission zu scheitern. Chance und Risiko auf beiden Seiten also.

„Ich bin ein sehr kommunikativer Trainer, habe dadurch auch einen sehr guten Draht zu den Spielern“, erklärte Düwel. Und er hat eine „ganz klare Vorstellung von Fußball: Es ist eine sehr moderne. Taktisch variabel, sehr hohes Tempo, sehr aggressiv, sehr zielstrebig. Eine Mischung von den Dingen, die mich geprägt haben“, erklärte er und outet sich als „Fan des englischen Fußballs“. Andererseits „bin ich Deutscher, mit allen deutschen Tugenden: fleißig, gewissenhaft, arbeitsam. Ich glaube, das ist keine schlechte Kombination“.

Ein Konzept, das Klubchef Zingler und die Trainerfindungskommission des Klubs schnell überzeugt hat. Insgesamt 42 Bewerber habe es gegeben, nachdem der Klub am 26. April die Trennung von Rekordtrainer Neuhaus verkündet hatte.

Team soll verjüngt werden

Später, nach der offiziellen Vorstellung des neuen Coaches in der Eisern Lounge, dem Vip-Bereich der Haupttribüne, verriet Zingler, dass die Entscheidung zugunsten Düwels schnell gefallen sei. „Seine Bewerbung hat von Anfang an herausgestochen“, sagte Zingler. Zweimal habe man sich getroffen. Der entscheidende Anruf kam schließlich am 8. Mai, drei Tage vor dem letzten Saisonspiel gegen 1860 München. Geholfen hat dabei sicherlich, dass er sich schon seit Monaten mit den Köpenickern beschäftigt hat. Diverse Spiele hatte Düwel live im Stadion verfolgt, zuletzt das bittere 1:2 beim FC St. Pauli.

Dennoch spricht er von einer „sehr guten Mannschaft“ und von der guten Arbeit, die sein Vorgänger geleistet habe. Doch schon mit dem nächsten Satz gibt er zu verstehen: „Die Mannschaft ist auch die älteste der Liga. Eine Aufgabe wird sein, sie zu verjüngen.“ Spieler wie Kapitän Torsten Mattuschka, Benjamin Köhler oder auch Mario Eggimann, der Düwel noch aus seiner Bundesliga-Zeit bei Hannover 96 kennt, werden mit ihren jeweils 33 Jahren genau hingehört haben.

Die ersten Entscheidungen sind unter dem neuen Cheftrainer jedenfalls schon gefallen. So startet Union am 25. Juni ins Training, auch ein Trainingslager in Österreich wird es geben. Düwels Machtbefugnisse innerhalb des Klubs werden denen von Neuhaus ähneln, da Union auch in Zukunft ohne einen im deutschen Profifußball üblichen Sportdirektor arbeiten wird. „Es ist eine einzigartige Konstellation. In Deutschland gibt es die sonst nicht mehr. Das ist natürlich eine Riesenverantwortung, aber auch eine Riesenchance. Mit kommt das sehr entgegen. Ich kenne das ja aus England, dort ist das gang und gäbe.“

Das klare Ziel Bundesliga gibt es übrigens nicht. „Ich habe nicht den Auftrag bekommen, aufzusteigen“, sagte Düwel, dessen Familie zunächst in Hannover wohnen bleibt. Prompt fiel ihm Klubchef Zingler ins Wort: „Der Aufstieg ist natürlich ausdrücklich erlaubt.“