Eine letzte Überraschung hob sich Union auch noch für die Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des neuen Trainers auf. Während alle Fotografen und Fernsehteams ihre Objektive auf den gläsernen Fahrstuhl im Zentrum der neuen Haupttribüne richteten, kam Präsident Dirk Zingler mit dem neuen Trainer Norbert Düwel, 46, von hinten aus dem Fahrstuhl des Wirtschaftstrakts.
Mit Norbert Düwel, der einen Dreijahresvertrag bei den Köpenickern bekommt, hat Union überraschend einen No-Name für den Cheftrainerposten verpflichtet. Allerdings einen mit ausgesprochener Fußballkompetenz. Der Diplom-Sportlehrer war nach seiner Zeit an der Technischen Universität München drei Jahre Scout bei Manchester United und zuletzt dreieinhalb Jahre lang Co-Trainer bei Hannover 96 unter Mirko Slomka.
„Er hat uns mit seinen klaren Vorstellungen vom Fußball und auch menschlich überzeugt“, kommentierte Präsident Dirk Zingler. Für Düwel ist das der erste Cheftrainerposten. „Der logische nächste Schritt war eine Cheftrainertätigkeit. Ich bin froh, in diesem wirklich außergewöhnlichen Verein zu arbeiten und gemeinsam den maximal möglichen Erfolg zu erreichen“, sagte er.
„Wer redet, der fliegt“
Union hatte aus der Personalie, an der seit der feststehenden Entlassung von Rekordtrainer Uwe Neuhaus im Hintergrund gearbeitet wurde, gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Die Trainerfindungskommission, deren Besetzung weiterhin geheim ist, hatte nur eine Regel: „Wer redet, der fliegt.“ So flapsig formulierte Zingler das Prinzip der Trainerfindung gut gelaunt auf der Pressekonferenz. Insgesamt 42 Bewerbungen gingen bei Union ein. Laut Zinglr stach aber Düwel von Beginn an heraus.
Nur das Anforderungsprofil des neuen Coaches wurde publik. Er sollte Erst- oder Zweitliga-Erfahrung mitbringen und zudem bewiesen haben, aus vorhandenen Mitteln das Maximale zu erreichen. Letztlich, und das betonte Präsident Dirk Zingler von Beginn an, sollte er den von Union ausgerufenen „emotionalen Neustart“ im Verein verkörpern. Die Ausstrahlung des Trainers war ein entscheidendes Kriterium. All das bringt der Neue mit.
„Wir sehen in Herrn Düwel einen sehr gut ausgebildeten Fußballlehrer. Wer mich kennt, der weiß, dass ich auf hochqualifizierte Mitarbeiter stehe. Deshalb ist das für mich die logische Fortsetzung der Karriere von Norbert Düwel“, sagte Dirk Zingler.
Zwei Mal trafen sich Düwel und die Trainerfindungskommission. „Nach dem zweiten Gespräch hatte ich eine sehr, sehr gutes Gefühl. Da sind sehr entscheidende Fragen, auch konzeptioneller Art gestellt worden. Mein Konzept hat den Verein überzeugt. Ich persönlich musste nicht überzeugt werden“, sagte der neue Union-Coach. Der entscheidende Anruf von Dirk Zingler kam am Donnerstag vor dem letzten Unionspiel gegen 1860 München.
„Ich habe nicht den Auftrag, aufzusteigen“
Düwel, dessen Familie vorerst in Hannover wohnen bleibt, zieht nach Berlin. „Ich werde mich hier voll auf meine Aufgabe konzentrieren“, sagte der Trainer, der noch am Tag seiner Vorstellung erste Gespräche mit dem Funktionsteam führen wird. Der offizielle Trainingsbeginn wird der 25. Juni sein. Auch ein Sommertrainingslager in Österreich ist geplant.
Ein konkretes Ziel wurde ihm vom Verein nicht gesetzt. Darin bleibt sich Union auch mit dem neuen Trainer treu. „Ich habe nicht den Auftrag, aufzusteigen. Aber ich habe den Wunsch nach dem maximalen Erfolg in mir. Und der maximale Erfolg ist natürlich der Aufstieg“, sagte Düwel. Das war der Moment, in dem Dirk Zingler kurz eingriff und lachend sagte: „Der Aufstieg ist natürlich ausdrücklich erlaubt.“





