Stimmungstief

1. FC Union verliert den Glauben an den Aufstieg

Trainer Uwe Neuhaus bekämpft nach dem Remis gegen Paderborn die trübe Atmosphäre in der Mannschaft. Denn sie muss schon am Dienstag in Sandhausen bei einem gefährlichen Gegner antreten.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Am Sonnabendvormittag begann der Umbau beim 1. FC Union, radikal wurde er nach dem 1:1 tags zuvor gegen den SC Paderborn angegangen, großflächig auch. Allerdings musste sich nicht etwa Trainer Uwe Neuhaus nach dem vierten Spiel in Serie ohne Sieg in besonderer Weise rechtfertigen. Bagger rollten an, um den riesigen Parkplatz vor der Haupttribüne als solchen fachgerecht herzurichten.

Mit der Mannschaft des Berliner Zweitligisten war derart Grundlegendes seit dem Vorabend nicht passiert. Nach dem Auslaufen verließen die Fußballprofis das Stadion mit der gleichen trüben Stimmung wie nach dem Spiel, den meisten fiel es schwer, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Einer nach dem anderen verschwand mit dem Hinweis darauf, dass er nichts zu sagen habe, in seinem Auto. „Die Enttäuschung ist noch immer relativ stark“, erzählte Trainer Uwe Neuhaus. Er immerhin hatte schon wieder ein Lächeln auf den Lippen, vorangehend als gutes Beispiel für die Verarbeitung von schweren Momenten.

Sorgenfrei ist natürlich auch Neuhaus nicht. Sein Team präsentierte sich nicht schlecht gegen den Tabellendritten aus Paderborn, doch der erneut verpasste dreifache Punktgewinn versetzt den Ambitionen des Sechsten bezüglich eines Aufstiegs in die Bundesliga einen herben Dämpfer. Erst in der Schlussminute fiel der Ausgleich. „Da fehlen einem manchmal schon die Worte, das war eine gefühlte Niederlage“, sagte Mittelfeldspieler Benjamin Köhler. Zumal die Köpenicker die Chance hatten, das Spiel vorher zu entscheiden. „Wir haben zwei Punkte verschenkt“, so der Trainer. Das ist zuletzt häufiger passiert.

Bei den Torchancen ist Union zu zaghaft

Union, so sieht es aus, hat das Siegen verlernt. Weshalb die negativen Gefühle nach dem Unentschieden bei vielen Profis so stark wurden, dass der Glaube an den möglichen Aufstieg wohl verloren gegangen scheint. Auf fehlendes Glück will sich der Trainer dabei nicht berufen. „Dazu sind wir selbstkritisch genug“, sagte er und mahnte an, bei Torchancen konzentrierter, energischer, zielstrebiger und konsequenter zu sein.

Die Frage, die sich dabei ergibt: Inwieweit ist das Team dazu in der Lage? „Wir haben in jedem Spiel alles investiert, was wir drin hatten, das muss man der Mannschaft bescheinigen“, so Neuhaus. Viel Raum zur Verbesserung bleibt demnach kaum, zumal der Coach auch mental keine Defizite erkannte: „Ich kann in den vergangenen Spielen nicht feststellen, dass wir kein Selbstvertrauen gehabt haben. Die Art und Weise der Mannschaft war überzeugend, wir haben keinen Grund, verunsichert zu sein.“

Spuren der Enttäuschung

Die ausbleibenden Erfolgserlebnisse ergeben aber dennoch eine Atmosphäre an der Alten Försterei, die von Niedergeschlagenheit geprägt ist, davon, etwas verpasst zu haben. Jedes Mal im Aufstiegsrennen angreifen zu wollen und ständig einen Rückschlag zu erleiden, hinterlässt irgendwann Spuren. Das scheint nun der Fall zu sein, obwohl der Trainer es noch nicht glauben mag. Zu tiefe Enttäuschung wäre gerade jetzt auch kein guter Begleiter. „Wir haben eine englische Woche und müssen versuchen, den Kopf freizukriegen“, sagte Offensivmann Sören Brandy. Dienstag tritt Union beim SV Sandhausen an, der hat eine bessere Heimbilanz als die Berliner und könnten in der Tabelle sogar an ihnen vorbeiziehen. Es wird also schwer.

Deshalb erwartet Neuhaus seine Spieler am Sonntag mit einem anderen Gesichtsausdruck bei der Arbeit. „Alle müssen positiv denken, sonst kann man nicht vernünftig trainieren. Das ist wichtig, um die Folgen von so einem Spiel zu verarbeiten“, sagt der Trainer, der jetzt als Stimmungsaufheller gefordert ist.