Sören Brandy hat Recht behalten. Bislang zumindest. Er sei nicht der klassische Neuner, der pro Saison 15 Tore garantiert, hatte der Profi des 1. FC Union bei seinem Antritt beim Berliner Fußball-Zweitligisten zu verstehen gegeben. Vermutlich wollte er die Erwartungen an ihn nicht allzu groß werden lassen. Neun Monate später ist festzuhalten: Wenn es derzeit einen Spieler bei den Köpenickern gibt, der einen Sieg an diesem Freitag gegen Paderborn (18.30 Uhr, Alte Försterei) und damit ein Heranrutschen an die Aufstiegsplätze möglich machen kann, dann Sören Brandy. Der 28-jährige Offensivmann war es, der Union mit seinen Aktionen weiter vom Sprung in die Bundesliga schon in diesem Sommer träumen lässt.

„Meine Person ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Wer gefährlich ist und die Tore schießt, ist egal“, sagt Brandy nur. Das spricht für ihn, dennoch sind es seine Schlitzohrigkeit und sein Torinstinkt gewesen, die Union zuletzt vor zwei schmerzlichen Niederlagen bewahrt haben, die wohl das Aus aller Erstligaträume bedeutet hätten. Sein clever herausgeholter Strafstoß in der Nachspielzeit ermöglichte es Kapitän Torsten Mattuschka, die drohende Heimniederlage gegen Ingolstadt (1:1) noch abzuwenden. Und sein Kopfballtreffer gegen Fürth (1:1) beendete Unions viel zu lang andauernde Torflaute bei den Franken.

In welcher Art er an einem Tor gegen seinen Ex-Klub Paderborn beteiligt sein möchte, „ist mir ganz egal. Wichtig ist, dass wir endlich mal wieder drei Punkte einfahren. Damit wir noch mal einen Schwung für die nächsten Wochen bekommen, um noch um irgendetwas mitspielen zu können“, erklärt Brandy, der rechtzeitig vor dem Saisonendspurt wieder in Schwung gekommen ist.

Hänger im Winter

Noch nach der Winterpause blieb ihm nur ein Platz auf der Bank. „Er hat nach einer sensationellen Anfangsphase in der Saison einen kleinen Hänger gehabt. Jetzt hat er sich wieder gefangen, und ich hoffe, dass er das bis zum Ende der Saison durchziehen kann. Das würde uns sehr helfen“, sagt Trainer Uwe Neuhaus: „Er ist ein guter Spieler, das hat er nicht zuletzt in Fürth bewiesen.“

Zumal die Abteilung Attacke der Köpenicker seit Wochen nur bedingt Torgefahr ausstrahlt. Lediglich Simon Terodde (fünf Saisontore) hat nach der Winterpause einmal getroffen, beim 1:2 auf St. Pauli. Adam Nemec (5) ist noch ohne Treffer in 2014. „Wichtig ist, dass wir uns Chancen erarbeiten und die dann auch konsequent reinmachen“, sagt Brandy, der mit seinem Instinkt für die Situation die fehlende Durchsetzungskraft der Stürmer auffängt. „So ist meine Spielweise. Ich versuche, zu hundert Prozent reinzugehen, auch dorthin, wo es wehtut“, erklärt Brandy. „Unangenehme Zweikämpfe auch in Tornähe“ sind sein Ding. Das kommt an, beim Trainer und bei den Fans.

Gute Arbeit in Paderborn überrascht Brandy nicht

Seine Qualitäten werden erst recht gegen Paderborn gefragt sein. „Da erwartet uns eine der Überraschungsmannschaften, ein unangenehmer Gegner“, sagt Brandy. Dass dort seit Jahren gut gearbeitet wird, „ist für mich nicht so überraschend, ich komme ja aus der Region. Aber dass sie auf Platz drei stehen, ist schon eine Hausnummer.“

Trotzdem sollte die Negativserie beendet werden. „Wenn du verlierst, hast du sieben Punkte Rückstand auf Paderborn, und dann sind noch fünf andere Mannschaften im Geschäft. Und dass man nach drei Spielen ohne Sieg irgendwann unter Zugzwang gerät, ist doch klar.“ Demzufolge hätte Brandy nichts dagegen, seinen bislang elf direkten Torbeteiligungen (sieben Treffer, vier Vorlagen) weitere hinzuzufügen. Selbst, wenn es dann am Ende doch mehr als 15 sind.