Zweite Liga

Trainer Neuhaus nimmt Unions Reservisten in die Pflicht

Trotz so vieler gleichwertiger Spieler wie noch nie im Kader hat sich bei Union eine klare Stammformation herausgebildet. Die Profis aus der zweiten Reihe haben es schwer. Ein Appell soll dies ändern.

Foto: Frank Rumpenhorst / pa/dpa

Ob Baris Özbek nach seinem Muskelfaserriss wieder fit genug ist, um ein Kandidat für die Startelf des 1. FC Union beim Spiel am Sonntag beim FC Ingolstadt (13.30 Uhr, Sky) zu sein, wurde Uwe Neuhaus gefragt. Der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten antwortete kurz und knapp: „Er steht wieder im Kader, das muss als Antwort reichen.“

Daraus lässt sich zweierlei ableiten. Entweder, der Mittelfeldspieler ist noch nicht wieder bei hundert Prozent seines Leistungsvermögens angelangt. Oder der Trainer zögert, die zuletzt so erfolgreiche Formation umzubauen. Dabei sollte dies doch problemlos möglich sein, ist es doch Neuhaus, der seit Wochen gebetsmühlenartig erklärt, es gebe bei Union keine A- und B-Elf. Und war es nicht Özbek, mit dem das System mit zwei defensiven Mittelfeldspielern so erfolgreich eingeführt wurde?

Tatsächlich ist die Qualität im gesamten Kader so hoch wie nie zuvor. Und doch wird es für jene Profis, die zuletzt in der zweiten Reihe standen, immer schwerer, in die Phalanx der Stammkräfte einzubrechen. Das gilt für Spieler wie Martin Dausch, Christopher Quiring, Roberto Puncec oder auch Simon Terodde. Gerade weil solche Spieler offenbar nicht in der Lage sind, sich so eindeutig zu empfehlen, dass der Trainer sich für sie entscheidet.

Fünf Partien in drei Wochen

Das scheint auch Neuhaus zu spüren. Und um erst gar keine Niedergeschlagenheit bei den Reservisten aufkommen zu lassen, geht er in die Offensive und appelliert an seine Spieler. „Wir haben mit dem Pokalspiel jetzt fünf Partien in drei Wochen. Da wird sich bewahrheiten, dass jeder Spieler gebraucht wird“, sagte Neuhaus also. Es klang wie eine Aufforderung zum Kampf.

Und weil der Coach gerade so in seinem Element war, legte er auch gleich nach: „Das ist eine ganz wichtige Phase. Da kann es schon mal sein, dass der eine oder andere Spieler aufgrund der Belastung eine Pause braucht oder auch wegen einer Gelbsperre ausfällt.“ Es käme nun darauf an, auf seine Chance zu warten, „auch wenn das vielleicht manchmal schwierig ist“, so Neuhaus. Doch dies mache auch die Qualität einer Mannschaft aus.

Kohlmann ist das Paradebeispiel

Und Neuhaus wäre nicht Neuhaus, wenn er nicht auch sogleich ein Paradebeispiel hätte. Patrick Kohlmann, in den Jahren zuvor stets Stammspieler auf der linken Abwehrseite, sah sich zu Saisonbeginn mit dem Fakt konfrontiert, zunächst auf der Bank Platz nehmen zu müssen. Nach Özebks Ausfall und Michael Parensens Einsatz im defensiven Mittelfeld stand Kohlmann jedoch bereit für die Rückkehr auf seinen angestammten Platz.

Und schenkt man den Worten des Trainers Glauben, hat er in den drei zurückliegenden Partien auch überzeugt. „Er hat richtig gute Leistungen gezeigt“, sagte Neuhaus, „von daher ist es sehr schwer, ihn wieder rauszunehmen.“

Gut möglich, dass sich Özbek zunächst wieder hinten anstellen muss. Der kluge Trainer Neuhaus baut jedenfalls schon einmal vor: „Ich weiß nicht, ob Özbek schon über 90 Minuten spielen kann.“