Zweite Liga

Nach dem Spiel gegen Duisburg flossen bei Union Tränen

Der 1. FC Union besiegte den MSV Duisburg durch Tore von Quiring und Mattuschka mit 2:1 und verabschiedete beim letzten Heimspiel der Saison sechs Spieler. Es gab Momente der Rührung.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Natürlich gab es Tränen. Bei Christoph Menz zum Beispiel. Als der 23-Jährige aufgerufen wurde und sich in Richtung Mittelkreis des Spielfeldes im Stadion An der Alten Försterei begab, sah man ihn mit dem Ärmel die Spuren seiner Ergriffenheit wegwischen.

19.556 Zuschauer feierten den gebürtigen Magdeburger, der im Alter von zehn Jahren zu den Köpenickern gekommen war. Auch das langgezogene „Zoundiiiiiiii“ durfte nicht fehlen, als Patrick Zoundi sich den Blumenstrauß und das Bild abholte, das jeder der am Sonntagnachmittag verabschiedeten Spieler von Präsident Dirk Zingler überreicht bekam.

Einem Noch-Unioner hatten die Fans des 1. FC Union sogar ein eigenes Lied gewidmet. „Daniel, Daniel Göhlert“ skandierten sie zur Melodie des Hits der Disco-Veteranen Ottawan. Die Familie des 32-Jährigen durfte bei der Verabschiedung mit auf den Rasen und ließ vor der Partie gegen den MSV Duisburg (2:1) Dutzende von roten und weißen Luftballons gen Himmel steigen.

Nach der Partie, in der der Defensivmann in den Schlussminuten mithalf, den Sieg im letzten Heimspiel der Saison zu sichern, gab er sogar den Vortänzer, stimmte sowohl für seine Teamkollegen als auch für die Fans auf den Rängen La Ola an. „Wenn die Mannschaft einen vorschickt, muss man sich eben etwas einfallen lassen“, sagte Göhlert hinterher. Die Rührung war dem Aufstiegshelden von 2009 anzusehen.

Fans wurden versöhnt

„Der Rahmen war sensationell. Wie wir nach vorn gepeitscht und die Spieler verabschiedet wurden, war unglaublich“, bedankte sich Uwe Neuhaus bei den Zuschauern. Der Trainer wusste nur zu genau, dass jene Getreuen, vor allem jene, die Union auch auswärts immer wieder unterstützen, in den vergangenen Wochen nicht gerade verwöhnt worden sind. Das sollte auch am Sonntag über weite Strecken der Fall sein. MSV-Trainer Kosta Runjaic hatte seine eigene Version von den 90 Minuten. „Die sollen mal 20 frisch gezapfte Bier klar machen. Schließlich haben wir denen den Sieg geschenkt“, raunzte der gebürtige Wiener mit jugoslawischen Wurzeln.

Dass die Duisburger über die gesamte Spielzeit die bessere Mannschaft gewesen wären, ist nun sicherlich ein wenig übertrieben. Zu Runjaics Verteidigung sei gesagt, dass die Emotionen nach erfolgreichem Klassenerhalt schon einmal etwas höher schlagen können. Dennoch ist auch Fakt: Der MSV war in der ersten Halbzeit tonangebend. „Da konnte man sehen, wie die vergangenen Wochen bei uns gelaufen sind“, war Union-Coach Neuhaus nicht begeistert vom Auftreten seines Teams: „Wir mussten sehr viel investieren, um nicht in Rückstand zu geraten.“ Kevin Wolze schoss schon nach drei Minuten nur aufs Tornetz, Sören Brandy scheitert mit einem Seitfallzieher nach 20 Minuten. Union hatte dem eine Doppelchance durch Björn Jopek und Torsten Mattuschka entgegenzusetzen (41.).

Nach der Pause ersetzte Steven Skrzybski Simon Terodde im Angriff. Unions Angriffsbemühungen sollten dadurch mehr Schwung bekommen. Die Führung gelang dennoch den Gästen durch Wolze (48.). „Danach mussten wir größeres Risiko gehen“, sagte Neuhaus. Es war Christopher Quiring, der die Wende brachte. Nach einer Flanke von Patrick Kohlmann und einer Kopfballverlängerung von Michael Parensen war Quiring mit dem Kopf zur Stelle (59.). „Mein zweites Kopfballtor, das erste habe ich gegen Hertha BSC erzielt“, freute sich der mit 1,72 Metern nicht gerade als Kopfballungeheuer verschrieene Berliner. Und er wusste: „Wenn wir den Ausgleich schaffen, dann geht noch mehr.“

Es ging noch mehr, weil Quiring im Strafraum zu Boden gerissen wurde und Kapitän Mattuschka sich erneut als nervenstark vom Elfmeterpunkt erwies. Vom Schützen aus gesehen schlug der Ball unten rechts ein. MSV-Torwart Felix Wiedwald war zwar in der richtigen Ecke, jedoch ohne Abwehrchance (80.). Nur gut, dass Duisburgs Jürgen Gjasula sechs Minuten zuvor aus zehn Metern das Spielgerät Union-Schlussmann Daniel Haas direkt in die Arme schoss.

Daniel Göhlert sprach später von einem „tollen Abschluss“. Es lief die 88. Minute, als Unions Nummer 15 zum letzten Mal den Rasen an der Alten Försterei betrat. Kurz vor Schluss durfte er sich nach einer Ecke sogar mit einem Torschuss per Direktabnahme versuchen, die jedoch weit vorbeiging. Der Stimmung beim Feiern direkt nach dem Schlusspfiff sowie bei der anschließenden Autogrammstunde tat dies allerdings keinen Abbruch.