Zweite Liga

Ohne Chance – Union verliert in Aalen 0:3

Bitterer Dämpfer: Union Berlin hat das Auswärtsspiel beim VfR Aalen deutlich verloren. Bereits in der zweiten Minute gerieten die Köpenicker in Rückstand, von dem sie sich nicht mehr erholten.

Foto: Stefan Puchner / dpa

Schiedsrichter Markus Wingenbach aus Mainz hatte keine Lust auf Nachspielzeit und pfiff nach exakt 90 Minuten ab. Vielleicht wollte er die Mannschaft des 1. FC Union auch nur vor noch mehr Unheil bewahren.

An der Blamage änderte dies jedoch nichts. Mit 0:3 (0:2) unterlag das Team von Trainer Uwe Neuhaus am Freitag beim Aufsteiger. Vor allem die Art und Weise, wie sich die Berliner in ihr Schicksal ergaben, war ernüchternd.

„Ich bin maßlos enttäuscht. Ich bin entsetzt, mit wie wenig Leidenschaft man ins Spiel gehen kann. Ich habe mich immer schützend vor meine Mannschaft gestellt. Das kann ich nicht mehr machen. Darüber müssen wir reden“, sagte Union-Coach Neuhaus zur Vorstellung der Seinen.

Tatsächlich konnten die Köpenicker Kicker zu keinem Zeitpunkt deutlich machen, dass sie die Zweitliga-Saison nicht doch schon abgehakt hätten, wo doch nach oben nichts mehr geht und nach unten keine Gefahr droht.

Ganz anders die Aalener, die von der Hiobsbotschaft kurz vor dem Spiel sichtlich unbeeindruckt blieben. Die Schwaben bangen um die Lizenz für die kommende Saison. So muss der VfR bis zum 23. Mai eine Bürgschaft in Höhe von sechs Millionen Euro nachweisen. Bekomme man das Geld nicht zusammen, werde Aalen wieder in der Oberliga spielen, sagte Präsident Berndt-Ulrich Scholz.

Zudem muss der Verein nachweisen, dass er den Ausbau des Stadions von einer Kapazität von derzeit 13.251 auf mindestens 15.000 Plätze bis Saisonbeginn bewerkstelligen kann. Nachdem der Verein vor fünf Wochen seinen Trikotsponsor verloren hatte, übernahm Scholz schon eine Bürgschaft in Höhe von drei Millionen Euro: „Das war das, was ich gerade noch verkraften kann.“

Mangelhafte Zuordnung

Schon nach 106 Sekunden nahm das Desaster für Union seinen Lauf. Freistoß von Martin Dausch, der nächste Saison für die Berliner auflaufen wird, Kopfball von Tim Kister, 0:1 (2.). Gleich in der ersten Situation wurden die Gäste für ihre mangelhafte Zuordnung bestraft.

Dabei hatte Trainer Neuhaus versucht, mit Daniel Göhlert im defensiven Mittelfeld als Ersatz für den Gelb-gesperrten Michael Parensen sowie Steven Skrzybski im Angriff für Simon Terodde neue Impulse zu setzen. Terodde saß zunächst nur auf der Bank und wurde zur zweiten Halbzeit für Kapitän Torsten Mattuschka eingewechselt. Christoph Menz, der vor einer Woche gegen Dresden (0:0) noch auf der Sechser-Position gespielt hatte, stand überraschend erst gar nicht im Kader.

Wie harmlos die Berliner agierten, zeigte sich beim 0:2. Völlig unbedrängt durfte der Japaner Takuma Abe zu einem Schlenzer ansetzen (35.). Und beim 0:3 durch Robert Lechleitner lief Fabian Schönheim nur als Begleitschutz nebenher (72.). Der Aalener Stürmer hatte davor schon drei gute Möglichkeiten ausgelassen. Unions einzige – nennen wir es optimistisch – Torchance hatte Verteidiger Marc Pfertzel bei einem Fernschuss nach 28 Minuten. Zu wenig, um das vierte Spiel in Folge ohne Sieg verhindern zu können.