Zerknirscht stapften die Profis des 1. FC Union am Tag nach der heftigen Niederlage beim FSV Frankfurt durch den festen Schnee im Köpenicker Forst. Statt den Traum von der Bundesliga weiterzuleben, hatte das Auslaufen nach dem Spiel etwas von einer Frustbewältigung. „Es geht so. Nicht viel besser als nach der Partie. Wir sind einfach extrem enttäuscht“, schilderte Mittelfeldspieler Michael Parensen seine Stimmung. Ebenso wie die Außentemperatur kam sie kaum über die frostigen null Grad hinaus.

Sein Trainer brauchte nur wenig Worte, um den seltsam leblosen Auftritt beim 0:3 vor lediglich 4842 Zuschauern in Frankfurt auf den Punkt zu bringen: „Mit den ersten drei Angriffen der Frankfurter haben wir drei Tore bekommen, weil wir nicht gut verteidigt haben. Da muss ich nichts beschönigen. Das haben wir absolut schlecht gemacht.“ Früh lag Union durch Tore von Zafer Yelen (10.) und Michael Görlitz (19.) hinten. Bevor an eine Aufholjagd zu denken war, machte wieder Yelen mit dem dritten Treffer (49.) alles klar.

Zusätzlich fehlt Union nun Torsten Mattuschka, der zur Halbzeit mit einem Hexenschuss ausgewechselt werden musste. Der Kapitän liegt zu Hause flach auf der Couch, an Training ist nicht zu denken. Eine erste Diagnose wird heute erwartet. „Ich hoffe, dass es schnell wieder geht“, sagt Mattuschka. Doch für allzu große Hoffnung ist wenig Platz. Sein Auto musste der Union-Regisseur jedenfalls auf dem Vereinsgelände stehen lassen. Wegen zu starker Schmerzen konnte er sich nicht selbst hinter das Steuer zu setzen.

Was bleibt, ist Ratlosigkeit

Was Union bleibt, ist die Ratlosigkeit über das ständige Auf und Ab zwischen guten Heimspielen und schlechten Auftritten in der Fremde. Es ist beinahe ein Ritual. Vor jedem Auswärtsspiel nimmt sich das Team vor, endlich wieder in der Fremde zu punkten. Danach bleiben allzu oft Enttäuschung und keine Zähler. Verteidiger Patrick Kohlmann, der beim FSV zur Pause die Kapitänsbinde von Mattuschka übernahm, erklärt deshalb die Bundesliga-Träume bei Union für beendet: „Wenn man 3:0 verloren hat, braucht man nicht mehr von Platz drei sprechen. Wenn wir so spielen wie gegen Frankfurt, werden wir nicht mal Siebter.“ Das jedoch ist das Minimalziel der Köpenicker für diese Saison, in der so viel möglich schien, sogar der Relegationsrang war in Reichweite – und damit der Traum von der Bundesliga.

Nach der dritten Auswärtsniederlage in Folge ist Ernüchterung eingekehrt beim 1. FC Union. „Wir sind in den Regionen, wo wir hingehören: Im vorderen Mittelfeld“, sagt der sichtlich zerknirschte Michael Parensen. Für den Nachmittag des Ostermontags hat er sich vorgenommen, noch einmal das Spiel auf Video anzusehen. Aber auch ohne einen erneuten Blick auf die Partie analysiert er die Fehler: „Wenn man 3:0 verliert, dann ist es kollektives Versagen. Nicht nur die Abwehr, die gesamte Mannschaft hatte keine Kompaktheit. Der Gegner hat sich mit Yelen und Yannick Stark doch über die großen Räume gefreut und kombiniert. Wir als Team haben es nicht geschafft, die Räume eng zu machen.“

Nur vier Teams sind schlechter

Damit spricht Parensen ein Grundproblem von Union an. Die vielen Gegentreffer – 40 kassierten die Köpenicker bis jetzt. Nur vier Teams in der Zweiten Liga sind schlechter. „40 Gegentore sind zu viel für anderweitige Ansprüche. Das ist ein bisschen unserer offensiven Spielweise geschuldet. Aber oft machen wir es dem Gegner zu einfach, Tore zu schießen. Vielleicht sind wir nicht wach genug. Vielleicht haben wir die Hoffnung, es würde schon nichts passieren. Das müssen wir abstellen. Für unser Saisonziel müssen wir definitiv auswärts Punkte holen.“

Das Vorhaben kann Union gleich am nächsten Spieltag in die Tat umsetzen. Am Sonntag müssen die Köpenicker beim SC Paderborn erneut bei einem Gegner auftreten, bei dem es für sie bis jetzt noch nie einen Sieg gab. Michael Parensen wuchs in der Nähe von Paderborn auf, spielte auch dort. Deshalb huscht ein Lächeln in sein ansonsten ernstes Gesicht, als er gefragt wird, ob er sich bei der bekannten Auswärtsschwäche überhaupt in seine Heimat traue: „Nach Hause traue ich mich immer. Ich habe fünf Karten für meine Familie bestellt.“

Mitarbeit Udo Muras