2. Liga

Union-Fans stehen in Cottbus unter besonderer Beobachtung

Nach den Krawallen von Köln wird das Ost-Derby zwischen dem 1. FC Union und Energie Cottbus am Sonnabend zum Sicherheitsgipfel. Die Polizei appelliert mit einem offenem Brief an die Fans.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Der Name des Austragungsortes lässt auf ein wahres Fußballfest hoffen. Die Emotionen im Stadion der Freundschaft dürften am Sonnabend (13 Uhr, Sky und bei der Berliner Morgenpost im Live-Ticker) jedenfalls hochkochen, wenn der 1. FC Union zu Gast bei Energie Cottbus ist. Die Zweitliga-Partie besitzt ohne Zweifel viel Brisanz, schon wegen der sportlichen Ausgangslage: Union ist Fünfter, Cottbus Sechster, beide liegen nur fünf Punkte hinter Relegationsplatz drei.

Doch nicht allein deshalb werden die Augen auf das Berlin-Brandenburg-Derby gerichtet sein. Die Partie in der Lausitz ist ein Sicherheitsspiel, das Verhalten der beiden Fangruppen deshalb von großer Bedeutung. Rund 4500 Union-Anhänger werden sich am Sonnabend auf den Weg nach Cottbus machen. Das Gästekontingent von 3000 Tickets war schnell vergriffen, so dass sich Berliner Fans online auch mit Karten für die angrenzenden Blöcke eindeckten.

Die Öffentlichkeit wird genau darauf achten, wie sich der Tross der Unioner verhalten wird. Zu präsent sind noch die Vorkommnisse von Köln. 88 Union-Fans waren vor zwei Wochen nach Ausschreitungen in Gewahrsam genommen worden, nachdem es zu Auseinandersetzungen mit Kölner Fans und der Polizei gekommen war.

Und die komplette Aufarbeitung der Vorfälle ist immer noch nicht erfolgt. Zwar ließ Präsident Dirk Zingler wissen: „Wir sind nicht dafür, die gesamte Gruppe in Haft zu nehmen. Wir werden versuchen, diejenigen herauszufiltern. Wenn wir diese Täter ermitteln, werden sie auch entsprechend bestraft.“

Doch die Ermittlung der Straftäter zieht sich in die Länge. Zum einen, weil es nach Klubangaben immer noch keine Auswertungen der Kölner Polizei gibt, auf die Union aufbauen kann. Zum anderen fehlt es innerhalb der Szene an Selbstreinigungskräften, die von Fanseite im Rahmen der Sicherheitsdebatte in den vergangenen Monaten immer wieder eingefordert wurden.

Ein deutliches Signal der beteiligten Parteien, dass man schnellstmöglich Herr des Problems werden möchte, sieht sicherlich anders aus. Das positive Image, dass gerade die Fans dem Köpenicker Klub verschafft haben, sei es durch die bedingungslose Unterstützung der Mannschaft, den Stadionbau oder die Mitfinanzierung der Haupttribüne durch Aktienkauf, ist jedoch angekratzt.


Immerhin gab es dem Vernehmen nach bereits ein Gespräch zwischen den in Köln beteiligten Anhängern und Unions Fanbeauftragten Lars Schnell. Ob dies ausgereicht hat, um in Cottbus ähnliche Szenen wie in Köln zu verhindern, bleibt abzuwarten. Stattdessen verweist man bei Union darauf, dass Vorgehensweisen, die man als selbstverständlich erachtet, nicht ständig neu kommuniziert werden müssen.

Wie die Tatsache, dass wie bei jeder Auswärtsfahrt auch in Cottbus Fanvertreter und eigene Ordnungskräfte mitreisen. Etwas, was Union im Vergleich zu anderen Klubs schon seit Jahren praktiziert. Und doch ist fehlende Transparenz im Umgang mit Fan-Ausschreitungen immer mit ein Grund für Skeptiker, an der ernsthaften Aufarbeitung des Klubs zu zweifeln.

Für die Partie in Cottbus wurde im Vorfeld einiges getan, um einen nahezu reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Es gab Treffen der Fanvertreter beider Klubs mit der Polizei. Die Bundespolizei und die Brandenburger Polizeidirektion Süd schrieb in einem offenen Brief an die Union-Fans, dass sie „ihren Teil dazu beitragen, dass An- und Abreise zum bzw. vom Stadion schnell und problemlos verläuft, wenn keine Störungen auftreten und keine strafbaren Handlungen begangen werden.“


Und: „Wir unterscheiden nicht nach Vereinszugehörigkeit, jedoch zwischen friedlichen und gewaltsuchenden bzw. gewalttätigen Fans.“ Die Union-Anhänger täten gut daran, dies als Hinweis zu betrachten und nicht als Provokation.

Der knapp zwei Kilometer lange Weg vom Cottbuser Hauptbahnhof zum Stadion wird am Sonnabend bereits ab 9 Uhr gesperrt sein, um eine reibungslose An- und Abreise des Union-Trosses, begleitet durch die Polizei, zu gewährleisten. Spielen die Fans mit, dann steht auch einem Fußballfest im Stadion der Freundschaft nichts mehr im Wege.