Fünf Tage nach dem berauschenden Derby gegen Hertha BSC wirkt die bevorstehende Aufgabe in der Zweiten Liga gegen den FC Ingolstadt – bei allem Respekt – wie ein kalter Entzug. Es ist die Rückkehr zur Normalität für die Mannschaft des 1. FC Union.
Und so warnte Trainer Uwe Neuhaus vor der Partie am Sonnabend in der Alten Försterei (13 Uhr, Sky) seine Spieler eindringlich, die Erlebnisse des Montagabends vor 75.000 Zuschauern im Olympiastadion endgültig ad acta zu legen. „Jetzt kommt wieder der Alltag auf uns zu“, sagte der Coach, „der ist viel wichtiger als die zwei Spiele in der Saison gegen Hertha.“
Wie schwer es ist, dieses Stadtduell tatsächlich zu verdrängen, zeigte Simon Terodde. Der Stürmer ärgerte sich immer noch darüber, „dass wir zwei Punkte verloren haben. Doch diese wollen wir uns nun gegen Ingolstadt zurückholen.“
Union hat den dritten Platz im Visier
Doch da ist mehr als nur der bloße Wunsch, einen weiteren Sieg vor heimischen Publikum zu landen. Mit der Partie gegen Ingolsadt beginnen für Union die Wochen der Wahrheit. Erst die Schanzer, wie die Ingolstädter genannt werden (Ingolstadt war im 16. Jahrhundert bayrische Landesfestung), dann der 1. FC Köln (23.2.) – zwei Mitkonkurrenten, die zwingend geschlagen werden müssen, will Union tatsächlich noch Relegationsplatz drei angreifen. Dies haben die Köpenicker, die vor dem Spieltag auf Rang vier liegen, jedenfalls vor.
Das Zauberwort heißt Konzentration. „Das ist für uns der wichtigste Punkt“, sagte Neuhaus. Der Trainer nennt Begriffe wie „ein hartes Stück Arbeit“, oder „den Abwehrriegel durchbrechen“, auch vom „unbequemen Gegner“ ist die Rede. Die Chance, weit über das Saisonziel hinauszuschießen und noch in dieser Saison an die Tür zur Bundesliga anzuklopfen, ist größer denn je.
Die Leistung vom Hertha-Spiel wiederholen
Die Spieler scheinen um die Bedeutung der nächsten Wochen zu wissen. Terodde fordert: „Wir müssen die Leistung vom Hertha-Spiel wiederholen.“ Kapitän Torsten Mattuschka fügte hinzu: „Jetzt kommen die Gegner, mit denen wir auf Augenhöhe liegen. Die müssen wir schlagen.“ Mit Spitzenreiter Braunschweig (3:4), dem 1. FC Kaiserslautern (2:0) und Hertha (2:2) hat Union das Spitzentrio in der Rückrunde bereits hinter sich. Und sich dabei höchst achtbar aus der Affäre gezogen.
Die Statistik ist allerdings kein guter Begleiter. Erst einen Sieg hat Union in bislang fünf Begegnungen gegen die Bayern einfahren können. „Und dazu hat es schon ein Tor des Monats gebraucht“, sagte Trainer Neuhaus. Damals, am 11. September 2011, sorgte ein famos herausgespielter Treffer des Brasilianers Silvio für einen großen Fußballmoment in der Alten Försterei. Ein solcher ist auch nun wieder sehr willkommen.
Immer mindestens zwei Tore in den vergangenen acht Spielen
Trotz aller notwendigen Vorsicht sollte jedoch nicht vergessen werden: Union strotzt in diesen Tagen nur so vor Selbstvertrauen. Aus gutem Grund, denn in den vergangenen acht Partien (davon vier Siege und drei Unentschieden) gelangen der Mannschaft immer mindestens zwei Tore. Eine derartige Torflut hat es in den Vorjahren nur selten gegeben.
„Das ist inzwischen eine Qualität, die uns auszeichnet“, sagte Terodde, mit acht Treffern bester Union-Schütze. Es sollte jedoch auch nicht vergessen werden, dass im gleichen Zeitraum nur einmal zu Null gespielt wurde. Ein Grund, warum der Abstand zu Platz drei sieben Punkte beträgt.
Parensen vor der Rückkehr
Hilfreich ist jedoch, dass keine neuen Ausfälle hinzugekommen sind. Mit Michael Parensen könnte sogar ein wichtiger Mann wieder zurückkehren. Der Mittelfeldspieler hat seine leichte Lungenentzündung überwunden. Die Frage ist lediglich, wie schnell er den Trainingsrückstand aufgeholt hat. „Parensen in der Mannschaft zu haben, gibt einem auch immer gleich ein sicheres Gefühl“, betonte Trainer Neuhaus dessen Wichtigkeit. Gebraucht wird er in jedem Fall, denn Björn Jopek muss wegen der fünften Gelben Karte pausieren.
Keine Frage, alles andere als ein Sieg gegen Ingolstadt muss fast schon als Enttäuschung für Union gewertet werden. Dann würde sich zum kalten Entzug auch noch Ernüchterung hinzugesellen.





