Sonntagmorgen in Köpenick, das Waldstück hinter dem Stadion an der Alten Försterei. Die Blätter der Bäume sind längst zu einer braunen Masse am Boden mutiert, der Himmel zeigt sein graues Gesicht, die Wege sind aufgeweicht und von Pfützen durchzogen. Eine Einladung, hier seinen Sonntagsspaziergang zu verbringen, sieht sicher anders aus.
Lediglich die Spieler des 1. FC Union bringen ob ihrer roten Trainingskleidung ab und zu Farbe ins triste Bild – auslaufen, wie immer nach einem Spiel. In den Gesichtern der Profis findet aber kaum Heiterkeit.
Das hat allerdings nur bedingt etwas mit den widrigen Verhältnissen zu tun. Auch einen Tag nach dem Spiel gegen 1860 München, jenem 2:2, das eigentlich ein Sieg sein sollte, gekrönt vom Sprung in die obere Tabellenhälfte der Zweiten Liga, sucht die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus nach einer Wertung.
„Es ist immer noch schwer, die Partie einzuordnen“, sagte Patrick Kohlmann. Zum einen ist man natürlich froh, dass es nach dem Rückstand noch zu einem Punkt gereicht hat. Dass man die kleine Serie von vier Spielen ohne Niederlage hat aufrechterhalten können. Oder wie es Kohlmann formulierte: „Wir haben in den vergangenen zehn Spielen nur einmal verloren.“
Die Eisernen treten auf der Stelle
Andererseits sagte Adam Nemec, der Stürmer, der mit seinem ersten Saisontreffer das Remis erst gesichert hat: „Viermal unentschieden zu spielen, ist gut. Aber zwei Siege und zwei Niederlagen wären besser, weil es mehr Punkte gibt.“ Nun waren es zwar erst drei Punkteteilungen in Folge für Union.
Doch an einem Fakt ändert dies nichts: Union kommt nicht von der Stelle. Seit sechs Spieltagen pendeln die Berliner zwischen Platz zehn und zwölf. „Der schwache Saisonstart mit nur einem Punkt aus fünf Spielen hängt uns immer noch nach“, sagte Kohlmann. Doch das ist nur ein Grund, warum sich Union nicht den Rängen fünf bis sieben, dem erklärten Saisonziel, nähert.
Gerade das Spiel gegen die Münchner Löwen hat wieder gezeigt, wie fragil das Union-Gebilde immer noch ist. Gleich mit dem ersten Gegentor war das bis dahin gezeigte Selbstvertrauen nahezu verschwunden, Union reagierte nur noch, statt zu agieren, hatte zu viele Fehlpässe im Spielaufbau.
Die Konsequenz: „Wir mussten sehr viel investieren, um wieder in Ballbesitz zu kommen“, analysierte Trainer Neuhaus. Dazu kommen fünf Gegentore in den vergangenen beiden Partien, insgesamt sind es nun schon 21 – mehr hat keine Mannschaft in den Top zwölf der Liga.
Das Spiel aus der Hand gegeben
Doch es gibt auch einen Lichtblick vor der englischen Woche, die für Union den Ruhpott-Doppelpack beim MSV Duisburg am Mittwoch (17.30 Uhr, Sky live) und gegen den VfL Bochum am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) bereithält. Die Standardsituationen scheinen langsam, aber sicher wieder zu einem Trumpf im Spiel der Eisernen zu werden.
Schon beim 3:3 zuvor in Regenburg hatte Björn Jopek mit einem direkten Freistoß getroffen, nun gegen 1860 München verwertete Christian Stuff per Kopf einen Eckball von Torsten Mattuschka.
„Eigentlich muss man nur dastehen, wo der Ball runterfällt. Aber die Ecken kamen diesmal auch gut in den Strafraum“, kommentierte Stuff seinen ersten Saisontreffer lapidar: „Vielleicht finden wir bei den Standards ja endlich wieder zu alter Stärke zurück.“ Doch auch ihm mochte das Resultat so gar nicht schmecken.
„Ich wäre um einiges glücklicher, wenn wir gewonnen hätten“, so Stuff, „es ist einfach ärgerlich, dass wir das Spiel nach dem Ausgleich so aus der Hand gegeben haben.“
Für den Trainer sind Standards wie Ecken oder Freistöße ein probates Mittel, „um ein Spiel auf den Weg zu bringen“. Dieser Weg muss jedoch auch zu Ende gegangen werden, wenn der Sprung in die obere Tabellenhälfte in diesem Jahr noch gelingen soll.


