Eines wollte Uwe Neuhaus zuvor noch klarstellen. „Der Einsatz meiner Mannschaft hat mich absolut zufrieden gestellt“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Zu oft hatte in den vergangenen Tagen über die Art und Weise diskutiert werden müssen, mit der der Fußball-Zweitligist seine Spiele angegangen ist. Doch dass Einsatz allein nicht reicht, um auch Spiele zu gewinnen, selbst wenn dieser temporär absolute Priorität genießt, wurde am Sonnabend deutlich. Wieder einmal.
Zwei Heimspiele in Folge ohne Sieg, zweimal ohne eigenen Treffer – hat Union in der heimischen Alten Försterei seinen Schrecken verloren? Das genaue Gegenteil ist der Fall. Gerade weil die Gegner um die Heimstärke der Köpenicker wissen, sind die Gäste vor allem darauf bedacht, hinten erst einmal dicht zu machen. Die Folge der Mauertaktik: Union betreibt einen Riesenaufwand, hat auch mal gern an die 70 Prozent Ballbesitz wie gerade gegen Aalen.
Doch den gegnerischen Beton zu knacken, gelingt der Mannschaft nur unzureichend – wenn überhaupt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Union Defizite hat, wenn es darum geht, gegen ein Abwehrbollwerk nicht nur das Spiel zu machen, sondern dieses auch zu gewinnen. „Der letzte Pass ist ein Thema, da liegt einiges bei uns im Argen“, sagte Neuhaus. Auch fehle es an Präzision bei Flanken und Querpässen. „Da liegt viel Arbeit vor uns“, so der Coach.
Ratlosigkeit ob fehlender Ideen
Die Ratlosigkeit ist jedenfalls zu spüren, während des Spiels und auch danach. Kein Wunder, wenn immer wieder und wieder angerannt wird, die Idee für das finale Zuspiel jedoch fehlt. „Wir versuchen wirklich alles, betreiben viel Aufwand. Doch am Ende fehlt dann immer ein Quäntchen, wobei wir im Moment nicht wissen, was das Quäntchen ist“, sagte Fabian Schönheim.
Im Falle der absolut enttäuschenden Nullnummer gegen Aalen kam noch hinzu, dass der Trainer das erfolgreiche Personal vom Dresden-Sieg erneut ins Rennen schickte und somit auf einen zweiten Stürmer verzichtete. Silvio hing damit als einziger Angreifer ob der fehlenden Anspiele in der Luft. „Die gegnerischen Mannschaften kennen uns inzwischen und wissen, dass hier guter Offensivfußball gespielt wird. Sie spielen dann sehr kompakt“, erklärte der Brasilianer. Sein Rezept: „Wir müssen noch ruhiger und genauer spielen.“ Und wenn wie in der ersten Halbzeit gegen Aalen nur mit einer Spitze gespielt wird, „muss noch mehr Bewegung aus dem Mittelfeld kommen“, fügte Silvio hinzu.
Stichwort Geduld: Diese zu behalten, wird vom Trainer in regelmäßigen Abständen immer wieder angemahnt. Auch wenn es nachvollziehbar ist, dass Union gegen eine Mannschaft wie Aalen, die bei ihren Gastspielen praktisch nicht am Spielgeschehen teilnimmt, den Sieg mit allen Mitteln erzwingen will. „Wir haben gedrückt ohne Ende“, bestätigte Innenverteidiger Christian Stuff, „die ganze Mannschaft wollte das Ding mit Gewalt über die Linie drücken.“ Dafür ist es aber notwendig, auch in die Nähe der Torlinie zu kommen.
Wenn mal so will, wird Union mehr und mehr Opfer seiner eigenen Heimstärke. Ein Status, den sich die Berliner über die Jahre erarbeitet haben. Wenn jemand wie Aalens Trainer Ralph Hasenhüttl seine Mannschaft ausdrücklich für ihr Defensivverhalten lobt, ist das auch ein Beleg für den Respekt, den der Gegner vor Union an der Alten Försterei inzwischen hat. „Es ist aller Ehren wert, bei solch einer Kulisse gegen einen solchen Gegner dagegenzuhalten und zu bestehen“, sagte Hasenhüttl.
Nun gilt es für Union, den nächsten Schritt zu tun. Wie dieser aussehen könnte, ließ Fabian Schönheim gestern durchblicken. „Wir müssen immer weiter unsere Stürmer unterstützen. Dass wir an sie glauben, steht außer Frage. Und irgendwann wird dann der Knoten auch wieder platzen, dass hier mal ein Spiel mit zwei, drei Toren Unterschied gewonnen wird“, sagte der Defensivmann. Eine Einstellung, die nicht nur der Trainer gerne vernehmen wird.


