Zweite Liga

Unions Quiring will mit Frechheit zum Stammplatz

Der Flügelflitzer muss sich in der neuen Saison erst beweisen, denn die Konkurrenz ist ihm auf den Fersen.

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Selbstbewusst stützt er sich am Geländer ab. So als wolle er zeigen: Seht her, ich habe die vergangenen Monate endgültig abgehakt. „Natürlich habe ich im Urlaub daran gedacht“, erzählt Christopher Quiring, „aber bei meinen Läufen war alles okay. Ich muss das auch langsam vergessen.“ Der Fußballprofi des 1. FC Union war der Aufsteiger der vergangenen Saison beim Zweitligisten – bis ihm zwei Verletzungen im März ein vorzeitiges Saisonende bescherten.

Konkurrenz von Zoundi und Ede

Vergangenheit. „Ich denke jetzt nicht mehr an die schlechte Zeit, sondern an die gute Hinserie und versuche, da weiterzumachen“, sagt der 21-Jährige. Er weiß, dass er angreifen muss, um sich den Stammplatz auf der rechten Mittelfeldseite zurückzuerobern. Denn anders als vor einem Jahr ist die Konkurrenz gesund und ebenfalls tatendurstig. Patrick Zoundi ist nicht von Malaria geschwächt, und auch Chinedu Ede wäre ein Kandidat, der die rechte Außenbahn bespielen könnte. Beide sind schnell – wie auch Quiring. Beide bringen auch dieses gewisse Maß an Frechheit mit, mit dem man einen Gegenspieler schon mal düpieren kann – so wie auch Quiring den Gegner mit Spielwitz schon mal alt aussehen lässt.

Mut zur Pause

Und Quiring stellt sich der Situation. In jeder Trainingseinheit, in jedem Testspiel, so auch in der Partie gegen Oberliga-Aufsteiger VSG Altglienicke (erst nach Redaktionsschluss beendet). Es scheint, als haben ihn die Vorkommnisse im ersten Halbjahr 2012 auch ein wenig reifer werden lassen. „Im Endeffekt muss man natürlich sagen, dass ich zu früh wieder angefangen habe“, sagt Quiring, der einen Vertrag bei den Köpenickern bis Sommer 2015 besitzt. Nur drei Wochen nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel stand er schon wieder auf dem Platz. Und schlich nach 30 Minuten mit den Händen vor dem Gesicht wie ein begossener Pudel wieder vom Rasen, weil ein Sehnenübergang zum gerade erst genesenen Muskel nicht mehr mitspielen wollte. Man müsse auch mal den Mut aufbringen und sagen, dass man vielleicht noch ein Spiel mehr Pause benötigt, hatte Trainer Uwe Neuhaus seinerzeit den erneuten Ausfall von „Chrissi Quiring“ kommentiert.

Altes Selbstbewusstsein

Die Worte des Trainers sind offensichtlich angekommen. „Wenn ich merke, heute hat es wieder geklappt mit bestimmten Sprintübungen oder längeren Läufen, dann muss sich das auch im Kopf niederschlagen, dass alles okay ist“, erzählt Quiring. Die Art, Stück für Stück auch die letzten Restzweifel zu beseitigen, scheint zu funktionieren. „Und wenn ich im Training alles machen kann, kann ich auch spielen“, sagt Quiring, ohne jedoch nun weitgreifende Ansprüche zu stellen. Nicht nach diesem verflixten Halbjahr. „Klar muss ich mich erst wieder beweisen“, gibt er zu verstehen: „Ich hoffe, dass ich die ersten Spiele machen kann und wieder in meinen Rhythmus komme. Dann denke ich, dass ich auch weiterhin spielen werde.“ Keine Frage, Quirings Selbstbewusstsein ist längst wieder zurück.