Zweite Liga

Tijani Belaid droht der Abschied vom 1. FC Union

Noch konnte der Tunesier die Erwartungen von Union-Trainer Neuhaus nicht erfüllen. Doch gegen den Karlsruher SC könnte Belaid punkten.

Foto: Bongarts/Getty Images

Viel Zeit blieb dem 1. FC Union nicht mehr. Also hat der Berliner Fußball-Zweitligist mit der Partie am Gründonnerstag gegen Erzgebirge Aue schnell das drittletzte Heimspiel der Saison auserkoren, um es auf dem offiziellen Plakat mit Tijani Belaid zu bewerben. Schließlich soll doch jeder Akteur im Laufe einer Spielzeit einmal dort verewigt sein.

Belaid also. Jener Winterzugang, der mit so großen Erwartungen an die Alte Försterei gewechselt war. Und der die in ihn gesetzten Hoffnungen bislang nicht erfüllen konnte. Trainer Uwe Neuhaus macht kein Hehl daraus, dass er sich vom Tunesier mehr versprochen hatte. „Ja, klar“, antwortet der Coach auf entsprechende Nachfragen. Dass ausgerechnet Belaid nun ein Kandidat sein könnte, um die leichten Personalsorgen vor dem Duell am Sonntag beim Karlsruher SC (13.30 Uhr, Sky live) zu beheben, könnte für den 24-Jährigen ein Wink des Schicksals sein.

Mit Silvio fällt ein Stürmer sicher aus. Nach seiner Kapselverletzung im linken Sprunggelenk, zugezogen am vergangenen Montag beim 0:4 gegen Eintracht Frankfurt, konnte der Brasilianer zuletzt nicht mittrainieren. „Die Schwellung ist zwar zurückgegangen, an Schusstraining ist aber noch nicht zu denken“, sagte Neuhaus. Und da auch Youngster Steven Skrzybski nach gerade erst auskuriertem Syndesmosebandriss noch nicht fit genug ist für volle 90 Minuten, könnte Belaids Stunde im Wildpark schlagen.

Schon gegen die Frankfurter musste der Offensivmann als zweite Spitze ran. Allerdings mit mäßigem Erfolg. „Er hat sich viel bewegt, jedoch nicht das gebracht, was ich in dieser Phase benötigt hätte“, sagte Neuhaus. Als Anspielstation sollte er dienen, auch als jemand, der die Innenverteidiger mehr beschäftigt. „Das hat er versucht“, so Neuhaus. Ein wirkliches Lob hört sich sicher anders an.

Auch von der täglichen Arbeit Belaids ist die sportliche Leitung des Klubs nicht wirklich begeistert. „Hier herrscht eine andere Mentalität, die ich bislang nicht kannte“, erklärte der Spieler. Doch auch nach rund zwei Monaten sind die Anpassungsschwierigkeiten nicht zu übersehen. Und zu überhören auch nicht. „Mein körperlicher Zustand verbessert sich von Woche zu Woche. Und je mehr Spiele ich absolviere, desto einfacher ist es für mich, mein Niveau zu erreichen“, sagte etwa Belaid. Um spielen zu können, ist unter Coach Neuhaus jedoch eines unabdingbar: gute Trainingsleistungen. Und die hat der Tunesier, der mit Slavia Prag und auch Apoel Nikosia bereits Erfahrungen in der Champions League hat sammeln können, offenbar nicht abgeliefert in den vergangenen rund zwei Monaten. Sechs Teileinsätze stehen für ihn zu Buche, seinen Stammplatz hat er auf der Bank.

Keine Frage, Belaid muss mehr als nur eine Schippe drauflegen, um nach seinem ablösefreien Wechsel im Winter von Nikosia zu Union dann im Sommer nicht ohne Klub dazustehen. „Union hat als Hauptstadtklub eine große Zukunft“, sagte der Tunesier: „Ich habe eine Option für ein weiteres Jahr und hoffe, dass ich bleiben kann.“ Danach sieht es jedoch derzeit kaum aus. „Wenn einer hierher kommt und einen stark leistungsbezogenen Vertrag hat, darüber hinaus noch bleiben will, dann muss er den Trainer und auch die Spieler überzeugen“, konterte Neuhaus. Zur Mentalitätsfrage stellte der Coach fest: „Das ist eine Veränderung. Die Frage ist, ob er sie auch selbst möchte.“ So habe Belaid noch „zwei Tage Zeit, um für sich Werbung zu betreiben“, sagte Neuhaus am Freitag. Viel Zeit bleibt ihm also nicht mehr, um sich für die Startelf zu empfehlen. Genug Gelegenheit hat er aber schon gehabt.