Interview

Union Berlins Parensen grätscht auch auf Asche

Michael Parensen wurde oft durch Verletzung zurückgeworfen. Im Interview erklärt er, warum er trotzdem nicht vorsichtiger spielen kann.

Der 25-jährige Michael Parensen ist der Mann für alle Fälle beim 1. FC Union. Auch am Montag gegen Eintracht Frankfurt (20.15 Uhr, Alte Försterei) ist der etatmäßige Mittelfeldspieler als Innenverteidiger die zusätzliche Absicherung dafür, dass der Fußball-Zweitligist seine offensivere Spielweise verfeinern kann.

Morgenpost Online: Die Punkteausbeute in diesem Jahr lässt trotz des Sieges zuletzt in Aachen zu Wünschen übrig. Warum tut sich Union mit der veränderten, offensiveren Ausrichtung so schwer zu gewinnen, Herr Parensen?

Michael Parensen: Da wir gerade auch auswärts nun weiter vorne stehen, bieten wir dem Gegner natürlich Räume, wenn wir Fehler machen. Viele Mannschaften, die hoch angreifen und offensiv spielen, werden bei Fehlern öfter mal kalt erwischt. Und wenn man auswärts in Rückstand gerät, wird es natürlich schwer zu gewinnen. Wir müssen an der Balance arbeiten und kompakter stehen, um dem Gegner keine Möglichkeit zu geben, uns auszukontern.

Morgenpost Online: Liegt es vielleicht auch an der fehlenden Qualität im Kader, dass es häufig solche Fehler gab und die Leistungen nicht durch entsprechende Ergebnisse belegt wurden?

Michael Parensen: Ich denke nicht. Das ist auch immer eine Frage, an wem man sich misst. Ich denke, dass wir uns qualitativ in den vergangenen Jahren unheimlich verbessert haben und einen attraktiveren, technisch höher stehenden Fußball spielen. Auch die Fehler haben wir schon minimiert. Topteams wie Fürth, Düsseldorf oder eben Frankfurt spielen dies aber noch besser aus. Da fehlt uns ein Stück Qualität. Doch vom Vermögen her holen wir derzeit fast das Maximum heraus und stehen da, wo wir auch hingehören.

Morgenpost Online: Ist diese offensivere Spielweise zwingend notwendig, um irgendwann auch einmal an die Tür zur Bundesliga klopfen zu können?

Michael Parensen: Grundsätzlich ja. Nur mit Mauern wird man nicht zu den besten Mannschaften der Liga gehören oder gar aufsteigen. Doch dafür müssen wir noch eine bessere Chancenverwertung haben. Auch unsere Konter müssen wir kaltschnäuziger ausspielen, um irgendwann einmal an die Bundesliga denken zu können.

Morgenpost Online: Sie selbst mussten Ihre Spielweise zuletzt immer wieder anpassen. Zuletzt haben Sie erneut in der Innenverteidigung gespielt. Meist werden sie im linken Mittelfeld eingesetzt, haben aber auch schon als Sechser vor der Abwehr fungiert. Welches ist denn Ihre Lieblingsposition?

Michael Parensen: Ich fühle mich schon im Mittelfeld sehr wohl, spiele auch sehr gern auf der linken Seite mit dem Kohle (Patrick Kohlmann, d. Red.) zusammen, das passt in der Verbindung ganz gut. Eine Lieblingsposition an sich habe ich nicht, ich habe in meiner gesamten Karriere immer mal irgendwo vorne, hinten, links, Mitte gespielt. Aber so lange wir gewinnen, spiele ich auch gern Innenverteidigung, das ist kein Problem. Für den Erfolg tue ich alles.

Morgenpost Online: Stört es Sie nicht, wegen Ihrer Qualitäten immer hin und her geschoben zu werden?

Michael Parensen: Ich sehe das als positive Eigenschaft. Obwohl man schon aufpassen muss, dass man nicht zu viel rotiert. Sonst ist man nirgendwo mehr zu Hause, und es gibt auf jeder Position einen Spieler, der einem den Rang abgelaufen hat. Und weil man nirgendwo mehr richtig effektiv ist, weil man sich von der Spielweise her doch immer ein wenig umgewöhnen muss, rotiert man schließlich auf die Bank. Ich werde jedoch immer alles geben, damit mein Stammplatz auf dem Rasen ist.

Morgenpost Online: Sie gelten als Spieler, der in jedem Zweikampf volles Risiko geht, haben sich dadurch allerdings auch schon die eine oder andere Verletzung zugezogen. Warum diese riskante Spielweise?

Michael Parensen: Ich habe immer so Fußball gespielt. Auch damals auf Asche, als ich das Fußballspielen zu Hause gelernt habe, habe ich ohne Rücksicht die Grätschen angesetzt. Ich brauche das irgendwie, um vernünftig im Spiel zu sein. Wenn ich halbherzig in ein Spiel gehe, kann ich nicht die Leistung abrufen, die ich sonst abrufen könnte.

Morgenpost Online: Ihren Vertrag haben Sie bereits im Oktober um zwei Jahre bis 2015 verlängert…

Michael Parensen: Weil ich einfach von der Art, wie der Verein in den vergangenen Jahren gearbeitet hat, überzeugt bin. In den vergangenen drei Jahren habe ich eine sehr gute Entwicklung miterleben dürfen, und ich bin überzeugt, dass die derzeit handelnden Personen diese Entwicklung weiterführen werden. Ein Teil davon zu sein, macht einfach wahnsinnig viel Spaß.

Morgenpost Online: Dass sie bloß auf einem Aufstiegs-Shirt verewigt sein wollen, ist also nur ein Gerücht? 2009 fehlte Ihr Name bei Unions Zweitliga-Aufstieg…

Michael Parensen: (lacht) Es gab zwar einen zweiten Satz, da war ich dann nachträglich noch mit drauf. Aber ja, das ist sicher ein Ziel, für das es sich zu arbeiten lohnt.