Die Frage musste ja kommen. Ob er sich vorstellen könne, demnächst auch noch die Elfmeter zu schießen, wurde Simon Terodde gefragt. Der 24-Jährige ließ sich jedoch nicht aufs Glatteis führen.

„Ich glaube, wir haben mit Silvio, Torsten Mattuschka und Christopher Quiring sogar drei sehr gute Elfmeterschützen“, sagte Terodde also, ungeachtet der Tatsache, dass eben jener Silvio zuletzt vom ominösen Punkt gescheitert war. Teroddes Kommentar dazu: „Dass nicht jeder reingehen kann, ist nur menschlich.“

Der Stürmer des 1. FC Union weiß nur zu genau, wie es ist, wenn man selbst die besten Torchancen nicht nutzt. Das Verständnis, das Mannschaft und Trainer des Berliner Zweitligisten bei ihm aufgebracht hatten, legt er nun auch selbst an den Tag.

Dass er für die Partie der Unioner heute bei Alemannia Aachen (18 Uhr, Sky live und hier im Liveticker von Morgenpost Online ) dennoch der große Hoffnungsträger ist, dass die Köpenicker ihre Negativserien beenden, hat einen einfachen Grund: Terodde hat seinen Torinstinkt wiedergefunden.

Nun ist es nicht so, dass der 1,92-Meter-Mann jede Gelegenheit mit traumwandlerischer Sicherheit verwertet. Doch mit seinen fünf Treffern und drei Vorbereitungen war Terodde gleich an der Hälfte aller Union-Tore in der Rückrunde beteiligt. Kein so schlechter Wert nach einer Hinrunde, die von unglaublichen Fehlversuchen und einer wochenlangen Verletzungspause (Innenbandanriss im rechten Knie) geprägt gewesen ist. „Das gibt natürlich Auftrieb, und man kann selbstbewusster in die nächsten Spiele gehen“, freut sich Terodde über die Entwicklung.

Es sind diese Nehmerqualitäten, die ihn für Union in dieser Phase, in der vier Spiele nicht gewonnen wurden und man auswärts schon seit fast vier Monaten auf einen Sieg wartet, so wertvoll machen. „Man kann sich nach einer vergebenen Chance natürlich selbst bemitleiden. Oder einfach weitermachen“, lobte Trainer Uwe Neuhaus seinen Angreifer.

Terodde hat weitergemacht, in jedem Spiel, in jeder Trainingseinheit. Aus gutem Grund: Der Stürmer ist nur bis Saisonende vom 1. FC Köln an Union ausgeliehen. Sein Vertrag beim Bundesligisten läuft noch bis 2013. Und der Trainer hat längst deutlich signalisiert „dass ich gerne mit ihm weiterarbeiten möchte“. Doch nur Tore sind wirklich Beleg dafür, warum Neuhaus den gebürtigen Bocholter gern länger verpflichten möchte.

Das Poker um Terodde ist jedenfalls seit der Winterpause im Gange. Doch auch die Zeichen aus Köln gingen zuletzt in die Richtung, dass Terodde wohl in Köpenick bleiben wird. Nachwuchskoordinator Frank Schaefer, der sich bei den Kölnern auch um die Leihspieler kümmert, ließ wissen, dass Terodde beim 1. FC „nicht diese Einsatzmöglichkeiten bekommen wird, die er haben muss und sich auch erhofft“. Ob und wie sich die Situation ändern wird, sollte Nationalspieler Lukas Podolski von den Rheinländern tatsächlich nach London zum FC Arsenal wechseln, bleibt abzuwarten.

Fakt ist aber auch, dass sich Union in eine gute Position gebracht hat. Terodde lässt kaum eine Möglichkeit aus zu betonen, dass er sich in Köpenick wohlfühlt. Und auch finanziell haben die Berliner durch den Spontan-Transfer von John Jairo Mosquera nach China zum FC Changchun Yatai, der ihnen Anfang März geschätzte 800.000 Euro in die Kasse spülte, einen größeren Spielraum. Terodde selbst versucht, sich trotz ungeklärter Verhältnisse nichts anmerken zu lassen. „Ich blende das völlig aus, gehe auf den Platz und versuche, eine gute Leistung abzuliefern und der Mannschaft zu helfen.“ Doch auch er weiß: „Im Endeffekt wird man als Stürmer nur an Toren gemessen. Ich hoffe, es geht so weiter.“ Auch ohne Elfmeter.

So wollen Sie spielen: Glinker – Pfertzel, Stuff, Parensen, Kohlmann – Karl – Quiring, Mattuschka, Ede – Terodde, Silvio.