Thomas Koch

Neuer Aufsichtsratschef ist bereits Unioner

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Michael Färber

Foto: 1. FC Union

Mit Thomas Koch hat der 1. FC Union Berlin einen neuen Chef des Aufsichtsrates, der bereits tief im Verein verwurzelt ist. Auch die guten Wirtschaftskontakte des Autohändlers könnten den Köpenickern nutzen.

Neue Besen kehren gut, sagt der Volksmund. Doch im Falle des 1. FC Union sieht der Neue gar keinen Grund, die bislang ausgeübte und erfolgreiche Praxis umzustrukturieren. „An der Art und Weise der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Gremien und insbesondere dem Präsidium wird sich auch in Zukunft nichts ändern“, sagte Thomas Koch also. Ab dem 1. März 2012 wird Koch den Vorsitz im Aufsichtsrat des Berliner Fußball-Zweitligisten übernehmen und damit die Nachfolge von Antonio Hurtado antreten, der dieses Amt nach fast acht Jahren am Ende des Monats niederlegen wird. Die Partie am Freitag gegen 1860 München (18 Uhr, Alte Försterei, Sky live und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) wird folglich die letzte sein, die der Spanier Hurtado als Chef und auch als Mitglied des Kontrollgremiums erleben wird.

Mit Koch übernimmt jedoch kein wirklicher Union-Neuling den Vorsitz des Aufsichtsrates. Ebenso wie Hurtado stand er im Jahre 2004 bereit, als Union, den unvermeidlichen Abstieg aus der Zweiten Liga vor Augen, finanziell wie sportlich immer tiefer in die Krise rutschte. Koch, Union-Mitglied seit dem 1. November 2003, half ebenso wie Hurtado, den Verein vor dem wirtschaftlichen Kollaps zu bewahren. Damals wie heute gilt sein Credo: „Es geht in unserer Arbeit ausschließlich um das Wohl des Vereins.“ Dieses Wohl ist mehr und mehr nicht nur von sportlichen Meriten, sondern von wirtschaftlichen Faktoren abhängig.

Insofern erscheint Thomas Koch als der richtige Mann für den Posten des Aufsichtsratschefs. Schon in den vergangenen Jahren war er im Gremium für die finanzielle und wirtschaftliche Kompetenz zuständig, zudem gehört Koch mit seinem Unternehmen Koch Automobile AG, dessen Vorstandsvorsitzender er ist, dem Union-Wirtschaftsrat an. Als Mentor der Wirtschaftsplattform „Nomeba“ („Nicht ohne meine Bank?!“), die mittelständischen Unternehmen Lösungen für deren Finanzbedarf vermittelt, ist Koch zudem in der Wirtschaft Berlins und Brandenburgs sehr gut vernetzt – angesichts solch bevorstehender Großprojekte wie den Bau der neuen Haupttribüne ist dies für Union sicherlich nicht von Nachteil. Dass Koch zudem Aufsichtsratsmitglied der neuen „An der Alten Försterei“ Stadionbetriebs AG ist, zeigt, wie tief der Unternehmer bereits im Köpenicker Klub verwurzelt ist.

Entsprechend erfreut zeigte sich Union-Präsident Dirk Zingler über die interne Lösung bei der Neubesetzung des Postens. „Mit Thomas Koch folgt ein langjähriger Unioner, der sich ebenfalls schon seit vielen Jahren im Aufsichtsrat und im Wirtschaftsrat engagiert. Ich bin überzeugt davon, dass wir die erfolgreiche Arbeit nahtlos fortsetzen werden“, sagte der Klubchef.

Zugleich dankte er Hurtado, mit dem er im April 2004 zunächst zusammen in den damals neuen Aufsichtsrat gewählt wurde, bis dieser Zingler schließlich zum Präsidenten des Klubs bestellte. „Antonio Hurtado hat in einer existenziellen Krise Verantwortung für den 1. FC Union Berlin übernommen. Als Aufsichtsratsvorsitzender hat er die positive Entwicklung des Vereins mit eingeleitet und gestaltet. Ich bedanke mich für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit, die den Verein zurück in die Erfolgsspur gebracht hat.“

Hurtados Ausscheiden aus dem Union-Aufsichtsrat geschieht aus beruflichen Gründen. Seit August 2007 ist Hurtado als Professor für Wasserstoff- und Kernenergietechnik an der Technischen Universität in Dresden tätig. „Seit Beginn des Jahres 2012 haben sich meine Tätigkeitsfelder deutlich erweitert, wodurch ich noch stärker als bisher zeitlich eingebunden bin“, begründete Hurtado seinen Rücktritt zum 29. Februar: „Mein persönlicher Anspruch an die Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender beim 1. FC Union Berlin lässt sich leider nicht mehr mit meiner zusätzlichen beruflichen Verantwortung vereinbaren.“ Durch die Entwicklung des Klubs sei für die Arbeit im Aufsichtsrat „ein höheres Maß an gremienübergreifender Zusammenarbeit und Abstimmung nötig“, wie Hurtado hinzufügte.

Trotz Hurtados Ausscheiden bleibt der Aufsichtsrat handlungsfähig. Diesem gehören neben Thomas Koch auch der Unternehmer Hans-Joachim Lesching (seit 2004), Abgeordnetenhaus-Mitglied Karlheinz Nolte (seit 2008), Fanvertreter Joachim Müller (seit 2009) sowie seit Juni vergangenen Jahres Rechtsanwalt Dirk Fischer an. Die laut Union-Vereinssatzung vorgeschriebene Anzahl von fünf Aufsichtsräten ist damit erreicht.