Zunächst wusste er keine Antwort auf die Frage. Warum der 1. FC Union vor heimischer Kulisse eine Klasse für sich sei, ja sogar die drittstärkste Heimmannschaft der gesamten Zweiten Liga stelle, während es auswärts in bislang zehn Spielen nur zu neun Punkten gereicht hätte, wurde Marc Pfertzel gefragt. „Das ist schwer zu sagen“, entgegnete der Verteidiger, „vielleicht weiß der Trainer eine Antwort.“ Doch der erhoffte Beistand vom Übungsleiter blieb aus. „Nee, mach du das mal“, gab Uwe Neuhaus das Wort wieder an Pfertzel zurück. Und der wiederum mühte sich zu folgendem Statement: „Zu Hause haben wir sicherlich eine bessere Unterstützung durch unsere Fans.“ Keine Frage, 18.000 Anhänger treiben eine Mannschaft mehr nach vorne als nur einige Hundert, die sich auch diesmal auf den Weg machen, um ihr Team am Sonnabend im Gastspiel beim VfL Bochum zum Sieg zu schreien (13 Uhr im Ticker von Morgenpost Online ).

Besondere Unterstützung wird der Franzose am Sonnabendnachmittag nicht benötigen, kehrt er doch an die alte Wirkungsstätte zurück. „Ich freue mich sehr auf das Spiel, schließlich habe ich in Bochum meine ersten Erfahrungen in Deutschland gesammelt“, erinnert sich Pfertzel gern an die Zeit zwischen 2007 und 2010. Drei gute Jahre, in denen er mit dem VfL in der Bundesliga hat spielen dürfen. Und in denen er auch gelernt hat, wonach man sich in Bochum am meisten sehnt: Auftritte in der Eliteklasse. Bayern München, Schalke 04 und Hamburger SV sollen die Gegner heißen, nicht FC Ingolstadt, MSV Duisburg oder Karlsruher SC.

Bochum gegens das Graue-Maus-Image

Und hier kommen die Fans wieder ins Spiel. Denn anders als bei den fünf Abstiegen zuvor gelang nach dem Sturz aus der Bundesliga 2010 ein Jahr später nicht postwendend der Aufstieg. Ein Umstand, an den man sich im Umfeld des VfL immer noch erst gewöhnen muss und der angesichts der Tabellenlage auch in der nächsten Saison andauern wird: Die Bochumer sind gleich 16 Zähler vom Relegationsplatz entfernt.

Statt die schnelle Rückkehr zu feiern, soll nun das so genannte VfL-Projekt in Angriff genommen werden. Nachhaltigkeit ist angesagt, nicht der schnelle Erfolg, der wegen der Rahmenbedingungen ohnehin nicht zu erwarten ist. Die Worte von Trainer Andreas Bergmann an die Fans („Glaubt mit uns daran, dass wir hier etwas entwickeln können“) sind da schon als lauter Hilfeschrei zu werten, um nicht auch in Liga zwei vollends mit dem Graue-Maus-Image versehen zu werden.

„Da die Bochumer unbedingt aufsteigen wollten, wird die restliche Saison für sie nicht einfach“, weiß auch Pfertzel. Gelingt es ihm und seinen Teamkollegen, das Spiel des VfL zu unterbinden und damit den Unmut auf den Rängen zu schüren, ist schon viel erreicht. Trainer Neuhaus weiß, was dafür notwendig ist: „Wir müssen absolut aggressiv gegen den Ball arbeiten.“ Er hat bei den Bochumern vor allem vor dem gegnerischen Tor eine gewisse Verspieltheit ausgemacht, statt des konsequenten Abschlusses werde oftmals noch ein Pass zuviel gespielt. „Darin sehe ich unsere Chance“, so Neuhaus.

Vor allem die Innenverteidiger Christian Stuff und Christoph Menz, so dieser denn seinen Aufwärtstrend nach überstandener Krankheit hat bestätigen können, werden hier gefordert sein. „Der Gegner ist von der individuellen Qualität weiter oben angesiedelt“, fordert Neuhaus volle Konzentration über die gesamten 90 Minuten. Mit Torsten Mattuschka, der seine Sperre abgesessen hat, und Winterzugang Tijani Belaid besitzt Union zwei Kreativspieler, die die eigene Offensivmaschinerie in Gang bringen können. Und mit Simon Terodde wartet vorn ein Stürmer, der seinen Torriecher mehr und mehr wiederfindet.

Eine Hiobsbotschaft müssen die Köpenicker jedoch verkraften: Jan Glinker trat die Reise nach Bochum nicht mit an. Der Stammtorhüter ist erkrankt, war schon am Freitag nicht beim Abschlusstraining dabei. Für ihn wird Marcel Höttecke zwischen den Pfosten stehen