Der Aufsichtsrat unter der Leitung von Antonio Hurtado ist für weitere drei Jahre gewählt, die Amtszeit von Dirk Zingler als Präsident des 1. FC Union damit für den gleichen Zeitraum gesichert. „Die personelle Kontinuität der letzten Jahre hat dem Verein offenkundig gut getan. Den eingeschlagenen Weg werden wir nun gemeinsam fortsetzen“, lauteten Hurtados Antrittsworte für seine dritte Amtsperiode. Seit 2004 steht der Spanier dem Aufsichtsrat des Berliner Fußball-Zweitligisten vor. Zingler hat als Vereinschef ebenfalls sechs Jahre hinter sich. Genauer gesagt 2324 Tage. Damit ist er der Präsident mit der längsten Amtszeit in der Geschichte des Köpenicker Klubs.
Eine solche Beständigkeit zeugt vom Vertrauen der Mitglieder in die handelnden Personen. Ein Vertrauen, welches Zingler und Co. in den kommenden 36 Monaten vor allem bei einem für die Entwicklung des Klubs ganz entscheidenden Schritt nicht missbrauchen dürfen. Und nach Ansage des Präsidenten auch nicht werden. „Wir werden uns auch weiterhin für Fußball pur und Fanrechte einsetzen und den Spagat zwischen Tradition und Kommerz wagen“, sagte Zingler. Was er unter Fußball pur versteht, verdeutlichte Zingler anhand einer Statistik, die Union als den deutschen Profiklub ausweist, der im Verhältnis zur Stadionkapazität die meisten Stehplätze besitzt (83,63 Prozent). Das kommt an bei den Mitgliedern, nicht nur bei jenen gut 500, die am Dienstagabend der Mitgliederversammlung beiwohnten, sondern bei allen 6870.
Gerüstet für die Zukunft
Bislang ist dieser Schritt gelungen. Den Vergleich mit der Zweitliga-Konkurrenz braucht Union jedenfalls nicht zu scheuen. Bei den Einnahmen liegen die Köpenicker mit 12,2 Millionen Euro in der vergangenen Spielzeit im Durchschnitt der im unteren Drittel platzierten Mannschaften. Die Ausgaben hatten mit rund 10,9 Millionen Euro sogar einen im Vergleich unterdurchschnittlichen Wert. „Der Verein geht gut gerüstet in die Zukunft“, sagte Hurtado.
Doch wie kann das zuletzt so oft formulierte Ziel „Nachhaltige Etablierung im Profifußball“ gelingen, ohne das Image des Klubs nachhaltig zu zerstören? Mehr Werbeeinnahmen bedeuten auch immer mehr Raum für die Sponsoren zur eigenen Präsentation. Doch der 1. FC Union, der so gern von einer großen Familie spricht, will seine Stadiontore mitnichten für ein so genanntes Eventpublikum öffnen. Auch die Präsentation von Halbzeitständen, Eckenverhältnissen und Zuschauerzahlen soll – anders als in vielen anderen Klubs – nicht einhergehen mit der Nennung eines Geldgebers. Zingler: „Dass es möglich ist, unsere Vorstellung von Fußballkultur und wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden, haben wir gezeigt.“ Dass Union dennoch die Sponsoreneinnahmen in der laufenden Saison um knapp 20 Prozent auf 4,75 Millionen Euro erhöhen möchte, ist durchaus ambitioniert, aber nicht unerreichbar. „Die Zusammenarbeit mit Ufa Sports trägt erste Früchte“, berichtet Zingler. Seit Saisonbeginn ist Unions Vermarktungspartner mit sechs Mitarbeitern tätig.
Nachwuchsarbeit wird forciert
Weiterer Schwerpunkt der nächsten drei Jahre soll die Förderung des Fußball-Nachwuchses an der Alten Försterei sein. „Es gilt, Spieler für die erste Männermannschaft auszubilden und dadurch Ablöse zu sparen“, erklärte Zingler. Immerhin stünden derzeit mit Christoph Menz, Christopher Quiring, Bone Uaferro, Maurice Trapp, Philip Malinowski und Steven Skrzybski gleich sechs Spieler im Kader von Trainer Uwe Neuhaus, die Unions Nachwuchsleitungszentrum (NLZ) durchlaufen haben. Auch wenn sie bis auf Menz und mit Abstrichen Quiring kaum eine Rolle im Profiteam gespielt haben.
Doch der Weg scheint richtig. Das NLZ wurde von Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Deutscher Fußball-Liga (DFL) gerade mit einem zweiten von maximal drei Sternen dekoriert. „Damit zählt unser Leistungszentrum zu den 20 besten in Deutschland“, sagte Aufsichtsratschef Hurtado. Verbunden mit dieser Auszeichnung ist eine Förderung in Höhe von 260.000 Euro. Nicht zuletzt dadurch hat Union seine Ausgaben für die Nachwuchsarbeit auf die Vereinsrekordsumme von gut 570.000 Euro gesteigert.
Großbaustelle Haupttribüne
Eine Großbaustelle bleibt jedoch die Haupttribüne, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Baubeginn steht immer noch in den Sternen, es fehlt die Finanzierung. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben für die Zukunft ist es, einen Investitionsplan für den Bau der Haupttribüne zu erstellen“, sagte Hurtado. Dass dies nicht um jeden Preis geschehen soll, spricht ebenfalls für die Arbeit der Klubführung. „Solange wir hier am Zuge sind, werden wir nie wieder zulassen, dass sich die Dinge so anhäufen wie einst“, machte Zingler deutlich. Die Mitglieder vertrauen ihm, dass er dieses Versprechen hält.
Rekordjahr für Union: Bilanzzahlen für 2009/10 und den Etat 2010/11 finden Sie hier



