Jetzt wird es feierlich beim 1. FC Union, warme Worte, gegenseitige Bekundungen der Wertschätzung, demonstrative Handschläge für die Fotografen. Das ganze Programm. Schließlich soll der Rahmen dem Anlass entsprechen. Der Tabellenführer der Zweiten Fußball-Bundesliga präsentiert nämlich am Dienstag einen neuen Hauptsponsor.

Spekulationen über einen französischen Autobauer, der bei den Berlinern einsteigen soll, weist der Klub jedoch zurück. Ansonsten äußere man sich nicht weiter zu dem Thema. Wenig überraschend wäre jedoch, wenn einer der bisherigen Co-Hauptsponsoren sein Engagement ausweitet und auf dem Trikot von Union auftaucht. Wahrscheinlich kommt ein Autoteile-Unternehmen (kfzteile24) zum Zug, das ebenso wie eine Möbelkaufhauskette im Gespräch war. Ursprünglich gab es wohl acht Bewerber, die den Platz des alten Hauptsponsors nach dessen Kündigung vor vier Wochen einnehmen wollten.

In Vorbereitung der Präsentation hatte sich Präsident Dirk Zingler erstmals seit der Kündigung des Vertrages mit der Sport-Promotionfirma ISP detailliert zu dieser Problematik geäußert. "Die ISP schuldet uns mindestens 220 000 Euro", sagte Zingler und sprach davon, dass die Firma ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sei. Offenbar war Zingler bestrebt, alle Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Kündigung durch den Klub vor der Vorstellung des neuen Partners zu zerstreuen. "Das kann man so sehen", erklärt Union-Sprecher Christian Arbeit. Ursprünglich hieß es, Zingler würde sich erst wieder zum Thema äußern, wenn die geschäftlichen Beziehungen zwischen dem Verein und der ISP endgültig beendet sind.

Bei der ISP hatte man genau das von Zingler erwartet. "Von daher darf sich von Vereinsseite niemand beschweren, wenn sich nun auch die ISP vorbehält, in Kürze klar Stellung zu beziehen", erklärte Managing Direktor Dieter Fietz. Zunächst versucht es die Firma, deren angestrebte Partnerschaft über fünf Jahre mit einem Gegenwert von zehn Millionen Euro lediglich zu einer kurze Liason von zwei Monaten wurde, auf dem internen Weg. Ein Schreiben ging per Mail an alle Aufsichtsrats- und Präsidiumsmitglieder der Köpenicker. Darin versichert Fietz, weiterhin eine einvernehmliche Lösung anzustreben und fordert Union auf, die Führungsgremien mehr in die Gespräche einzubinden. Bislang sind alle Verhandlungen mit der ISP allein Sache von Präsident Zingler gewesen. Dem wird von der ISP vorgehalten, einige Dinge falsch dargelegt zu haben. Der Fakt, dass die ISP nur 100 000 Euro statt der vereinbarten Million zum 15. Juli gezahlt hat, stimmt allerdings.

Die Differenzen sind weiterhin groß, das leidige Thema ISP dürfte den Verein noch eine Weile begleiten. Aber heute spielt das erst einmal keine Rolle, für die Köpenicker ist Feiertag, es gibt einen neuen Hauptsponsor und somit frisches Geld. Bleibt nur zu hoffen, dass die neue Verbindung länger hält.