Die Spieler und Fans des 1. FC Union haben ein Ziel. In der kommenden Spielzeit soll alles schöner, ja besser werden. Sportlich und überhaupt. Elf Spieltage vor Schluss entwickelt sich jedoch ein Wettrennen der ganz anderen Art. Eines, mit dem man zu Saisonbeginn wahrlich nicht rechnen konnte. Welche Rückkehr gelingt den Wuhlheidern eher – die in die Zweite Liga oder die vom Jahn-Sportpark in die neue Alte Försterei? Es darf gewettet werden.
„Vielleicht muss man den Präsidenten langsam fragen, ob er das Stadion nicht schneller bauen kann“, flachste Trainer Uwe Neuhaus. Er hat allen Grund zum Optimismus. Denn während die Vollendung der Sanierung der Heimspielstätte immer wieder nach hinten verschoben werden musste, schickt sich das kickende Personal an, den Termin für den sicheren Aufstieg nach vorn zu verlegen. Zwölf Punkte beträgt aktuell der Vorsprung auf Relegationsplatz drei. Weil Union sich keine Blöße gibt: 13 Spiele in Serie hat die Mannschaft nicht verloren, neun Siege waren darunter – das ist Rekord.
Emdens Niederlage verblüfft
Doch das allein hat den Berlinern ihren großen Vorsprung nicht verschafft. Zugleich profitieren sie davon, dass die Konkurrenz in schöner Regelmäßigkeit patzt. „Dass Düsseldorf in Erfurt verliert, ist vielleicht nicht so überraschend, weil sich Erfurt selbst noch etwas ausrechnet. Doch dass Emden zu Hause gegen die Stuttgarter Kickers verliert, ist schon erstaunlich“, sagt der Coach. Gestern verlor auch der Tabellenzweite Paderborn 1:1 in München.
Überragende Punktausbeute hier, die Blöße der Verfolger dort. „Genau da liegt jedoch die Gefahr“, behauptet Trainer Neuhaus. Beim 1. FC Union ist man aber weit entfernt von Tiefstapelei, dafür hat man beim Spitzenreiter schon zu früh den Sprung ins Bundesliga-Unterhaus als Ziel auserkoren und auch offen verkündet. „Es ist einfach eine Sache des Respekts gegenüber den anderen Mannschaften“, sagt Neuhaus.
Sich festlegen lassen, wann der Aufstieg perfekt sein wird, will man sich beim 1. FC Union also nicht. Auf der Suche nach der dafür benötigten Punktzahl werden die Aussagen schon eindeutiger. Wenn auch nur ein wenig. Neuhaus nennt „einen Schnitt von zwei Punkten pro Spiel, dann ist man auf der sicheren Seite“. Bei insgesamt 38 Saisonspielen wären das demnach 76 Zähler. Unions Konto weist inzwischen 59 Punkte auf.
Mittelfeldspieler Torsten Mattuschka, dessen eiskalt verwandelter Foulelfmeter am Sonnabend das 1:0 gegen Carl Zeiss Jena beschert hat, glaubt sogar, dass am Ende 75 Zähler reichen werden, um garantiert aufzusteigen. Sein Fahrplan hört sich so an: „Wenn wir unsere Heimspiele gewinnen und auswärts nicht verlieren, kann uns nichts passieren.“
Und was tritt nun eher ein – der Aufstieg in die zweite Etage des deutschen Fußballs oder die Rückkehr in die Alte Försterei, die bis Mitte April vollständig überdacht sein soll? „Wäre doch schön, wenn beides gleichzeitig eintreffen würde“, sagt Mattuschka fröhlich. Vielleicht sollten sich die Union-Fans das drittletzte Heimspiel der Saison am 25. April gegen die SpVgg. Unterhaching schon einmal ganz dick im Kalender anstreichen.


