Zum Punktspielauftakt beim VfB Stuttgart II Anfang des Monats war er nicht im Kader. Auch beim Testspiel des 1. FC Union am vergangenen Sonntag bei Sachsen Leipzig suchte man Nico Patschinski vergeblich in der Aufstellung des Berliner Fußball-Drittligisten.

Der Stürmer zählt längst nicht mehr zur ersten Garde beim Spitzenreiter, die zeitweilige Versetzung in Unions zweite Mannschaft unterstrich die Degradierung des 32-Jährigen. Sechstliga-Aufstiegskampf gegen TuS Makkabi statt Drittliga-Spitze - Patschinski selbst nimmt seine ungewollte Versetzung eher zynisch hin, bezeichnet sich selbst als "bestbezahlten Verbandsligaspieler". Der Trainer hat dagegen von dem Rummel, der sich immer wieder um seinen Angreifer bildet, genug. "Wir sind nicht der 1. FC Patschinski", ließ Neuhaus wissen. Und reserviert weiter einen Platz für Patschinski auf der Bank.

Das Gebaren um "Patsche" ist der letzte Beweis dafür, wie ernst es Union ist, alles dem Ziel Zweite Liga unterzuordnen. Und zugleich ein weiteres Kapitel der Köpenicker Erfolgsgeschichte "Wie ich einen mittelmäßigen Drittligisten zu einem Aufstiegskandidaten forme".

Änderungen im Mannschaftsgefüge

Der Weg, den Uwe Neuhaus seit seinem Amtsantritt im Sommer 2007 gegangen ist, ähnelt dem, den Lucien Favre beim großen Nachbarn Hertha BSC beschritten hat. Beim Bundesligisten machte der Schweizer Trainer, der wie Neuhaus seine Arbeit in Berlin im Juni 2007 aufgenommen hat, auch keinen Halt vor großen Namen. Nur wer sportlich und auch menschlich in sein Konzept passt, hat eine Chance. Der Erfolg gibt beiden Trainern Recht - Favre in Charlottenburg und Neuhaus in Köpenick.

Um jene neue Mentalität, jenen "Teamspirit", von dem Neuhaus seinerzeit gesprochen hatte, entwickeln zu können, nahm der Union-Coach diverse Änderungen im Mannschaftsgefüge vor. Zunächst bestimmte Neuhaus mit dem damals 21-jährigen Daniel Schulz einen langjährigen Unioner zum Kapitän, und nicht - wie erwartet - die viel erfahrenere Neuverpflichtung Marco Gebhardt (36). Ein klares Signal an Unions Nachwuchsspieler, dass Leistung sich lohnt.

Querköpfe, wie Marko Pantelic bei Hertha, haben auch bei Union keine Chance. Bei jemandem wie Uwe Neuhaus, der sich selbst als "erfolgsbesessen" charakterisiert, geraten Spieler, die sich nicht voll und ganz für das Erreichen gesteckter Ziele einsetzen, schnell aufs Abstellgleis. Oder fliegen aus der Mannschaft. Guido Spork zählt zu denen, die davon berichten können. Der defensive Mittelfeldspieler brachte jenen von Neuhaus akribisch aufgebauten Teamgeist durch Undiszipliniertheiten ins Wanken. Halbherziger Einsatz beim Training, dazu Reibereien mit Mitspielern wie Gebhardt und ein verbotener Diskobesuch waren für Neuhaus zu viel. Spork wurde zu Beginn der laufenden Saison freigestellt, kickt nun beim BFC Dynamo in der fünftklassigen Oberliga.

Brandherde werden bei Union früh gelöscht. Auch Steven Ruprecht bekam das zu spüren. Dessen Affäre mit der Freundin von Mitspieler Torsten Mattuschka drohte die Mannschaft zu spalten. Der Verteidiger wurde kurzerhand suspendiert und im Winter zu Ligakonkurrent VfR Aalen transferiert.

Genug Alternativen im Angriff

Erst Spork, dann Ruprecht - und nun Patschinski? Zweifel, dass der letzte Querkopf im Neuhaus-Team seinen bis Sommer 2010 laufenden Vertrag bei Union auch erfüllt, sind zumindest erlaubt. Denn abgesehen von Patschinskis Leidenschaft für das Glücksspiel, Wechselgerüchten im vergangenen Sommer und zuletzt 5000 Euro Strafe für vereinsschädigendes Verhalten wegen angeblicher negativer Äußerungen über Klubchef Dirk Zingler - Neuhaus ist nicht mehr auf Patschinski angewiesen. Mit Shergo Biran und nun Kenan Sahin, in den beiden vergangenen Winterpausen gekommen, hat Neuhaus für genug Alternativen gesorgt. Punktuelle Steigerung der Qualität im Kader als Mittel zur Selbstreinigung.

Den Rest erledigt die gute Kommunikation zwischen Neuhaus und der Mannschaft. Immer wieder wird von Seiten der Spieler betont, wie groß der Anteil des Trainers am Aufschwung ist. Ein Aufschwung, der mit dem Aufstieg in die Zweite Liga Ende Mai seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen soll.