Wir befinden uns in der Winterpause der Saison 2008/09 - alle Stammspieler des 1. FC Union haben ihre im Sommer auslaufenden Verträge verlängert. Alle Stammspieler? Nein, ein mit großem Torinstinkt ausgezeichneter Angreifer hört nicht auf, den Anfragen des Berliner Fußball-Drittligisten Widerstand zu leisten. Eigentlich fürchtet Karim Benyamina nur eines - dass die Köpenicker nicht in die Zweite Liga aufsteigen.

Genau das ist das erklärte Ziel des 27-Jährigen. "Am liebsten mit Union", wird er nicht müde, seine Verbundenheit mit dem Spitzenreiter zu erklären. Was auch drei Wochen nach dem Punktspielstart noch fehlt, ist die Unterschrift unter einen neuen Kontrakt. Bei Union geht man gelassen damit um - zumindest äußerlich. Trainer Uwe Neuhaus spricht von einem "ganz normalen Vorgang". Aber auch davon, dass der Top-Torjäger der Berliner (zwölf Treffer) "momentan einen sehr guten Lauf hat". Zwei der vier Union-Tore des Jahres 2009 gehen auf Benyaminas Konto, heute sollen in der Partie beim Wuppertaler SV weitere hinzukommen. Der Anreiz ist groß, würde doch ein Sieg den Abstand zu Relegationsplatz drei bereits auf sechs Zähler vergrößern.

Doch mit jedem Treffer steigert der gelernte Kfz-Mechaniker seinen Marktwert. Das weiß man natürlich auch bei Union. "Doch wir werden niemals etwas tun, das über unsere Verhältnisse geht", verdeutlicht Sportdirektor Christian Beeck die Position des Vereins. Das wiederum weiß Benyamina.

Seit 2005 spielt der Stürmer für Union, sein Status in der Mannschaft oder den Fans war jedoch nicht immer so unantastbar wie heute. "Man hatte ihm ja schon den Spitznamen Chancentod gegeben", blickt Coach Neuhaus zurück. Das hat sich geändert. "Wenn sich ihm eine Chance bietet, dann nutzt er sie auch", erklärt der Coach.

Die Leistungssteigerung in den vergangenen rund eineinhalb Jahren hat Gründe. Neuhaus selbst hat mit Maßnahmen wie der Strafversetzung auf die Ersatzbank in der vergangenen Spielzeit dazu beigetragen, dass Benyaminas Leistungskurve wieder nach oben zeigt. Mit den Verpflichtungen von Shergo Biran im vergangenen Winter und nun Kenan Sahin wurde zudem ausreichend Konkurrenz verpflichtet, die ein stetiges Hinterfragen der eigenen Form erfordert. Und mit dem quirligen Biran hat sich Benyaminas Wohlfühlfaktor bei Union erhöht: Die beiden Freunde kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit als Jugendspieler beim 1. FC Lübars.

"Sicherlich hätten wir seine Vertragsverlängerung gern schon unter Dach und Fach. Doch bislang schadet es ja seiner Leistung nicht, dass er noch nicht unterschrieben hat", weiß Neuhaus um seine Torgarantie. Eine Abhängigkeit von Karim Benyamina sieht der Trainer jedoch nicht, "wir haben noch genug andere gute Spieler". Nur die haben ihre Verträge bereits bis mindestens 2010 verlängert.