In der Kabine erlaubte sich Uwe Neuhaus einen kleinen Scherz. Der Trainer des 1.FC Union ging auf Stürmer Shergo Biran zu und sagte: „Shergo, ihr habt frei, das kannst du den anderen sagen.“ Verwundert blickte Biran den Trainer an. „Ehrlich?“ „Ja, bis morgen früh um zehn.“ Neuhaus lachte, Biran wendete sich grinsend ab.

Trainingsfrei gibt es also bei den Köpenickern zwar nicht, der Stimmung tut das aber wahrlich keinen Abbruch. Mit 1:0 (1:0) setzte sich Union am Nachmittag im verschneiten Jahn-Sportpark dank des Treffers von Karim Benyamina (23.) gegen Kickers Offenbach durch und baute damit den Vorsprung in der Dritten Fußballliga aus. Vier Punkte liegen die Berliner nun vor Verfolger Paderborn. Der Abstand zum Relegationsplatz drei beträgt schon sechs Zähler.

Die Umstände im Jahn-Sportpark waren äußerst schwierig. Als am Rande dessen, was erlaubt ist, bezeichnete Neuhaus die Platzverhältnisse. Über dem gefrorenen Boden lag eine dünne Schneeschicht, auf der nur schwer Halt zu finden war. Trotzdem wollte Union die Partie unbedingt austragen. Was sich im Nachhinein als richtige Entscheidung erwiesen hat. Zumal die Kontrahenten im Kampf um den Aufstieg patzten. Paderborn verlor tags zuvor genauso wie der Vierte Emden. „Wir wollten die Chance nutzen und vorlegen“, so Neuhaus, dessen Mannschaft zum achten Mal in Folge ungeschlagen blieb.

Das gelang den Berlinern, bei denen dieselbe Startelf wie beim 3:0 eine Woche zuvor gegen den VfB Stuttgart II auflief, vor allem mit einer starken ersten halben Stunde. Mit gutem, gradlinigem Offensivfußball setzte Union die Gäste unter Druck. Offenbach tat sich auf dem ungewohnten Untergrund schwer und fand zunächst nicht ins Spiel. Nach einem Pass von Marco Gebhardt unterlief Kickers-Verteidiger Monir Chaftar ein böser Fehler, er sprang am Ball vorbei. Das Spielgerät gelangte so zu Karim Benyamina, der den ehemaligen Union-Torhüter Robert Wulnikowski ohne Mühe überwand. „Es war klar, dass derjenige verliert, der Fehler macht auf diesem Boden. Ich habe darauf gelauert“, sagte Benyamina, der in der ersten Heimpartie nach der Winterpause vor 7021 Zuschauern seinen zwölften Saisontreffer erzielte.

Allerdings stellten sich die Offenbacher noch vor der Pause besser auf die Bedingungen ein. „Wir haben ihnen dann auch zu viel Raum gelassen“, fand Neuhaus. Fast hätte dies zum Ausgleich geführt. Einen Schuss von Christian Pospischil lenkte Verteidiger Christian Stuff nur knapp am eigenen Tor vorbei (42.).

Das Spiel war nun nicht mehr so einseitig wie noch zu Beginn. Offenbachs Trainer Hans-Jürgen Boysen stellte um und agierte nach der Pause mit zwei Angreifern. Vor allem über die rechte Seite wurden die Gäste immer gefährlicher, da der neue Verteidiger Michael Parensen nach einer frühen Gelben Karte eher vorsichtig zum Ball ging. Zudem hatte nun Union kurzzeitig Standschwierigkeiten. Zur Pause forderte Schiedsrichter Patrick Ittrich (Hamburg) einige Berliner auf, die Schuhe wegen zu langer Stollen zu wechseln.

Nachteilig wirkte sich das nicht aus. Zwar war die Partie ausgeglichener, Union erarbeitete sich aber die klareren Chancen. Und erzielte ein zweites Tor. Doch der Treffer von Shergo Biran (79.), der Sekunden zuvor für Kenan Sahin eingewechselt worden war, wurde nicht anerkannt. Ittrich hatte auf Abseits entschieden, lag damit aber falsch.

Biran nahm es gelassen, denn der Sieg geriet nicht Gefahr. „Zauberfußball war es sicher nicht, aber manchmal muss man mit einem dreckigen 1:0 zufrieden sein“, sagte er. Und ausruhen dürfe man sich trotz des Vorsprungs in der Tabelle jetzt natürlich nicht. Insofern fand er es in Ordnung, heute wieder zum Training antreten zu müssen.