Eisschnelläuferinnen

Funktionäre schlichten Streit zwischen Beckert und Pechstein

Die Eisschnellläufer begleitet ein Konflikt, der in Sotschi erneut aufgebrochen ist und den Sport fast in den Hintergrund drängte. Nun sollen die Grabenkämpfe endlich ruhen.

Foto: Quinn Rooney / Getty Images

Es sieht danach aus, als würde sich für die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) nach den Olympischen Spielen einiges verändern. In Sotschi läuft es ganz und gar nicht nach den Erwartungen, und dort kündigte Bernhard Schwank, Leistungssport-Direktor im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), nun an, das Gespräch mit den Verbandsvertretern zu suchen und „Weichen zu stellen“. Man werde ernst reden. „Ich denke, dass einige Veränderungen notwendig sein werden, um bei Olympia 2018 in Pyeongchang erfolgreich zu sein“, sagte Schwank. Allein Sorge wegen der sportlichen Leistungen gibt es allerdings nicht. Die Eisschnellläufer begleitet ein Konflikt, der in Sotschi erneut aufgebrochen ist und den Sport fast in den Hintergrund drängte.

Pechstein bemängelt Unterstützung vom Verband

So kam es, dass selbst die höchsten deutschen Funktionäre am Schwarzen Meer eingreifen mussten. Chef de Mission Michael Vesper trat als Mediator auf, DOSB-Präsident Alfons Hörmann sprach ein Machtwort. „Es gibt eine einfache Lösungsmöglichkeit. Und zwar, indem sich jeder auf seinen Job konzentriert“, sagte Hörmann. Es geht um den Streit zwischen Claudia Pechstein (Berlin) und Stephanie Beckert (Erfurt), der in den vergangenen Tagen eskaliert ist. Man habe sich nun darauf verständigt, die Grabenkämpfe zumindest für die Zeit der Winterspiele beizulegen. Die DESG allein war mit der Situation offenbar überfordert.

Nicht zum ersten Mal sorgen interne Streitigkeiten für Ungemach, von Führungsproblemen im Verband wollte Hörmann aber nicht sprechen. „Da sollte man von außen sehr vorsichtig sein mit frühzeitigen Interpretationen und Festlegungen“, sagte er. Eigentlich schienen sich Pechstein und Beckert in Sotschi aus dem Weg zu gehen, doch scharfe Kritik von Anni Friesinger-Postma an Pechstein brachte den Streit erneut ins Rollen. Die dreimalige Olympiasiegerin sprach unter anderem von „Mobbing“ gegen Beckert. Die als sensibel geltende, formschwache Erfurterin griff die Aussagen auf und bemängelte fehlende Unterstützung durch den Verband: „Ich hatte mir in den letzten Monaten auf jeden Fall mehr Unterstützung vom Verband gewünscht. Die ist ausgeblieben, obwohl ich zu Beginn der Saison darum gebeten hatte.“

„Mehr Schlag als Rat“

Die DESG wies die Vorwürfe zurück. „Ich kann diese Angriffe nicht begreifen. Sie hat uns keine nachvollziehbaren Argumente genannt, was sie konkret wolle und wie wir die sportfachliche Betreuung verbessern könnten“, sagte Verbandschef Gerd Heinze. Es sei schwierig, mit Beckert zu reden. Keinerlei Verständnis zeigte Heinze für Friesinger-Postma. „Diese Attacken helfen uns nun gar nicht weiter“, sagte Heinze. Auch Hörmann fand die Kritik aus der Heimat schlecht: „Mancher Kommentar ist mehr Schlag als Rat. Solche Beeinträchtigungen sind kontraproduktiv.“

Beim Verband will man den Konflikt nicht weiter befeuern, auf weitere Kommentare zum Zickenzoff wird verzichtet. Dass zur vorläufigen Befriedung die DOSB-Spitze eingreifen musste, lässt tief blicken. DOSB und DESG haben jedenfalls einen überaus brüchigen Burgfrieden erkämpft. Pechstein hält sich mit jeglichem Kommentar zurück und läuft heute die 1500 Meter, ebenso wie Monique Angermüller (Berlin). Für Pechstein ist der Lauf nur eine Vorbereitung auf die 5000 Meter am Mittwoch. Dort ist die 41-Jährige dann die letzte Hoffnung des Verbandes, aus Sotschi nicht ohne eine Medaille abreisen zu müssen.