Claudia Pechstein hat ihre zehnte Olympia-Medaille verpasst. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin belegte am Sonntag bei den Winterspielen in Sotschi beim Rennen über 3000 Meter in 4:05,26 Minuten nur den undankbaren vierten Platz.
Gold ging an die Niederländerin Ireen Wüst (4:00,34), die damit bereits den dritten Olymiasieg ihrer Karriere feierte. Silber holte Vancouver-Olympiasiegerin Martina Sablikova (Tschechien/4:01,95). Die Russin Olga Graf wurde Dritte (4:03,47). Die Berlinerin Bente Kraus kam auf Platz zwölf.
Pechstein hat am 19. Februar über 5000 Meter noch eine weitere gute Chance.
„Ich habe alles gegeben. Platz vier ist natürlich scheiße, auch wenn ich vorher gesagt habe, zwischen Platz eins und vier ist alles möglich“, sagte Pechstein enttäuscht und unter Tränen.
In 4:05,26 Minuten schrammte die 41-Jährige letztlich deutlich um 1,79 Sekunden am Podium vorbei. Für die zweite niederländische Goldmedaille sorgte Ireen Wüst, die in Bahnrekord von 4:00,34 die Vancouver-Siegerin Martina Sablikova (Tschechien/4:01,95) auf Platz zwei verwies. Bronze ging überraschend an Olga Graf (4:03,47), die Russland die erste Medaille beim Heimspiel bescherte. „Olga hat heute den Lauf ihres Lebens gezeigt. Ich hoffe, dass gelingt mir über 5000 m auch“, sagte Pechstein.
Dass sie als erste deutsche Sportlerin seit Sonntag sechsmal an Winterspielen teilgenommen hat, tröstete die Berlinerin nur wenig. Wüsts Siegerparty bekam sie schon gar nicht mehr mit, sie war enttäuscht in den Katakomben der Adler-Arena verschwunden. „Unglaublich. Ich habe es geschafft, obwohl der Druck gigantisch war“, sagte Wüst.
Ihr erhoffter Triumphzug am Schwarzen Meer in ihrem jahrelangen Kampf um Rehabilitation ist zumindest vertagt. Vor 1682 Tagen war ihre auf Indizien beruhende Sperre verkündet worden, die Entscheidung warf Pechsteins Leben über den Haufen. „Jede Medaille für mich ist ein Tritt in den Hintern der ISU“, hatte Pechstein vor den Spielen in Richtung Eislauf-Weltverband ISU gesagt, der sie einst sperrte.
Ihren Sport durfte sie vorerst nicht länger ausüben, Sponsoren sprangen ab, das Doping-Brandzeichen ist noch längst nicht für alle verschwunden und war wohl mit dafür verantwortlich, dass sie am Freitagabend in Sotschi die deutsche Mannschaft bei der Eröffnung nicht als Fahnenträgerin anführen durfte. In diversen juristischen Auseinandersetzungen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS oder gegen die ISU kämpft Pechstein seitdem um Wiedergutmachung für die „Unrechtssperre“.
Und so schwang reichlich Wut im Bauch mit, als sie um 16.53 Uhr nach acht Jahren Abstinenz auf die Olympia-Bühne zurückkehrte. Über Monate hatte sie auf dieses Rennen hingearbeitet – und schien bestens vorbereitet. Im viertletzten Paar startete sie auf der Innenbahn gegen die Norwegerin Ida Njaatun und legte einen forschen Auftakt hin, der ihr am Ende wohl zum Verhängnis wurde.
„Leermachen, leermachen“
Frenetisch angefeuert wurde Pechstein von ihrem Lebensgefährten Matthias Große. „Leermachen, leermachen“, schrie der stämmige Immobilienmakler von den Rängen. Doch die anfängliche Euphorie in Großes Gesicht wich mit zunehmender Dauer einem sorgenvollen Blick – denn Pechsteins Rundenzeiten fehlte die Konstanz. Nach dem Zieldurchlauf fiel die 41-Jährige völlig entkräftet auf eine Bank im Innenraum und rang nach Luft.
Stephanie Beckert, Silbermedaillengewinnerin von Vancouver, blieb nur die Nebenrolle als Verliererin. In enttäuschenden 4:13,55 Minuten landete die formschwache Erfurterin auf dem 18. Platz – die sportliche Krise der 25-Jährigen hat ihren Tiefpunkt erreicht. Bente Kraus (Berlin) kam als dritte deutsche Starterin in 4:10,17 Minuten auf den zwölften Rang.
„Ich bin nicht so in den Rhythmus gekommen, aber ich setze jetzt noch Hoffnung in den 5000-m-Lauf, da werde ich nochmal angreifen. Es war eine schwierige Saison. Am Ende bin ich froh und glücklich, dass ich überhaupt zurückgekommen bin“, sagte Beckert.
Pechstein steht das nächste Mal am kommenden Sonntag über 1500 m auf dem Eis, hat dabei aber keine realistischen Medaillenchancen. Über 5000 m, ihrer stärksten Strecke, sind ihre Aussichten dagegen gut, dass sie sich ihren Traum doch noch erfüllen kann.
BM


